Schuldenkrise

Zitterpartie um Griechenland geht weiter

Auch nach einer mit Spannung erwarteten Telefonkonferenz mit der Troika der Griechenland-Gläubiger geht die Zitterpartie um das hoch verschuldete Land weiter. Am Dienstag soll erneut telefoniert werden.
Update: 20.09.2011 - 02:01 Uhr 17 Kommentare
Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos nannte die Gespräche  „produktiv und substanziell“. Quelle: dpa

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos nannte die Gespräche „produktiv und substanziell“.

(Foto: dpa)

BrüsselEine mit Spannung erwartete Telefonkonferenz der griechischen Regierung mit der Gläubiger-Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank ist am Montagabend ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Ein Vertreter des Finanzministeriums in Athen sagte am Montagabend, die Telefonkonferenz mit der Gläubiger-Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank sei allerdings besser verlaufen als erwartet.

„Wir sind nahe an einer Einigung, und wir hoffen, dass wir es morgen abschließen werden.“ Es sei eine weitere Telefonkonferenz für Dienstagabend geplant, teilte die EU-Kommission mit.Bis dahin würden Gespräche auf Fachebene stattfinden. Damit droht sich die Zitterpartie um Griechenland fortzusetzen. Der Euro weitete seine Verluste nach der Meldung aus.

Ein positiver Bericht der Troika über die Athener Budgetsanierung ist Vorbedingung für die Auszahlung der nächsten Kredittranche von acht Milliarden Euro aus dem alten Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro. Fließen die Milliarden nicht, droht Griechenland nach offiziellen Angaben in Athen im Oktober die Zahlungsunfähigkeit. Der IWF hatte Griechenland zuvor noch einmal ermahnt, die Auflagen aus dem ersten Rettungspaket zu erfüllen. Die griechische Regierung teilte mit, sie werde voraussichtlich am Mittwoch zu einer Kabinettssitzung zusammenkommen und danach eine Erklärung abgeben.

Die Delegation hatte die Regierung Anfang September aufgefordert, noch mehr für die Sanierung der Staatsfinanzen zu tun und war überraschend ohne positives Votum aus Athen abgereist. Am Montag bekräftigte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn, dass die EU-Kommission gegenüber Griechenland auf die vereinbarten Spar-, Reform- und Privatisierungsziele dringe.

„Falls es Unzulänglichkeiten geben sollte, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden.“ Zugleich trat der Sprecher Spekulationen entgegen, wonach die EU von sich aus mehr von Athen verlange: „Wir wollen eine volle Erfüllung der vereinbarten Ziele - nicht mehr, nicht weniger.“

Einhaltung längst gegebener Zusagen
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17 Kommentare zu "Schuldenkrise: Zitterpartie um Griechenland geht weiter"

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  • Hallo Freunde!
    hat sich mal jemand die Mühe gemacht und nachgeschaut, ob und wann Griechenland jemals ohne Hilfe von EG/EU gelebt hat? Seit Bestehen der Europ. gem4einschaft leben die Griechen prima von Subventionen.Die Spanier haben auch um die Hundert Milliarden bereits bekommen!
    Unser Frühgemüse ist 3 x bezahlt. Und die Polen und Rumänen etc. lernen schnell- rein in die EU und kassieren.
    So geht Europa zugrunde. Die Chance zum Rauswurf der Griechen ist verpasst.Ich habe nichts auf der Bank, sonst würde ich kurz nach Norwegen fahren und ein Konto in Kronen eröffnen. Norwegen hat 250 Milliarden Euro Guthaben!
    Willi Wacker


  • Stambul ( nein Brüssel ) hat zu zahlen. Venizelos gehoert zu alten Bereicherungselite, wird doch nicht den oeffentlichen Dienst und die Gewinnmarge seiner "schwarzgekleideten Amigos" ) reduzieren. Griechenland marschiert stramm Richtung Staatskonkurs. Bei der Zahlungsmoral leiht euch keiner mehr gross Geld. Somit "beamt" sich dieses Land zurueck in die 70er Jahre. Wird als Warnung fuer alle "Unverbesserlichen Geldausgeber" gelten.

  • Und die Verwerfungen daraus bleiben bei uns, bei denen ist ja eh nchts mehr zu holen.

    Unsäglich, was die Politik und da eingebrockt hat.

