Schuldenkrise

Portugals Notenbank zeichnet Horrorszenario

Nach der milliardenschweren Rettung Irlands setzen Deutschland und Frankreich auf eine dauerhafte Beruhigung der Finanzmärkte. Doch das könnte nicht mehr als ein frommer Wunsch sein. Der nächste Wackelkandidat heißt Portugal. Und der könnte ernsthafte Probleme bekommen, wie die portugiesische Zentralbank erklärte.
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Belem-Tower in Lissabon mit darauf projezierter Nationalflagge: Absturz droht. Quelle: Reuters

Belem-Tower in Lissabon mit darauf projezierter Nationalflagge: Absturz droht.

(Foto: Reuters)

HB LISSABON. Die portugiesische Zentralbank hat bei einem Scheitern der Haushaltssanierung vor großen Risiken für die Finanzbranche des Landes gewarnt. Sollte es nicht zu Maßnahmen kommen, die Staatsfinanzen glaubwürdig und nachhaltig zu konsolidieren, werde das Risiko für die Banken untragbar, teilte die Notenbank am Dienstag in ihrem Finanzstabilitätsbericht mit. Da die dringend notwendigen Sparschritte aber die Wirtschaft im kommenden Jahr belasteten, müssten die Banken ihre Kapitaldecke stärken und mehr Geld für Kreditausfälle zurücklegen. Zudem müssten die Banken ihre große Abhängigkeit vom Finanztropf der Europäischen Zentralbank (EZB) verringern.

Im Kampf gegen das Haushaltsdefizit und um die Finanzmärkte zu beruhigen, hat die sozialistische Minderheitsregierung einen strikten Sparkurs eingeschlagen. Dennoch wird Portugal nach den EU-Krediten für Irland an den Märkten als nächster Kandidat für einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm gehandelt. Das Land zahlt für neue Kredite immer höhere Zinsen.

Dessen ungeachtet hoffen die Euro-Länder nach den Beschlüssen zum irischen Rettungspaket und zu einem neuen Krisenmechanismus für Pleite-Staaten auf eine nachhaltige Entspannung an den Finanzmärkten. Die jüngsten Marktreaktionen bezeichneten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine französische Kollegin Christine Lagarde als übertrieben. „Die Spekulation an den internationalen Finanzmärkten ist eine kaum noch rational zu erklärende“, sagte Schäuble. Mit den jüngsten EU-Entscheidungen sollten wieder Ruhe und Realität an den Finanzmärkten zurückkehren.

Die EU-Finanzminister hatten am Sonntag ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro für Irland genehmigt. Irland selbst beteiligt sich mit 17,5 Milliarden an dem Paket, die übrigen 67,5 Milliarden Euro bringen zu gleichen Teilen die EU, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die anderen Euro-Länder plus Großbritannien, Schweden und Dänemark auf. Finanzminister Schäuble bezifferte den deutschen Anteil an Garantien gestern auf 6,25 Milliarden Euro.

Schäuble verteidigte die deutsche Beteiligung an der Stabilisierung des Euro-Partners Irland als „alternativlos“. Bei einem Übergreifen der Turbulenzen auf die Euro-Zone wäre der deutsche Aufschwung bedroht gewesen, sagte er am Montag in Berlin. Ein Scheitern des Euros hätte unabsehbare wirtschaftliche und soziale Folgen in Deutschland. „Die Stabilität des Euros ist im eigenen deutschen Interesse“, sagte Schäuble. Ein Regierungssprecher in Paris würdigte die Beschlüsse als Ergebnis der Entschlossenheit Europas, Frankreichs und Deutschlands, die Euro-Zone zu retten.

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17 Kommentare zu "Schuldenkrise: Portugals Notenbank zeichnet Horrorszenario"

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  • Warum sollen die ausgaben der Piigs das einzige Problem sein ? aus unserer sicht vielleicht, nicht aber aus sicht der piigs. die mentalität ist eben verschieden, aber das mußte ein jeder auch schon vorher wissen. es ist von deutschland maßgeblich die überstürzte euro-einführung auf geheiß der deutschen exportindustrie betrieben worden. und deutschland hat sich ebenfalls nicht an der maastrichter vertrag gehalten, hat ständig die vorschriften mißachtet. die anderen dachten sich: was diese stabilitätsprediger ( und Lügner !) können, das können wir auch.
    Deutschland export ist eben doch ein problem, weil er auf lohndumping innerhalb der eu basiert. Das heißt, deutschland verschafft sich auf unfaire, unlautere weise vorteile gegen die anderen, so wie china das durch währungsabwertung tut. irgendwie bilden viele sich hier ein, wie toll das sei, daß wir soviel exportieren. Nur kurzdenkende werden darüber begeistert sein, denn langfristig erfolgt der einbruch ohne zweifel und das "konzept" trägt eben nicht au dauer. deutschlands Export ist überzogen, und das auf stetiges drängen der kapitaleigner. Die CDU aber ist das Ausführungsorgan dieser leute, und deswegen war es der CDU ja auch so wichtig, den euro überstürzt durchzudrücken. Gleichzeitig wurde uns vorgegaukelt, wie glorreich die europäische einigung durchgeführt werde.

