Schuldenkrise
Was uns die griechische Misere kostet

Nach der erneuten Rating-Herabstufung der Griechen stellt sich die Frage: Umschulden oder retten? 8,4 Milliarden Euro hat Deutschland bislang nach Griechenland überwiesen. Doch daraus könnte schnell mehr werden.
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Der griechische Finanzminister Giorgos Papaconstantinou will es wissen: Ein Anti-Terror-Experte ist jetzt oberster Steuereintreiber, mit Google Earth fahnden die Behörden nach illegalen Pools und Villen.

Die Zeit wird knapp. Ein internationales Inspektionsteam prüft die Bücher der Regierung, und die Finanzmärkte haben ihr Urteil längst gefällt. Sie glauben nicht mehr daran, dass es die Griechen schaffen werden, ihre Staatsschulden bis 2012 in den Griff zu bekommen. Dann soll sich das Land wieder selbst Geld am Kapitalmarkt leihen. Wenn das nicht gelingt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Athen meldet Bankrott an, oder die EU legt ein neues Programm auf. Umstritten ist, welche Variante günstiger kommt.

Die Frage entzweit auch die Bundesregierung. Vor allem die FDP dringt darauf, den Griechen möglichst schnell den Geldhahn zuzudrehen. Je mehr Zeit vergehe, so fürchten einige Liberale, desto höher werde am Ende die Rechnung ausfallen. Und wenn es jetzt nicht gelinge, eine Umschuldung durchzusetzen, werde die Beteiligung privater Gläubiger auch in Zukunft schwierig sein. Bislang wurden aus Deutschland 8,4 Milliarden Euro nach Griechenland überwiesen. Wenn das Programm Ende 2013 ausläuft, dürften es 22,4 Milliarden Euro sein. Allein im nächsten und im übernächsten Jahr sollen die Griechen nach bisherigen Plänen 64,6 Milliarden Euro bei privaten Investoren aufnehmen. Müsste die EU diese Summe zusätzlich übernehmen, kämen auf Deutschland noch einmal 18,5 Milliarden zu.

50 Prozent der Schulden müssten gestrichen werden

Wohlgemerkt, dabei geht es um Kredite. Die griechische Regierung hat versprochen, diese zurückzuzahlen. Die Frage ist, wie viel davon. Papaconstantinou hat schon einmal anfragen lassen, ob es möglich wäre, die Zinsen zu senken.

Eine Umschuldung ist indes auch nicht umsonst zu haben. Nach Einschätzung der Rating-Agenturen müssen mindestens 50 Prozent der Schulden gestrichen werden, damit Griechenland auf die Beine kommt. Berechnungen des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung zufolge würde ein solcher Schnitt die deutschen Banken mit 25 Milliarden Euro belasten. Ein Teil davon würde bei den Steuerzahlern landen, weil vermutlich nicht alle Institute diese Verluste wegstecken könnten und der Staat ihr Kapital aufstocken müsste – zumal vor allem öffentliche Banken jede Menge griechische Staatsanleihen halten und auf den größten Teil der Bestände noch keine Abschreibungen vorgenommen haben. Aber auch die Engagements bei Unternehmen und Geldinstituten in Griechenland wären wohl betroffen, denn viele griechische Banken dürften zusammenbrechen, wenn der Staat zahlungsunfähig wird.

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  • liebe kommentatoren ,sie können sich die finger blutig
    schreiben u. es wird sich nichts ändern .

    diese sogenannten politiker regieren mit vorsatz gegen das volk ,was hier mit diktatur bezeichnet wird .

    wann wird der deutsche michel endlich aufwachen !

    volksaufstände u. kriege im euroraum werden die regel
    sein .
    hier mit

  • Weiter sparen, Pleite machen oder einen Dummen finden, der die Schulden übernimmt - Griechenlands Wahl. Wie die aussehen wird, nachdem die Dummen bekannt sind, die nicht nur im (freien) Fall Irlands und Portugals deren verantwortungsloser Schuldenliederlichkeit die Tür eingelaufen sind, ist doch klar. Da mag GRs Finanzminister Papaconstatinou noch so treuherzig versichern: seine Regierung werde die 'Kredite' zurückzahlen. Daß einer so etwas, die pure Selbstverständlichkeit, versprechen muß, zeigt, wie schlimm es um GR steht. Eine Wette: Es wird weitere Rettungspakete der EU geben - bis zur Euro-Selbstvernichtung, was denn der einzig erfreuliche Nebeneffekt dabei wäre.

    Wie lange lassen sich die Deutschen den EU-Schwindel eigentlich noch bieten?

  • ich denke, wenn Griechenland seine Altschulden refinanzieren muß und die Banken dies mit höherem Zins für Schlechtschuldner finanzieren, dann ist bei dem Ausfallrisiko nichts dagegen zu sagen und Griechenland bekommt das Geld, nicht die Banken! Der Skandal ist, daß die Banken sich Geld zu 1% leihen können und das Ausfallrisiko vom deutschen Steuerzahler getragen werden muß, aber das ist ein anderes Thema, obwohl verquickt mit der Kreditvergabe. Ganz schlecht ist, daß Griechenland nicht nur seine Altschulden nicht bezahlen kann, sondern auch nicht in der Lage ist, die Zinsen dafür zu bezahlen.

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