Schuldenkrise: Portugal soll seinen Goldschatz verkaufen

Schuldenkrise
Portugal soll seinen Goldschatz verkaufen

Gegen die internationalen Portugal-Hilfen regt sich Widerstand. In Deutschland ist man der Überzeugung die Regierung in Lissabon müsse zunächst selbst etwas gegen die prekäre Haushaltslage unternehmen.
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BerlinIn Deutschland werden Forderungen an Portugal laut, wegen der Schuldenkrise die eigenen Goldreserven anzuzapfen. „Es kann nicht angehen, dass ein Land gestützt wird, bevor es seine Reserven verwendet hat. Hier zeigen sich meines Erachtens deutlich die wahren Interessen: es geht darum, den Rettungsschirm als von der Politik ad hoc manipulierbares Instrument auf alle Fälle zu etablieren und damit die Regelgebundenheit der Geldpolitik und die Unabhängigkeit der Bundesbank auszuhebeln“, sagte der renommierte Krisenökonomen Max Otte Handelsblatt Online. „Wenn nicht dieses primäre Interesse hinter den Rettungsaktionen für Portugal stünde, müssten natürlich zunächst die nationalen Optionen ausgelotet werden“, betonte der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms.

"Bevor das Geld anderer gefährdet wird, muss Portugal das eigene Tafelsilber verkaufen, unter anderem die Goldreserven", sagte auch der FDP-Bundestagsabgeordnete und -Finanzexperte Frank Schäffler der "Bild"-Zeitung. "Alles andere wäre unsolidarisch." In das gleiche Horn bläst der Bund der Steuerzahler. "Portugal muss sich zunächst selbst helfen, bevor der deutsche Steuerzahler in Haftung genommen wird. Zum Beispiel kann das Land auch sein Gold verkaufen", sagte Vizepräsident Reiner Holznagel dem Blatt.

Allerdings verwies die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Mittwoch auf die Hürden, die einem Goldverkauf entgegenstehen. So haben sich die Notenbanken vor einigen Jahren darauf verständigt, nur eine begrenzte Menge ihres Goldes zu verkaufen. Die Portugiesen hätten ihr Kontingent weitgehend ausgeschöpft.

Portugal besitze derzeit rund 385 Tonnen Gold. Je Kopf der Bevölkerung gerechnet halte die portugiesische Notenbank fast genauso viel Gold wie die Bundesbank, die mit 3400 Tonnen weltweit den zweitgrößten Goldschatz hüte. Portugal nehme in der Rangliste Platz 14 in der Welt ein.

Das Milliardenrettungspaket für das hoch verschuldete Portugal ist indes schon geschnürt. Allerdings müssen die EU, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB) offiziell noch grünes Licht geben. Portugals geschäftsführender Regierungschef José Sócrates hatte aber erklärt, die Verhandlungen mit den Vertretern von EU und IWF seien erfolgreich abgeschlossen. Nach Informationen aus Portugal soll sich das Hilfspaket auf 78 Milliarden Euro belaufen.

Vor den Neuwahlen am 5. Juni formiert sich in Lissabon aber nicht nur von der konservativen Opposition breiter Widerstand gegen die strengen Auflagen, die Portugal nach Medieninformationen zu erfüllen hat, um an die Hilfen zu kommen. Dazu zählen umfangreiche Steuererhöhungen und und das Einfrieren von Renten und Gehältern.

EU, EZB und IWF wollen an diesem Donnerstag in Lissabon Details über das Abkommen mit der Regierung Portugals präsentieren, wie die Kommission am Mittwoch in Brüssel mitteilte. "Wir sind noch in Beratungen mit den wichtigsten Oppositionsparteien", sagte die Sprecherin von EU-Vizekommissionspräsident Joaquín Almunia am Mittwoch in Brüssel. In einer Erklärung von EU, IWF und EZB zum Hilfspaket hieß es zuvor, eine "Einigung auf Mitarbeiter-Ebene mit der (portugiesischen) Regierung über ein umfangreiches wirtschaftliches Programm" sei erreicht. Die Bundesregierung hielt sich noch bedeckt. Berlin führte an, Details lägen noch nicht vor.

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Kommentare zu " Schuldenkrise: Portugal soll seinen Goldschatz verkaufen"

Alle Kommentare
  • Portugal müsste doch wahnsinnig sein, sein Gold zu verkaufen. Die Rettungseuros gibt es auch so und wenn es den Euro zerlegt kann man eine neue Währung wenigstens teilweise mit Gold hinterlegen.