  • @ no.7
    Deutschland war schon immer eine der größten Exportnationen der Welt, das ist aufgrund unserer Wirtschaftsstruktur auch nicht anders möglich. Nicht Deutschlands Export ist das Problem sondern die Ausgaben in den PiiGS Staaten. by the way alle Parteien waren immer für den Euro das ist keine CDU Erfindung.
    @ Althaus
    iCh sehe Sie glauben alles was Herr Seibel als Regierungssprecher sagt und die allg. Presse dann veröffentlicht.. nun die Deutsche bank ist allerdings nur sehr gering in irland aktiv, so das Sie hier mit dre Einschätzung voll daneben liegen. irland hat jahrelang von der EU gesponsort die Kapitalsteuer auf 12,5% gesenkt und damit massiv Arbeitsplätze aus anderen EU Staaten abgezogen. Warum sitzen die Call Center heute fast alle in irland... Nun wo man sich verspekuliert hat, ohne Steuereinnahmen läuft eben doch nichts, ruft man nach Hilfe bei den Ländern denen man die Arbeitsplätze genommen hat.

    Das katastrophale aktuell ist das man mit diesem "Rettungsschirm" nur die Märkte beruhigen will, damit die Staaten die Kredite erneuern können. in wenigen Jahren wenn diese Kredite anstehen wird allerdings die Lage nicht besser sein, den mit keinem dieser kredite ist eine wirkliche strukturelle Veränderung für einen Umbau der Wirtschaft verbunden. Die massiven Steuer-erhöhungen und Lohnkürzungen bringen kurzfristig eine verbesserte Zahl für den Report an EU und iWF, allerdings verschlimmern die meisten dieser Maßnahmen die Situation eher noch, da nun die restliche Wirtschaft abgewürgt wird. Die beteiligung der banken ist entgültig erledigt, da haben sich Merkel und Schäuble beim Gipfel am Wochenende von den Andern eine Abfuhr geholt. Somit ist klar das nur noch der Steuerzahler und damit sind in erster Linie die Nordländer gemeint, Schwerpunkt Deutschland, für alle diese Schulden gerade stehen sollen. Das wird hier aber kein politiker mehr vermitteln können und somit ist der Euro so oder so gescheitert. Es ist jetzt nur noch die Frage WiE man aus der Nummer kommt und in welchem Zeitraum, bevor es zum kompletten Zusammenbruch kommt und alles entwertet wird... was auch nicht neu wäre...

  • @ 13
    Die Kanzlerin bestimmt die Richtlinien der Politik.

    Sie sollte eien außerordentlichen CDU-Parteitag einberufen.

    Mit einem Euro-Austieg oder einem Nordeuro könnte sich die CDU profilieren.

    Die FDP wieder über 5% kommen.

  • [12] reingelegt
    "Niemand in D wollte den Euro haben."?
    Hoppla!
    Als wir in Kassel für den Erhalt der DM demonstriert haben, waren wir ein kleines Häufchen von höchstens 800 Leuten!

  • ... wovon er redet. Er konnte ja noch nicht einmal mit Fakelaki-Partei-Geldspende-barem umgehen und noch heute steht sein Eid gegen den der CDU-Frau.
    .
    Der lawinenmässig zu Tal brausende Euro ist ganz und gar nicht "im deutschen interesse". Hier hat der kranke Mann noch nicht mitbekommen, dass Deutschland durch den Euro ausschliesslich geplündert worden ist.Unsere Exportstellung Nr. 1 hatten wir in der Welt schon lange vor dem Euro-blödsinn.

  • Niemand in D wollte den Euro haben.
    Die bevölkerung wurde belogen und betrogen.
    Kritiker wurden als "Stammtischler" beschimpft.

    aber nächster Wahltag ist Zahltag !!

