Schuldenkrise
Papandreou verspricht: „Yes we can“

In der Not sucht Griechenlands Premier Inspiration bei Obama: „Ja, wir können es“ - die Pleite verhindern, verspricht Papandreou dem BDI - und wirbt um Hilfe. Merkel springt ihm bei, die deutsche Industrie nicht.
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BerlinMit aller Kraft demonstriert der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou seinen Optimismus, die Schuldenkrise doch noch aus eigener Kraft zu bewältigen. „Yes, we can“ („Ja, wir können“), sagte Papandreou am Dienstag Berlin beim Tag der deutschen Industrie und zitierte damit US-Präsident Barack Obama. Griechenland sei für den Euro nicht verloren. Mehr noch - es gebe das Potenzial, die Krise als Chance zu einem wirklichen Wechsel in Europa nutzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte ihm bei der gleichen Veranstaltung weitere Unterstützung zu.

Papandreou scheut vor keinen Versprechungen zurück. Griechenland stehe zu seinen Zusagen, um die nächste Milliardenrate von Europäern und Internationalem Währungsfonds zu bekommen. „Ich kann garantieren: Griechenland wird alle Verpflichtungen erfüllen.“ Der Regierungschef übte auch Selbstkritik, aber die richtet sich gegen seine Vorgänger. „Wir sind kein armes Land, wir waren ein schlecht geführtes Land.“ Man sei mitten auf einem „schmerzhaften Weg“.

Dennoch brauche Griechenland Hilfe - am besten von Investoren.Papandreou ruft die deutschen Unternehmen zu einem stärkeren Engagement in seinem Land auf, um es für die Zukunft zu rüsten. Bei der Modernisierung der öffentlichen Verwaltung könne zum Beispiel die deutsche Software-Firma SAP helfen.

Griechenland habe allein 2010 sein Defizit gewaltig reduziert. Zum Vergleich: Deutschland hätte dafür 125 Milliarden Euro sparen müssen, sagte Papandreou. 2011 seien weitere drei Prozentpunkte geplant. 2012 wolle der Staat einen Haushaltsüberschuss ohne Zinszahlungen erreichen. Das sei die größte historische Sanierungsleistung eines Euro-Landes überhaupt. Auch beim Export habe Griechenland in diesem Jahr bereits um 40 Prozent zulegen können, argumentierte der Premier. Das der rigide Sparkurs Griechenland aber gleichzeitig in die Rezession gerissen hat, ließ er aus.

Diese Warnungen lieferte zeitgleich sein Finanzminister in Griechenland: Die Rezession sei offenbar noch tiefer als angenommen, sagte Evangelos Venizelos nach Gesprächen mit einer US-Delegation. Um 2012 den Primärüberschuss tatsächlich zu erreichen seien weitere Anstrengungen notwendig.

Er warnte seine Landsleute - auch die Streikenden - davor zu glauben, die Krise bestehe in der Kürzung von Renten, Gehältern und den sonstigen Sparmaßnahmen der Regierung. „Krise wird sein, wenn wir die Renten und Löhne gar nicht zahlen können“, sagte Venizelos

Papandreou wurde von den Vertretern des Industrieverbandes BDI mit langem Beifall begrüßt. BDI-Chef Hans-Peter Keitel nannte dies ein Zeichen des Dankes und des Respekts für die Anstrengungen Griechenlands, um aus der Schuldenkrise herauszukommen. „Sie stehen nicht allein vor Ihren großen Aufgaben“, sagte Keitel in Richtung des Athener Regierungschefs. Mit deutschen Investitionen können Griechenland jedoch nicht rechnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte Papandreous Einschätzung. Griechenland sei auf einem guten Weg. Am Abend wollte sei mit Papandreou bei einem privaten Abendessen über die Euro-Rettung beraten.

Kommentare zu " Schuldenkrise: Papandreou verspricht: „Yes we can“"

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  • @ Philosoph

    Wann wird denn endlich damit aufgehört, ständig den Euro für die Exporterfolge der deutschen Konzerne verantwortlich zu machen? DAS IST VÖLLIGER BLÖDSINN!

