Schuldenkrise

Athen bewilligt Sparprogramm

Im Kampf gegen die Pleite verscherbelt Athen sein Tafelsilber: 78 Milliarden sollen eingespart werden. Doch die griechischen Gewerkschaften laufen Sturm. Schlechte Wachstumszahlen wecken Zweifel an einer Kehrtwende.
Update: 09.06.2011 - 22:27 Uhr 21 Kommentare
Angst vor der Zukunft: Ein Grieche bei den Demonstrationen gegen das Sparprogramm. Quelle: dapd

Angst vor der Zukunft: Ein Grieche bei den Demonstrationen gegen das Sparprogramm.

(Foto: dapd)

AthenDie griechische Ministerrat hat am Donnerstag die Eckpunkte des neuen Sparpakets zur Rettung das Landes vor dem Bankrott gebilligt. Das harte Programm umfasst 78 Milliarden Euro. Allein bis Ende 2011 müssen die Griechen demnach 6,4 Milliarden Euro sparen, bis 2015 sollen weitere 22 Milliarden hinzu kommen. Zudem will der Staat durch Privatisierungen und den Verkauf staatlicher Immobilien 50 Milliarden Euro einsammeln. Die Gewerkschaften - vor allem die des staatlichen Bereichs - kündigten trotz der dramatischen Finanzlage umfangreiche Streiks für den 15. Juni an.

Ministerpräsident Georgios Papandreou: Mehrheit im Parlament bei der Abstimmung für das Sparpaket ungewiss. Quelle: dapd

Ministerpräsident Georgios Papandreou: Mehrheit im Parlament bei der Abstimmung für das Sparpaket ungewiss.

(Foto: dapd)

Die Debatte im Ministerrat unter Vorsitz des sozialistischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou dauerte mehr als fünf Stunden. Vorangegangen waren zweitägige, zum Teil stürmisch verlaufene Diskussionen in den Parteigremien der regierenden Sozialisten. Papandreou habe dabei wiederholt betont, es sei eine „nationale Pflicht“ in den kommenden Jahren keine zusätzlichen Schulden mehr zu machen, wie der griechische Rundfunksender Skai berichtete.

Angestellte griechischer Staatsbetriebe hatten zuvor in der Hauptstadt gegen die geplanten Einsparungen und Privatisierungen protestiert. Das Parlament muss dem Sparprogramm noch zustimmen. Die Billigung des Parlaments ist eine der Bedingungen dafür, dass die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) grünes Licht für die Auszahlung der nächsten Tranche der Finanzhilfe für Griechenland über zwölf Milliarden Euro geben. Kommt das Geld nicht, ist Griechenland nach den Worten seines Finanzministers Giorgos Papakonstantinou bis Ende Juli pleite.

Die entscheidende Abstimmung soll am 28. Juni stattfinden, wie Medien berichteten. Die regierenden Sozialisten verfügen über 156 Mandate im 300 Abgeordnete zählenden Parlament. An den Streiks unter dem Motto „Wir verkaufen nicht“ beteiligten sich Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr, bei Post und Banken, die Hafenarbeiter sowie Journalisten. Ein weiterer Streik wurde bereits für kommenden Mittwoch angekündigt. 2.000 Menschen protestierten auf den Straßen von Athen.

Griechenlands Wirtschaft tritt auf der Stelle
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21 Kommentare zu "Schuldenkrise : Radikaler Sparkurs soll Griechen vor der Pleite retten"

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  • Sparen geht doch ganz einfach.
    Man nehme 300 Milliarden (schulden)*5%=1.5 Milliarden.
    Da wir die Kohle nicht haben, kriegen wir vom IWF schlappe
    100 Milliarden .
    also 300 Milliarden+100 Milliarden*5%= 2 Milliarden!
    Moment mal, das sind ja mehr Zinsen als vorher!
    Hmmm…ich Habs, geben wir den doch ein Kredit!!!!

  • Ja? Und ich dachte, wir könnten die Schlaglöcher nicht mehr reparieren, weil das Geld fehlt.

  • DIESES Opfer scheint mir in der Tat alternativlos und verschmerzbar...

  • Mal abgesehen davon, das die ganze ferngesteuerte Politikergarde von den Griechen Sparkurse verlangen die Sie selbst verabscheuen und niemals einhalten würden, kein Sparkurs der Welt wird die Griechen vor der Drachme retten.