  • Wer gestern abend die Sendung "Unter den Linden" auf "Phoenix" gesehen hat, fühlt sich bestätigt: Der Euro taugt nur zu einem: Als instrument zur Ausbeutung des deutschen Steuerzahlers durch faule und unzuverlässige europäische Staaten. Professor Sinn erklärte in hervorragender Weise die Euro-Krise. Dem CDU-Staatssekretär im Finanzministerium Kampeter blieb nur übrig, Geschichten von Verdun zu erzählen, als wenn es Krieg gäbe, wenn wir den Euro abschaffen. Wenn dem so wäre, was Kampeter erzählt, wäre das Deutsche Volk zum Sklavenvolk Europas verurteilt. Und noch eines: Es wird immer erzählt, daß Deutschland nicht zahlt, sondern "nur" bürgt. So wie ich unbsere "Fachleute" in berlin kenne, ist es wahrscheinlich eine gesamtschuldnerische bürgschaft, d.h. Deutschland ist letztlich der einzige bürge. Wie neusten Meldungen zeigen, daß selbst Frankreich von der Euro-Krise bedroht ist. Wie sollen die denn für was bürgen? Und italien? Der dortige Ministerpräsident hält sich mit Vorliebe in Fußballstadien oder gleich im Puff auf. Daß Holland und Österreich noch so still sitzen, wundert mich ehrlich gesagt. Die verstecken sich vermutlich hinter Deutschland. Meine Forderung: Als erstes gehört Schäuble entlassen. Er gehört dem alten Eurosystem "Kohl/Waigel" an. Es müssen neue Leute ins Amt, die wahre deutsche interessen vertreten! Euro, nein Danke!

  • Also irland beteiligt sich mit 17.5 Mrd an der eigenen Rettung. ??? Was wird da getrickst und gespielt? Aha, es geht ja nicht um irland oder den Euro, es geht um die banken, deren Verluste durch die Steuerzahler eingebracht werden sollen. Alternativlos ist das nicht für Schäuble, sondern für Ackermann. Die nun besiegelte Transferunion bedeutet also alles Geld der Arbeitnehmer zu den banken. Danach kann der Euro beerdigt werden (nach Portugal, Spanien, belgien, italien ... solange die bondkäufer mitspielen)

  • FiDDLESTiCKS - PORTUGAL ESTÁ FALiDO !
    EVEN EiRE iS ON THE ROCKS !
    PAPPERLAPAPP - GRiECHENLAND iST PLEiTE !
    oder, um auch jeden zu erreichen:
    KOURA FÉXALA, ! ELLÁDA ÉSPASE
    Es hat wohl damit begonnen, in Europa zu glauben, daß babylonische Sprachwirrwarr sei überwunden.
    Wie wenig richtig das ist, kann bei einer Sitzung des Europäischen Parlaments und seinen Übersetzern par exellance beobachtet werden.
    Jeder Teilhaber der Macht in Deutschland muß es inzwischen wissen: Seine Handlungen sind über die Grenze des Erlaubten und auch nicht mehr mit der Umschreibung des Verbotenen korrekt umschrieben.
    Die Grenze zum Hochverrat ist nun einmal fließend.
    Dies werden auch in den USA Großbanken und ihre Hintermänner sehr bald Dank Wikileaks erfahren.
    Da hilft auch nicht der nahende Krieg in Korea, der für mich so gut wie sicher ist. Dieses Land steht auf einer Agenda, wie Chile, irak, iran, Palästina und eben Korea. Es ist nun einmal dran!

  • Es ist ein Trauerspiel, aber der Politik und den Notenbanken ist es bis heute nicht gelungen, sich von den Finanzmärkten zu emanzipieren. Die hier angesprochenen Maßnahmen folgen nur einer einzigen Logik und die heißt: beruhigung der Finanzmärkte. Ein Krisenbewältigungskonzept ist es nicht. Es ist nur zu klar, dass „die Finanzmärkte“ ihre nächsten Forderungen stellen, sobald die vorangegangenen Forderungen erfüllt wurden. Diesen Zug können Politiker und Notenbanker so nicht stoppen.

    Das eigentliche Problem hat zwei Komponenten: Erstens geht es nach wie vor um eine effektive Zügelung der Finanzmärkte und zweitens darum, für die in Not geratenen Staaten ein neues, tragfähiges Wachstumsmodell zu finden.

    Dies zu finden, dabei sollte die EU helfen, das müsste ihr oberstes interesse sein. Denn nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise hat sich gezeigt, dass gerade das Wachstumsmodell der Staaten am Rand der EU nicht mehr tragfähig ist. Sie sind quasi im Windschatten der starken EU-Staaten gefahren. Die jahrelange massive Förderung der EU hat ihnen geholfen, aber sie hat sich als nicht nachhaltig erwiesen.

    Stattdessen verordnen EU und iWF drakonische Sparkonzepte, die – so wie sie angelegt sind – die grundsätzliche Wachstumsproblematik verschärfen werden. Um ein neues Wachstumsmodell umzusetzen, bedarf es jedoch auch eines gewissen finanziellen Spielraums. Der ist indes nicht gegeben – in Griechenland ebenso wenig wie in irland. insofern ist das, was EU und iWF jetzt durchgesetzt haben, ein Anti-Wachstumskonzept.

    „Die Finanzmärkte“ dürfte das freuen. So lange die Staaten ihre Wachstumsproblematik nicht lösen, können sie diese weiter erfolgreich unter Druck setzen.

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