  • Lenders press Greece to shrink state and avoid default

    ATHENS (Reuters) - International lenders told Greece on Monday it must shrink its public sector to avoid running out of money within weeks, as investors spooked by political setbacks in Europe dumped risky euro zone assets.
    Adding to concerns, Standard & Poor's cut its ratings on Italy in a major surprise that threatens to stoke fears of contagion in the debt-stressed euro zone.
    Greece is near a deal to continue receiving bailout funds, a Greek finance ministry official said after a conference call with lenders, though "some work still needs to be done."
    U.S. stocks recovered some of their losses on the news.
    Greek Finance Minister Evangelos Venizelos held what Greece termed "productive and substantive" talks by telephone with senior officials of the European Union and International Monetary Fund after promising as much austerity as necessary to win a vital next installment of aid.
    The talks will resume on Tuesday evening after experts meet through the day. Earlier, the IMF's representative in Greece spelled out steps Athens must take to secure the 8 billion-euro loan it needs to pay salaries and pensions next month.
    "The ball is in the Greek court. Implementation is of the essence," Bob Traa told an economic conference.
    Additional savings measures were required to cut the public deficit to a sustainable level and reduce the public sector's claim on resources -- code for axing jobs and cutting pay and pensions -- while improving tax collection rather than adding further taxes, Traa said.
    Venizelos said Greece would do what was needed to get more funds but would not be made a scapegoat by euro zone policymakers who had failed to tackle the region's debt woes.

    weiter
    http://news.yahoo.com/greece-must-shrink-state-avoid-default-lenders-122440810.html

    Man beachte den letzten Satz!!
    Und Italiens rating wurde reduziert trotz der Sparbemühungen!!

  • Wie sagte am Abend Wirtschaftsprofessor Neumann Uni Bonn bei Phönix:

    In Griechenland bewegt sich nichts mehr. Das ist das Kardiogramm eines Toten.

    Aber die Politiker wollen uns immer noch weismachen, daß eine Rettung möglich sei.
    Tichy, den man von Börsenzeitungen kennt, sagte: rein rechnerisch ist Griechenland nicht zu retten.
    Und ich denke, alle die sich mit der Problematik ernsthaft beschäftigen, wissen das auch.

    Es hätte genug Zeit gegeben, bei den ersten Anzeichen der gravierenden Schieflage, Griechenland aus dem Euro zu entlassen, man hätte es ihnen anraten sollen, selbst zu gehen, am besten mit einer Übernachtaktion, bevor die Reichen ihre Milliarden außer Landes schaffen konnten. Nun ist die Bevölkerung, die das nicht konnte,im Büßerhemd. Man stelle sich einmal vor, solche Restriktionen, die jetzt von Griechenland gefordert werden, hätte man uns zugemutet, 30% Lohnverzicht usw.
    Das kann nicht gutgehen und aus eigener Kraft und noch so vielen Hilfspaketen ist der Weg für Griechenland verbaut.
    Diese frühzeitige Pleite hätte keinen Dominoeffekt erzeugt, im Gegenteil, wäre eine Abschreckung gewesen für die anderen Pleitestaaten.

    Nun aber: alle offiziellen Rettungsbefürworter enden zZt schließlich mit der Bemerkung: wenn aber Griechenland die Forderungen nicht erfüllen kann oder will, dann.....

    Ich denke, man rettet aktuell noch einmal, um Zeit zu gewinnen und sich darauf einrichten zu können, bis die Lage zur nächsten Tranche so offensichtlich desaströs und aussichtslos ist, daß das Finitum eingeleitet wird, durch wen auch immer.

    Siemens hat übrigens seine 0,5 MRD bei einer Französichen Bank zur EZB transferiert, die darf das, weil sie einen Bankenstatus hat aus der Zeit, als Siemens noch als Bank mit angeschlossener Industrie galt. Schon lange her.

    Alles klar?

  • Da haben sie (leider) vollkommen recht. Viele Milliarden des illegalen Rettungsschirms sind 1 zu 1 auf Privatkonten reicher Griechen gelandet.

    Wer übernimmt in Deutschland dafür die Verantwortung?

    Offenbar niemand. Denn unsere unfähigen Politiker kämpfen ja immer für die höheren Ziele der Bilderberger und Co.

    Ein Politiker, der Milliarden versenkt, läuft frei rum und ein Bankräuber, der 20000 Euro klaut, wird für mehrere Jahre eingesperrt.

  • Monatelange Insolvenzverschleppung auf Kosten deutscher Steuerzahler - wen kann man eigentlich, für die 'zig Milliarden Euro, die bereits über dunkle Kanäle an die Banken geflossen sind, dafür persönlich haftbar machen?
    Ich frage mich, ist das nicht ein Fall für die Staatsanwaltschaft, wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und Veruntreuung deutschen Steuergeldes durch verantwortungslose, im Eurowahn, völlig vom Boden der Tatsachen abgehobene „Volksvertreter“?

  • Ich denke, die Würfel sind gefallen. Griechenland steigt aus der Fehlkonstruktion Eurozone aus.

  • Wie das alles enden wird, ist jetzt schon absehbar:
    die Griechen werden solange Kredite nachfragen ohne dabei die versprochenen Reformen umzusetzen, bis den Geberländern der Kragen platzt. Danach werden die Griechen diese beschuldigen, sie in den Ruin getrieben zu haben und werden zur Drachme zurückkehren.
    Für ihre Gläubiger werden sie nur Hohn und Spott übrig haben,
    von ihren Schulden werden sie nicht einen Cent zurückzahlen!

  • Nouriel Roubini gíbt Griechenlad auf ! Vielleicht wäre morgen ein guter Tag !
    http://modernes-griechenland.blogspot.com/2011/09/roubini-gibt-die-hoffnung-fur.html

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