Schuldenschnitt: Banken fürchten Ansteckung Portugals und Spaniens

Schuldenschnitt
Banken fürchten Ansteckung Portugals und Spaniens

Nach Handelsblatt-Informationen lehnt die EU einen Schuldenschnitt in Griechenland nicht länger ab. Deutschlands Banken könnten das verkraften. Viel mehr fürchten sie sich vor einer Ansteckung Portugals und Spaniens.
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Wie das Handelsblatt aus EU-Kommissionskreisen erfuhr stößt ein Schuldenschnitt in Griechenland nicht mehr auf Ablehnung. Es gebe Überlegungen, die griechische Staatsschuld in Höhe von 170 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zu halbieren. Als möglicher Zeitpunkt wurde der Frühsommer 2012 genannt. Bis dahin könnten die Banken die griechischen Staatsanleihen in ihrem Portfolio so weit reduzieren, dass ein Schuldenschnitt für die Finanzbranche verkraftbar sei, sagte ein hochrangiges Mitglied der Brüsseler Behörde.

Die deutsche Kreditwirtschaft wird auch einen harten Schuldenschnitt von 50 Prozent auf ihre Engagements in Griechenland verkraften können, weil die Banken bereits im zweiten Quartal deutliche Wertberichtigungen vorgenommen haben. Alleine die beiden größten einheimischen Geldhäuser – die Deutsche Bank und die Commerzbank – bilanzierten Abschläge von 155 Millionen beziehungsweise 760 Millionen Euro.

„Die große Furcht bei den Bankvorständen ist nicht Griechenland, sondern eine Ansteckung Portugals und Spaniens“, sagte ein Frankfurter Bankmanager. Außerdem sei das Verhalten der Investoren aus Übersee kaum einzuschätzen. Wenn Griechenland de facto in die Pleite geschickt wird, dann wackeln auch die Investments in portugiesische und spanische Papiere, hieß es in Frankfurter Bankkreisen.

Die Marke von 21 Prozent bei den Abschreibungen auf Griechenland-Bonds habe man bisher bewusst gewählt, damit vor allem eine ganze Reihe von Banken in Griechenland und Frankreich nicht in Schwierigkeiten kommen, hieß es weiter. Wer jetzt einen sogenannten „Hair-Cut“ von 50 Prozent ins Spiel bringe, müsse sich der Folgen bewusst sein. Dabei gehe es auch um die Kreditausfallversicherungen, von denen keiner genau wisse, wo sie sich im Finanzsystem angesammelt haben.

Die deutschen Banken lehnen auch eine höhere Beteiligung des privaten Sektors am zweiten Hilfspaket für Griechenland strikt ab. Am Wochenende hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in Washington diesbezügliche Forderungen aus der Politik zurückgewiesen. „Wenn wir jetzt die Büchse der Pandora wieder öffnen, verlieren wir Zeit, und das ist nicht im Sinne Griechenlands“, hatte Ackermann als Vorsitzender des Weltbankenverbands IIF gesagt. Er lehnt ein Aufschnüren des Hilfspakets ab, stattdessen müsse man sich auf eine „rechtzeitige und mit Nachdruck betriebene Umsetzung konzentrieren“. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte gestern, die Aussagen seien unverändert gültig.

Auch die Sparkassen pochen auf die Ergebnisse der Verhandlungen vom Juli. Wenn heute nicht mehr gelte, was man vor vier Wochen vereinbart habe, dann sehe er „kaum Chancen für eine freiwillige Beteiligung in der Zukunft“, sagte Sparkassenpräsident Heinrich Haasis. Er gehe daher davon aus, dass es zu keinen zusätzlichen Belastungen komme. Die Beteiligung der internationalen privaten Gläubiger am Rettungspaket nähert sich laut der griechischen Zeitung „Eleftherotypia“ mit 85 Prozent der Zielmarke von 90 Prozent.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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  • Geruechtekuche - fuer dies verdient das HB 5* - das war's dann aber auch schon!

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