  • Wie verblödet und/oder ignorant gegenüber Realitäten muss und kann man sein, wenn man ich anerkennen will, dass es durch Sparen keinen Ausweg aus der Misere (mehr) gibt.
    Übrigens auch in Deutschland nicht.
    Das führt nur zu einem Teufelskreis.
    Es gehört ein Währungsschnitt daher, ohne Wenn und Aber. Die Frage lautet ansonsten nur noch: Wollt ihr die Medizin mit einem Löffel und in mehreren kleinen Dosen zu euch nehmen.

  • @ daytrader: Gnade, ohjehojeh! Bitte nicht so hart undgrausam, wir armen Trotteln zittern ja geradeschon vor Ehrfurcht vor soviel geballter Kompetenz Ihrerseits! Bitte geben Sie uns weiterhin die Ehre, uns mit Ihren weisen, prophetischen Ergüssen zu erleuchten!! Wir werden auch ergebendst Ihre (stinkenden) Füße küssen, ehrlich!! Und morgen ist Weihnachten und die Erde ist eine Scheibe, stimmts?!?

  • @daytrader

    ach „mainhattanboy“ - bleib doch bei der BILD, dort hast Du doch schon deine Plattform, um dein Gesülze unters Dummvolk zu schmieren!

  • du troll. zum glück sagt mein kontostand, das einzige kriterium für ökonomischen sachverstand und -kompetenz, da etwas anderes.
    nix für ungut, ich hab keine zeit für eine sinnlosdiskussion mit dir/euch. und bin auch nicht bereit dir/euch deine/eure unausgegorene freizeit zu gestalten. over and out.

  • Antwort an daytrader.
    Sie haben meine Frage hinsichtlich der Reserven nicht beantwortet. Es geht nicht darum, ob ich meine Kredite zurückzahle, sondern ob Griechenland bei einer Verschuldung von über 150 % des Bruttosozialproduktes dazu in der Lage ist. Im Hinblick auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland ist dies m. E. nicht fraglich, sondern ausgeschlossen. Ihre "dicken Gewinne" können Sie vergessen.

  • Immer wieder heißt es Griechenland ist pleite. Aber Otto Normalverbraucher die Rechnung zu präsentieren für die schlechten Wetten im Finanzkasino ist unfair und eine Ablenkung für eine Inszenierung dessen Ende bekannt ist: die Großen werden raus gekauft, die Kleinen zahlen. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Ob Dublin, Athen, Berlin oder Paris: Staatliche Leistungen werden gekürzt, Steuern erhöht, Tafelsilber unter Wert veräußert. Wofür? Es wird niemals möglich sein diese Schulden zu schultern. Island sollte der EU ein Vorbild sein: kein IMF, keine Zinsen abzahlen für kriminelle Geschäfte und schließlich die Betrüger Banker unter Arrest. Ich zitiere anschließend den Kommentar von Siggi40 zum Artikel Drohender Griechenland Bankrott alarmiert Schäuble. Durch Derivate der Goldman Sachs Gang hat GR seine wahre Schuldenlast vor Eintritt im Euro Raum vertuscht. Hier der Kommentar: Den globalen Systemausfall - den haben wir noch vor uns. Die Größenordnung des Derivatemarktes, (…) das 19-fache des weltweiten Anleihemarktes (44.9 Bio. USD Stand 2006) und etwa das 24-fache des weltweiten Aktienmarktes (36.6 Bio. USD Stand Oktober 2008) zeigt, dass das Problem der dort angehäuften tickenden Zeitbomben nur noch in einem Supergau an den internationalen Finanzmärkten enden kann. Es geht schlicht um ca. 600 Billionen absolut wertloser Papierschnipsel, die die Bankster in ihren Kellern gelagert haben, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigen Kollaps zu bewahren. Griechenland, Irland, Portugal, sogar die USA, sind nur Nebenschauplätze, um das eigentliche Problem zu verschleiern (…). Nur durch ein Reset im Finanzsystem und einer Aufteilung in Geschäfts- und Zockerbanken ermöglicht es den westlichen Industriestaaten einen Neuanfang. So wäre auch die sonst erforderliche weltweite Revolution noch aufzuhalten, wo die Bürger dann selbst für Gerechtigkeit sorgen.

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