Schuldenschnitt
Bankenbeitrag zur Rettung Griechenlands soll steigen

Die Banken sollen einen größeren Beitrag zur Griechenland-Rettung leisten. Als Griechenlands private Gläubiger sollen sie auf rund 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten - und ihr Eigenkapital kräftig aufstocken.
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BrüsselDie Euro-Finanzminister wollen die Banken bei der Griechenland-Rettung deutlich stärker zur Kasse bitten. Die Eurozone habe sich auf eine „erhebliche Anhebung“ des Bankenbeitrags geeinigt, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Samstagmorgen vor einer Sitzung der EU-Finanzminister in Brüssel. Wenn der griechische Schuldenstand bis 2020 auf 110 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung gedrückt werden sollte, wäre ein Forderungsverzicht von 60 Prozent notwendig. Ohne einen Kurswechsel würde bis 2020 eine Lücke von 252 Milliarden Euro klaffen. 

Das geht aus der zehnseitigen "Schuldentragfähigkeitsanalyse" Griechenlands hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Darin geht die Troika von zwei Szenarien aus. Erstens: Die Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen. Die Euro-Zone hilft Griechenland mit einem zweiten Kreditpaket in Höhe von 114 Milliarden Euro. Unter diesen Voraussetzungen könne Griechenlands Staatsschuld von derzeit 180 Prozent bis Ende 2020 auf 120 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinken. Zweitens: Die Banken schreiben 60 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland ab. Das zweite Kreditpaket der Euro-Staaten für Griechenland bleibt bei dem am 21. Juli beschlossenen Volumen von 109 Milliarden Euro. In dem Fall könne der Anteil der griechischen Staatsverschuldung vom BIP bis 2020 auf 110 Prozent vom BIP sinken. Diese Troika-Zahlen sind Basis der Verhandlungen der Euro-Zone mit den privaten Banken.

„Wir haben uns gestern darauf verständigt, dass wir den von den Banken zu erbringenden Beitrag erheblich anheben müssen“, sagte Juncker. Auch der schwedische Finanzminister Anders Borg unterstützt den Beschluss: „Es ist offensichtlich, dass ein substanzieller Schuldenschnitt notwendig ist.“ 

Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter erklärte: „Wir haben in der Früh ein Meeting gehabt, wo die Mandate ganz konkret ausformuliert werden.“ Vittorio Grilli, Vorsitzender des Wirtschafts- und Finanzausschusses der EU, werde in Verhandlungen mit den Banken geschickt. „Wir werden keine Details bekannt geben, um das Verhandlungsergebnis nicht zu gefährden.“

Erste Details kursieren dennoch: Nach einem Beschluss der EU-Finanzminister sollen die Banken ihr Kapital um rund 100 Milliarden Euro erhöhen. Es gebe eine Verständigung auf diese Zahl, sagten EU-Diplomaten am Samstag am Rande des EU-Finanzministertreffens. Die Geldhäuser sind zunächst aufgerufen, Kapital von privaten Investoren zu beschaffen. Erst in zweiter Linie sollen die Regierungen einspringen. Falls diese dazu nicht in der Lage sind, würde der Euro-Rettungsfonds EFSF den betroffenen Euro-Ländern Kredit zur Bankenhilfe gewähren.

Die Bemühungen wurden außerhalb der Euro-Zone scharf kritisiert. Der britische Finanzminister George Osborne sagte: „Die Krise in der Euro-Zone bewirkt große Schäden in vielen europäischen Volkswirtschaften, darunter in Großbritannien.“ Der Schatzkanzler fügte hinzu: „Wir haben genug von kurzfristigen Maßnahmen, genug davon, Pflaster draufzukleben, die uns nur durch die nächsten paar Wochen bringen.“ Europa müsse die tiefen Gründe für die Krise angehen. Gebraucht werde eine umfassende und dauerhafte Lösung für die Krise, damit das Wachstum in Europa wieder anspringen könne.

Zuvor hatte auch der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, einen Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent gefordert. Gleichzeitig müsse aber die Eigenkapitalbasis der Banken gestärkt werden, sagte Schmitz der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.„Die europäischen Banken, die dadurch viel Geld verlieren und dann zu wenig Kapital haben, müssen frisches Geld bekommen. Aber bitte nicht mit der Gießkanne“, sagte er. 

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"Staatsfinanzierung über die Notenpresse wäre fatal"

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  • @ PeterScholz1
    Nachrichten, besonders mit genauen Zahlen sind für mich wichtig. Allein diese Nachrichten helfen mir sehr bei meinen wissenschaftlichen Studien.
    Vielleicht bekommen wir ja bald öfter die Chance das Verhalten und die Expotentialfunktion von Schwarzen Löchern mit allen Auswirkungen zu studieren.

    Schönen Abend noch.

  • Nochmal fuer die etwas Langsamen: Das Handelsblatt hat die Buerger Deutschlands aufgefordert Anleihen von Griechenland zu kaufen. Es hat als unabhaengiges Blatt die Meinung vertreten, dass es sich als echter Europaer gehoert dort zu investieren.

    Ein Jahr spaeter sind diese Papiere noch halb so viel Wert. Was hat das mit Journalismus zu tun ?

  • Auch deshalb.
    Erstes Halbjahr 2012: “Dezimierung der Banken in den westlichen Staaten!”
    Eine fundierte Prognose mit harten Fakten, hier:
    http://steuerembargo.co.de/component/k2/item/45-erstes-halbjahr-2012-dezimierung-der-banken-in-den-westlichen-staaten.html

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