Schuldenkrise
Moody's warnt Banken vor freiwilliger Beteiligung

Die Ratingagenturen kennen keine Gnade. Jeden Umschuldungsversuch für Griechenland werten sie als Ausfall. Die Folgen seien unabsehbar.
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Noch halten die deutschen Privatbanken den Zeitpunkt für einen Beitrag privater Gläubiger zur Überwindung der griechischen Schuldenkrise für verfrüht. Zwar arbeiteten derzeit alle Beteiligten unter Hochdruck an einem Ausweg für das Land, sagte der Präsident des Bankenverbandes (BdB), Andreas Schmitz, am Dienstag. Allerdings - selbst der Banken-Sprecher schließt eine Beteiligung der privaten Gläubiger nicht mehr ganz aus.

Wenn es denn soweit käme, betont Schmitz, dürfe eine Beteiligung privater Gläubiger nur am Ende einer für alle tragfähigen Lösung stehen. Und dieser Punkt sei "derzeit noch nicht erreicht", sagte Schmitz. Und sollte eine Umschuldung nötig werden, dann dürfe dies jedenfalls nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Einen konkreten Vorschlag hat Schmitz bereits: "Eine Verlängerung der Laufzeiten von griechischen Bonds könnte dabei eine mögliche Lösung darstellen."

Einspruch - rufen die Ratingagenturen. Eine Zahlungsaufschub unter Beteiligung privater Gläubiger kommt der Ratingagentur Moody's zufolge einem Zahlungsausfall gleich. „Unter den gegebenen Umständen ist es schwer vorstellbar, dass man das freiwillig tut“, sagte der für die Bonitätsbewertung von Staaten zuständige Moody's-Manager Bart Oosterveld am Dienstag in Paris. „Es ist deshalb aus unserer Sicht ziemlich wahrscheinlich, dass dies ein Kreditereignis darstellt.“ Ähnlich hatten sich auch die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch geäußert.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker zufolge arbeitet die Europäische Zentralbank bereits an einer Formel zur Beteiligung privater Investoren an einer Streckung. Damit soll verhindert werden, dass die Ratingagenturen die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands feststellen, was für erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen könnte.

Griechenland wird bereits seit einem Jahr mit Notkrediten seiner Euro-Partner und des IWF in Höhe von 110 Milliarden Euro gestützt. Ursprünglich war geplant, dass sich Athen ab 2012 wieder Geld am Kapitalmarkt borgt. Wegen der noch immer hohen Zinsen ist das aber nicht absehbar. Deshalb soll das Finanzloch nun mit einem zweiten Hilfspaket gestopft werden. Die Rede ist von 65 bis über 100 Milliarden Euro.

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  • Treppenwitz der Geschichte: die Mittäter-Agenturen raten den Zockern, weiter an ihren ungerechten Privilegien fest zu halten. Welch ein Verantwortungsgefühl, welche Einsicht nach Jahren auch ihrer Krise.

    ALLE - ALLE alle wussten sie, dass Griechenland für derart hohe Kredite mit seinen bisherigen Exportmöglichkeiten gar nicht gut sein KANN. Und nun will man dem griechischen Volk, das darauf keine Einflussmöglichkeiten hatte, dafür das Fell über die Ohren ziehen?

    Ich persönlich empfinde Solidarität mit dem griechischen Volk.

    Nicht mit den, - ohne jeden Eigenbeitrag, - auf fette Pensionen spekulierenden Politikern; den leistungslos vermögend Gewordenen weltweit, für die Steuerflucht zum elitären Sport verkommen ist; den GLOBAL PLAYERN, die billigst off-shore versteuern, Staaten ausbluten, Infrastrukturen verkommen lassen, Investitionen jeder Art tunlichst scheuen, um überhöhte Manager-Gehälter, Boni und Dividenden munter weiter nach oben zu verteilen. Und auch nicht mit renditegeilen Spielcasinos, die jede mitmenschliche Empathie oder gar Moral völlig verloren zu haben scheinen.

    Die Völker wurden und werden von elitärem, weltweit agierendem, inzestähnlichem Klüngel abgezockt. Die Antwort der Völker wird daher auch international erfolgen müssen ...

    Überheblich gewordene Hasardeure oder erblindete "Eliten", die sich tatsächlich darauf einlassen wollen?

  • Das ist auch weniger Wert wenn es auf der Bank liegt bei Minuszinsen, die sie einem da geben!

  • @ Hopfen: Das ist eine Frage der gesetztlichen Regelungen. Aktien kann jeder drucken, als werthaltig bescheinigen und auch selbst z. B. über seinen Steuerberater eine eigene oder den außerbörslichen Handel eine Kursnotierung ins Werk setzen, das tun tausende kleiner AGs z. B. in der Schweiz, weil AGs dort von Staat als solideste und sozial gerechteste - weil in der alleinigen Haftung befindlich - und öffentlich überprüfbare Form gefördert und sanktioniert werden.

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