  • Die Schulden-/Finanzkrise ist die Systemkrise des Kapitalismus. Als sich die Systemwidersprüche in den 30 Jahren des 20 Jahrhunderts schon einmal so zuspitzten, konnte das System sich letztlich nur durch die gewaltigen Zerstörungen des Weltkrieges, die neue Potentiale für organisches Wachstum generierte, restaurieren. Hoffen wir, dass die Menschheit diesmal klüger ist und nicht wieder ihren Projektionen erliegt und sich die Köpfe völlig sinnlos einschlägt, nur um (meist unbewusst) aus Gewohnheit und Angst am alten System des Wirtschaftens und Zusammenlebens festzuhalten.

    Der Kapitalimus ist für organisch wachsende Wirtschaftsbereiche (z.B. nach Kriegszerstörungen oder bei Inovationen wie Neue Energien, IT usw.) die beste Organisationsform. Für gesättigte Wirtschaftsbereiche (Marx hat die Sättigung mit seinem Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate vorhergesagt) ist er ungeignet. Man versucht die Tatsache der Sättigung durch ein zwanghaftes Festhalten am Wachstum (=Wachstumswahn) und durch Doping (künstlich niedrige Zinsen und Gelddrucken) zu vertuschen. Dafür und für die Millionen "Verlierer" (z.B. weniger "wettbewerbsfähige" Staaten oder Hartz4-ler) müssen neue Organisationsformen gefunden werden (wobei der Kapitalismus für die geeigneten Wirtschaftsbereiche weiterhin bestehen bleiben kann).

    Diese neuen Organisationsformen werden zwangsläufig das Eigentum, dass in demokratischen Gesellschaften nie etwas anderes sein kann als eine gesellschaftliche Konvention, relativieren. Allerdings grundsätzlich und nicht nur wie derzeit angedacht oberflächlich, indem Geld nur von den reicheren Steuerzahlern (z.B. in Deutschland) an die ärmeren transferiert wird. Die eigentliche "Umverteilung" die nötig ist, um einen neuen "Weltkrieg zur Systemrettung" zu vermeiden, muss von den Privat-Vermögen zu den neuen Organsisationsformen stattfinden. Diese Transfers scheut die im alten verhaftete Politik (noch) wie der Teufel das Weihwasser.

  • AN ALLE HIER!!! Griechenland könnte alles bezahlen wenn die EU mal mit der Türkei sprechen würde, damit Griechenland mit den Ölvorkommen in der Agais seine Schulden bezahlen kann, aber NEIN, dann verdienen ja die Banken/Staaten, die Griechenland Geld geliehen haben, keine Zinsen mehr!!!!!

    Also hört mal auf nur zu stänkern, es ginge wenn Ihr nur wolltet.

  • Ich hatte auch schon mal vorgeschlagen, dass Staaten ihre Ländereien als Hypothek hinterlegen könnten. Griechische Inseln oder die schöne Atlantikküste Portugals ... hat alles sicherlich einen guten Wert für Gläubiger.

  • Dürfen H4-Empfänger Wertsachen behalten? Soweit mir bekannt nicht! Wieso sollte das bei Staaten anders sein? Wieso soll der deutsche Steuerzahler eine Party bezahlen, die er nicht mal wollte?

    Die EU und der Euro sind doch jetzt bereits am Ende! Da wird nur mit allen lebensverlängernden Maßnahmen der Komapatient halbwegs vom Sterben abgehalten.

    Auch bei Staaten ist m.E. Sterbeverlängerung nur eine zusätzliche Qual.

  • Ihren Vorschlag finde ich gut und praxistauglich. Portugal könnte Ausfallbürgschaften und Darlehen sowie die sich darauf ansammelnden Zinsen und Kursrisiken tatsächlich durch Hinterlegung des Goldbestandes beim jeweiligen Gläubiger besichern. Unserer Bevölkerung wären die Finanzhilfen weitaus besser vermittelbar.

  • Die Asiaten wird´s freuen. Die greifen gerne zu bei günstigen Preisen, um ihre Fiat-Dollars loszuwerden.
    Glück auf!

  • Nun, der Goldpreis soll genauso wie Silber gnadenlos nach unten geprügelt werden, damit die Schafe die Hände vom Edelmetall lassen und sich mit bedruckten Papierchen zufrieden geben. Dieses "Geld" kann man dann gnadenlos inflationieren. Das Spiel ist bekannt und bestens erprobt.
    Allerdings eine Unze Gold bleibt immer eine Unze Gold. Nichts zu machen.

  • Aha, man will ans Gold der Portugiesen und wie schaut´s denn bei den Griechen aus? Die Gelegenheit ist doch supergünstig. Erst eine Verschuldungspolitik sondersgleichen
    und dann einen Griff in den Tresor. Da lernen sich die "Freunde" in Europa erst mal richtig kennen und schätzen.

  • Soweit die USA finanzielle Hilfe aus D erbitten - ja.
    Woher kommt dieser latente Antiamerikanismus? Glauben sie wirklich die Staaten in der EU wären unsere Freunde? Nur solange wir bezahlen!

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