Schuldenkrise
Nobelpreisträger zerrupft europäische Sparstrategie

Der strikte Sparkurs, den die meisten europäischen Länder einschlagen wollen, wird keine Früchte tragen. So urteilt Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und kritisiert damit die Haltung der deutschen Regierung.
  • 73

WienWenn in der Euro-Zone der strenge Kurs der Sparsamkeit fortgesetzt wird, droht der Gemeinschaftswährung das Ende. „Europa wäre auf dem Weg in den Selbstmord“, sagte der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz am Donnerstag in Wien. Es sei eine „tödliche Kombination“, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten der Euro-Zone die Verantwortung für die Geldpolitik an die Europäische Zentralbank (EZB) abgetreten hätten und nur noch für die eigene Haushalts- und Steuerpolitik verantwortlich seien, aber über keine eigene Währungen mehr verfügten.

Europas Politiker müssten jetzt endlich erkennen, dass die Staaten der Euro-Zone eine klare Wachstumsstrategie bräuchten. „Wenn die Wirtschaft schrumpft, kann das staatliche Haushaltsdefizit nur größer werden“, warnte der Nobelpreisträger. Die vor allem von Deutschland geforderte Politik der Sparsamkeit vergrößere im Umkehrschluss nur die wirtschaftlichen Probleme der schwächeren Mitgliedsstaaten.

Auch in den USA würden immer wieder Fehler in der Wirtschaftspolitik gemacht. Aber das europäische Modell sei derzeit eindeutig der schlechtere ökonomische Ansatz und führe zu schwerwiegenden Konsequenzen. Strenge Sparsamkeit führe nur bei kleineren Ländern zu Erfolg, die von starken Volkswirtschaften umgeben seien. In der Euro-Zone würden derzeit aber fast alle Staaten in die Rezession getrieben. Zudem besäßen die USA den Vorteil, nie Bankrott gehen zu können, weil die amerikanische Regierung im Zweifel immer Zugriff auf die Notenpresse habe. Mit der Trennung zwischen Geld- und Fiskalpolitik gehe das in der Euro-Zone gerade nicht.

Wirtschaftliche starke Länder wie Deutschland sollten einen wirtschaftspolitisch expansiven Kurs fahren. Die Bundesrepublik etwa könne derzeit zu extrem günstigen Konditionen Schulden aufnehmen und mit diesem Geld Infrastrukturprojekte finanzieren. Andere Staaten in der Euro-Zone würden davon profitieren. Institutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) würden außerdem nicht ausreichend genutzt, um die Volkswirtschaften wieder anzukurbeln. „Europa könnte eine ganze Menge für das Wachstum tun, doch von den Politikern höre ich leider nichts“, sagte Stiglitz.

Der Wissenschaftler warnte vor dem sozialpolitischen Sprengstoff in Ländern wie Spanien mit einer Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 50 Prozent. „Eine ganze Generation muss unnötig leiden“, betonte er. Die Politiker wie etwa in Spanien könnten wegen der wachsenden sozialen Probleme den einzigen Ausweg im Austritt aus der Euro-Zone sehen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Schuldenkrise: Nobelpreisträger zerrupft europäische Sparstrategie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man muss bei all den amerikanischen "Ökonomen" im Hinterkopf behalten, dass das amerikanische Geldsystem sich nur noch mit Tricks über Wasser hält. Das geht von institutionalisierten Massen-Leerverkäufen auch über Totreden anderer Währungen. Meines Wissens ist der Euro zur Zeit völlig unterbewertet und wird lediglich durch amerikanisches Dauerfeuer tief gehalten. Den deutschen Export freuts, den Sparer nicht. Griechenland war ein Kalkül, um Exportweltmeister bleiben zu können, da ohne die "Krise" der Euro zum US$ 2:1 stehen würde. Wer sich also in Panik versetzen lässt ist selber schuld. Der US$ wird spätestens mit dem weltweiten Handel des Rennmimbi and Bedeutung verlieren, eine Bedeutung, die sich rein aus der militärischen Präsenz und dem Ölhandel speist.
    Nur schade, dass dieser Glaube an Entschuldung über Inflation so verbreitet ist. Das funktioniert leider nicht mehr, wenn man erst totgespart ist. Entschuldung funktioniert nur dann, wenn man "Gewinn" macht! Und dazu gehört nunmal ein Plus(+)zeichen beim Ergebnis.

  • Nein, nein, nein, so geht das nicht in den kommenden zwei Wochen
    98% des Threads sind Wiederholungen,was von der Redaktion intensdiert ist. Wo sind am Dienstag die Gruppen und bei welche Wirtschaftsmessungen hat man einen Konsens?

    Sachanalyse und derzeitige Zusammenfassung

    Wirtschaft wird durch Menschen gemacht,die multidimensional durch Studium Generale und durch Erkenntnis in den verschiedenen Kulturen bei gleichzeitiger Selbstbeobachtung der Sozialisation im fundierten Entscheidungsvorgang freiheitlich interessiert sind,wobei Sprache das Bewusstsein bestimmt. Durch die Verkettung personaler Fehlentscheidungen in der 17. Legislaturperiode und durch mediale Nicht-Beachtung personaler Vorgänge in Brüssel in der 16. Legislaturperiode entstehen in Europa nun Strukturen, die die Dekadenz beschleunigen. Durch zahlreiche Ungleichgewichte- Wahrheit Sprache und Geschichte- entsteht ein Verteilungskampf in Politik und Gesellschaften bei gleichzeitiger Endddemokratisierung und ohne Prinzipientreue-> Aufgabe
    @ Stubi,@ Dr. Leineweber,

    Auch die Finanzstrukturen "brauchen" Zeit. Vergleichen Sie die Währungsallokation höchstkapitalisierter Fonds in Europa. Tatsache ist auch, dass London nun mit der chinesischen Währung beginnt
    So hart das klingt, für selbst verschuldete Armut, die aufgrund prinzipiellerundwirtschaftlicher Unterschiede so nicht gelöst werden kann,habe ich kein Verständnis,und Beziehungen auf Unwahrheit aufzubauen ist von seriösen Naturwissenschaftlern zum Scheitern beurteilt.

    Klarer Fall von Denkste: Die Südländer sollten zu Wohle der Zivilbevölkerung und der Poliken in ihre Freiheit entlassen werden. Wie das geht? Zweifach

  • 27.04.2012, 16:15 UhrAnonymer Benutzer: Dr.NorbertLeineweber

    in Ihrem Fall ist es belanglos, ob es sich um die Milz,die Leber oder um säkuleres Wachstum handelt.Ihre Schlußfolgerungen sind einfach falsch.
    Unter den gegebenen Umständen bedeutet der von ihnen geforderte Ausstieg aus dem Euro für Deutschland, Köpfung.
    Die Staatsausgaben, mithin die Verschuldung, wären anders verlaufen,wenn es bei dem von Hobrecht geschilderten Subsidiaritätsprinzip geblieben wäre.

    Hier können Sie sich schlau machen:

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/46/2/

    Nun kommen Sie nur nicht,daß Sie je von dem gehört hätten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%