Schuldenkrise
Tag der Entscheidung in Griechenland

Dramatischer geht es kaum: In einer Abstimmung um Mitternacht stimmt das griechische Parlament über die neue Regierung Papandreou ab. Verweigert es das Vertrauen, ist Griechenland pleite - und der Euro wackelt.
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AthenDie Finanzminister der Eurozone haben Griechenland mit einem klaren Ultimatum in diesen Schicksalstag geschickt: Entweder stimmt das Parlament in der kommenden Nacht dem drakonischen Spar- und Reformprogramm zu, oder EU und IWF geben die dringend notwendige nächste Kredittranche aus dem ersten Hilfspaket nicht frei.

Damit steht die Koalition von Premierminister Giorgos Papandreou unter hohem Druck. Papandreous Sozialisten haben nur eine knappe Mehrheit von 155 der 300 Abgeordneten im Parlament in Athen - und der Rückhalt in den eigenen Reihen schwindet. Zwei Abgeordnete waren bereits zurückgetreten, hatten aber ihr Mandat nicht mitgenommen. Papandreou hatte erst am Freitag sein Kabinett umgebildet und den bisherigen Verteidigungsminister Evangelos Venizelos zum Finanzminister gemacht. Das Schwergewicht Venizelos gilt als parteiinterner Rivale Papandreous - dem aber zugestanden wird, in dieser Krisensituation den Rückhalt für das Sparprogramm zu mobilisieren.

Die namentlich Abstimmung findet nach Ende der dreitägigen Debatte um Mitternacht Ortszeit (23 Uhr MEZ) statt. Angesichts der Konsequenzen eines Neins gehen die meisten Europapolitiker und auch die Beobachter in Athen davon aus, dass Papandreou das Votum knapp überstehen wird. „Griechenland wird das tun, was zu tun ist“, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker nach der Tagung der Finanzminister.

Eine Erwartung, die auch die Finanz- und Devisenmärkte hegen. Die Börse in Frankfurt reagiert auf den Beschluss der Euro-Finanzminister positiv, auch der Euro zog an.

Doch auch damit würde die Regierung nur ein wenig Zeit gewinnen. Bis Ende Juni muss das Parlament über das neue 78 Milliarden Euro schwere Sparprogramm abstimmen. Billigt das Parlament dies nicht, steht Griechenland erneut am Abgrund. Das Land hat Geld nur noch bis Mitte Juli.

Die Bewegung der „Empörten Bürger“ wollte am Nachmittag aus Protest gegen das 78 Milliarden Euro schwere Sparprogramm alle Zufahrtswege zum Parlament blockieren. Die Polizei zog starke Einheiten im Zentrum zusammen, wie Augenzeugen berichteten. Die Bewegung organisiert sich hauptsächlich über das Internet. Tausende Menschen demonstrieren seit fast einem Monat jeden Abend vor dem Parlament. Sie fordern, dass alle Politiker abtreten. Unter den Zehntausenden Demonstranten, die sehr friedlich sind, bewegen sich in den letzten Tagen zunehmend gefährliche Extremisten. Darunter sind Neonazis und gewaltbereite Autonome.

Am Vormittag blieb es in Athen jedoch zunächst ruhig.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik

Kommentare zu " Schuldenkrise: Tag der Entscheidung in Griechenland"

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  • Falls es in den nächsten Tagen zum Chaos u.Anarchie

    in Griechenland kommt wird das Militär eingreifen u.

    die Macht übernehmen (Militär-Regierung),dann wird auch

    der Euro Vergangenheit sein .

    Militär Regierungen hatten die Griechen in früheren

    Zeiten schon mehrmals.

  • Hätten Sie außer platten Sprüchen vielleicht sonst noch etwas beizutragen? Ihr Nick-Name läßt da allerdings Schlimmes befürchten...

  • Was denn ?
    Egal was da entschieden wird.....die Kohle fließt trotzdem rüber....
    Euer Geld ihr trägen, tumben Schlafmützen !!!!!!!!!
    Bald kracht es so richtig - geplanterweise !
    Dann sind auch offiziell eure Sparguthaben, Rentenasprüche, Lebensversicherungen etc..... zum Teufel !!!!
    Schlaft ruhig weiter !

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