Schuldenkrise
Ohne Zwangskapitalisierung der Banken geht es nicht

Eine fatale Allianz von Politik und Banken hat die Eurokrise verschärft, nun streiten sie, wer die Zeche zahlt. Doch nur eine Zwangskapitalisierung großer Banken macht den Schuldenschnitt für Athen möglich. Ein Kommentar
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble liefern sich zurzeit ein sehenswertes Duell. Erst tönte Schäuble, er werde dafür sorgen, dass alle systemrelevanten Banken ausreichend Kapital bekommen, „auch wenn dies nicht allen Banken gefällt“. Ackermann wurde im Gegenzug grundsätzlich. Er habe Zweifel, „ob die Politik überhaupt noch in der Lage ist, die Krise dauerhaft zu lösen.“

Eine Zweckehe driftet ab in den Rosenkrieg. Denn es war ja gerade die fatale Allianz zwischen Politik und Kreditwirtschaft, die die jetzige kritische Situation herbeigeführt hat – und die Banken können nicht sagen, dass sie damit nicht lange Zeit sehr komfortabel gelebt haben. Fast alle europäischen Staaten haben jahrelang hemmungslos über ihre Verhältnisse gelebt und bereitwillig das Geld der Banken angenommen. Deswegen hat bis jetzt auch keine Regierung etwas daran geändert, dass Banken für Staatsanleihen kein Eigenkapital hinterlegen müssen.

Mindestens genau so profitiert haben die Banken. Sie haben sich mit Staatsanleihen vollgesogen und damit fast risikolos hohe Gewinne gemacht. Sie waren die eigentlichen Nutznießer der Staatsverschuldung.

Dass sich die Banken jetzt auf den Standpunkt zurückziehen, die Politik habe ihnen ja immer versichert, die Staatsanleihen könnten gar nicht ausfallen und sich so zum armen Opfer stilisieren, ist nicht nur gespielt naiv, das ist frech. Schon jeder einigermaßen interessierte Zeitungsleser weiß seit mehr als einem Jahr, dass Bonds aus Griechenland, Portugal oder Italien nicht ohne Risiko sind – und deshalb selbstverständlich mit Eigenkapital hinterlegt werden müssten.

Großbanken wie die Deutsche Bank, die sich nicht zu unrecht ihres hervorragenden Risikomanagements rühmt, müssten diese Erkenntnis schon viel länger haben. Das lässt nur einen Schluss zu: Viele Banken haben sich schlicht darauf verlassen, dass die starken Eurostaaten entweder ihre verschuldeten Nachbarn, wenn nicht gleich die Banken selber im Notfall rauspauken.

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Der Erfolg gibt den USA recht

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Regierungen müssen ein Zeichen setzen

Kommentare zu " Schuldenkrise: Ohne Zwangskapitalisierung der Banken geht es nicht"

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  • Also irgentwie kann ich die die Erfolgsbeschreibung zu Gunsten der USA seitens des Autors nicht so ganz nachvollziehen! Woher haben die USA denn bei der Staatsverschuldung nur das Geld für die Kapitalisierung der Pleitebanken genommen? Nur so vor sich hingedruckt? Was wäre ein Dollar dann heute noch wert? Bretton Woods läßt grüßen!

  • Ich dachte, das Thema Planwirtschaft wie zu kommunistischen Zeiten haben wir erfolgreich überwunden.
    Nur weil sich unsere Politiker mit ihren Schuldenbergen verspekuliert haben, besinnen sich die Herren Jean-Claude Junker und Wolfgang Schäuble auf überholte Verhaltensmuster.
    Die Herren sollten den Weg für neue Köpfe aus der Privatwirtschaft freimachen. Sie haben ihre Ziele eindeutig verfehlt und Europa abgewirtschaftet.

  • ein völlig verwirrter Geist...
    eine völlig verirrte Analyse...
    was Banken garantiert nicht gerne (sondern nur unter Zwang) gemacht haben, ist miese Staatsanleihen zu horten... über Basel II hat man aber schon dafür gesorgt, dass sie das müssen... ebenso hat man dafür gesorgt, dass jeder einzelen Bürger in seinem staatlich regulierten Altersvorsorge"PRODUKT" automatisch an den Staats"SCHULDEN" beteiligt wird...
    Wehe wehe...

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