Schuldenkrise
Spaniens Industrie bricht ein

Die Hiobsbotschaften aus Spanien nehmen einfach kein Ende. Nachdem das Land immer tiefer in den Sog der Schuldenkrise gerät, ist nun auch noch die Industrieproduktion dramatisch eingebrochen.
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Madrid/München/BrüsselDie spanische Industrieproduktion ist im April so stark eingebrochen wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Die Unternehmen stellten 8,3 Prozent weniger her als im Vorjahresmonat, teilte das Statistikamt am Mittwoch in Madrid mit. Das war der stärkste Rückgang seit September 2009. Analysten hatten lediglich ein Minus von 6,5 Prozent erwartet. Im März hatten die Unternehmen ihre Produktion bereits um 7,5 Prozent gedrosselt.

Das einstige Boomland kämpft gegen eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Arbeitslosigkeit ist bereits jetzt die höchste in der Europäischen Union. Jeder vierte Spanier hat keinen Job, etwa jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos.

Schlimmer noch: Das von Schulden geplagte Land hat erstmals Probleme bei der Beschaffung von frischem Geld auf den Finanzmärkten offen eingeräumt. „Die Tür zu den Märkten steht uns derzeit nicht offen“, sagte Finanzminister Cristóbal Montoro. Der Grund liege in den hohen Zinsen, die Spanien für seine Staatsanleihen bieten müsse.

Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte sich deshalb erstmals öffentlich für eine Einführung von Eurobonds ausgesprochen. Er hatte sich in dieser Frage bis dahin öffentlich nicht eindeutig festgelegt gehabt. Dies war vor allem darauf zurückgeführt worden, dass Madrid im Zwist zwischen Berlin und Paris sich nicht offen auf die Seite der Franzosen stellen wollte. Frankreichs Staatspräsident François Hollande tritt für eine möglichst rasche Einführung von Eurobonds ein, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dagegen. Die wieder aufgeflammte Schuldenkrise beschäftigte auch die G7-Finanzminister und Notenbankchefs. An den Börsen ging die Achterbahnfahrt weiter.

Das größte Problem in der spanischen Schuldenkrise sind die Banken, die nach dem abrupten Ende des Immobilienbooms eine Vielzahl von „faulen Krediten“ in ihren Bilanzen haben. Nach Ansicht des Präsidenten der Großbank Santander, Emilio Botín, benötigen die spanischen Geldhäuser eine Kapitalspritze von insgesamt 40 Milliarden Euro.




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  • Ich verstehe bei diesem Artikel nur eines nicht so ganz: Dass ein Land weniger exportiert, weil andere kein Geld haben die Waren abzunehmen, ist ja noch verständlich. Aber warum bricht die Produktion ein? Woran liegt das?
    Dieser Frage muß nachgegangen werden

  • Tabu
    Vollste Zustimmung
    In den letzten drei Jahren sind mehr als eine halbe Mio Fachkräfte gegangen, das man sie hier nicht wollte.
    Was für ein Zynismus jetzt nach Zuwanderung zu rufen.
    Das sit schon kriminell und granzt an Landesverrat

  • Herr Eiche
    genau richtig. Und in diese schlittern wir auch alle wieder rein, weil wir, genau wie damals, Delettanten in der Poltik haben und Volksverräter

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