    Mit der D-Mark wären deutsche Unternehmen keinen Deut schlechter gefahren! Die nationalen Währungen im Euroraum hätten sich (relativ, wenn nicht gar völlig stabil!) an der D-Mark orientiert - also völlig berechenbar, auch ohne Absicherungskosten. Und auch die Produkte deutscher Exporteure wären höchstwahrscheinlich überhaupt nicht teurer geworden, da sie viele Vorleistungen und Vorprodukte enthalten, die - eben gerade durch die starke D-Mark - sehr günstig importiert hätten werden können. Für deutsche Grhoßkonzerne mit Auslandsproduktion stellt sich das Problemn ebenfalls nicht. Hier wird im Währungsraum des Abnehmers produziert - völlig risikolos.

    Der Euro sorgt auf allen Ebenen dafür, daß wir Deutschen auf Wohlstand verzichten. Fakt!

  • "Yes we can "
    "... wir waren ein schlecht geführtes Land.“"
    Die Sippen der Karamanlis und der Papandreou regieren das Land seit Jahrzehnten, gestalten die Politik vor und hinter den Kulissen. Sie haben das Land geführt - und zwar zu grenzenloser Korruption und Vetternwirtschaft - und führen es immer noch. Wer glaubt denn ernsthaft, dass diese Leute zu wirklichen Reformen fähig sind?

    Die Griechen und die griechischen Unternehmer glauben es jedenfalls nicht, sie schaffen ihr Geld ins Ausland.

    Herr Papandreou:
    Welche der angekündigten Reformen der letzten 18 Monate wurden denn tatsächlich umgesetzt und bringen Geld in die Kasse? Laut EU Bericht waren es allzuviele nicht ...

    Was machen die Privatisierungen, was wurde gegen die
    staatsbedrohende Machtfülle der Gewerkschaften getan?

    Wieviele große notorische Steuerhinterzieher wurden zwangavollstreckt und inhaftiert?

    Hat ihr Parlament inzwischen endlich das seit Jahren anhängige Gesetz gegen Steuerhinterziehung verabschiedet oder hat man im Sommer lieber wieder Urlaub gemacht?

    Wieviele unfähige und korrupte Manager von Staatsbetrieben wurden durch fähige Leute ersetzt?

    Wie konnten sie sich (bei den im Durchschnitt niedrigen Einkommen ) bisher einen Steuerfreibetrag von 12000 Euro leisten, der erst jetzt zunächst auf 8000 Euro (deutsches Niveau) abgesenkt wurde?

    Warum streiken derzeit ihre Steuerbeamten ohne Konsequenzen fürchten zu müssen? Beamte die ohnehin nur Schmiergeld kassieren und dem Staat nichts bringen kann man auch entlassen.

    Hier breche ich mal ab .. die Liste der Fragen füllt ein Buch. Die Zeit der Ankündigungen und Versprechungen ist vorbei.
    Das sollten die Griechen wissen. Jenseits des Bosporus macht sich ein fleißiges Volk energisch auf den Weg nach oben. Weitgehend aus eigener Kraft, nur wenig EU-Sponosoring. Das könnten sich die Griechen mal zum Vorbild nehmen. Bevor sie vom Nachbarn geschluckt und saniert werden müssen. Die Geduld Europas ist zuende.

  • Und was die Herrschaft des Antichristen, genannt Satan und Herr der Lüge, welcher die wahre Herrschaft über die bestehenden Systeme (Banken, Medien, Regierungen) zur Umsetzung seines Planes der Weltregierung inne hat -schon Jesus hat er damals in der Wüste versucht zu einem Akt der Anbetung zu verführen und ihm dafür alle Königreiche der Welt angeboten - betrifft: er hat Jesus die Ferse zermalmt und Jesus wird ihm den Kopf zermalmen.

    Rettung gibt es nur durch Jesus Christus.

    Lesen Sie hierzu auch die Internetseite

    http://sieleben.wordpress.com

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