Schuldenschnitt
Die EZB baut Griechenland eine goldene Brücke

Die Verhandlungen mit Athen sind in der finalen Phase. Die EZB scheint zu Zugeständnissen bereit und die Euro-Finanzminister wollen am Donnerstag über den Verhandlungsfortgang reden. Die Geduld der Geldgeber ist am Ende.
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Washington/London/BerlinNun hat sich auch Mario Draghi wohl doch noch erweichen lassen. Bislang hatte sich der EZB-Präsident immer vehement gegen eine Beteiligung der Notenbank am Schuldenschnitt für Griechenland gestemmt. Nach Informationen des Wall Street Journal hat sich die Europäische Zentralbank nun aber bereit erklärt, beim Schuldenschnitt mitzumachen. Die EZB habe „entscheidende Zugeständnisse“ bei den von ihr gehaltenen griechischen Staatsanleihen gemacht, berichtet das „WSJ“ am Mittwoch in seiner Onlineausgabe und beruft sich dabei auf Verhandlungskreise.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sei in der EZB allerdings auch am Mittwoch noch keine Entscheidung gefallen. Die Diskussion auf dem morgigen Treffen der 23 EZB-Ratsmitglieder könnte daher hoch hergehen. Die Euro-Finanzminister kommen dann am Donnerstagabend zusammen, wie Mittwochabend bekannt wurde. Sie werden über die Verhandlungsergebnisse der Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit der griechischen Regierung beraten. Dabei geht es vor allem um Sparzusagen Athens.

Der Schuldenschnitt der privaten Gläubiger ist derweil offenbar unter Dach und Fach, auch wenn Details bislang nicht offiziell verkündet wurden. Die vom Internationalen Bankenverband (IIF) vertretenen Institute seien bereit, auf mehr als 70 Prozent ihrer Griechenland-Papiere zu verzichten, die erwarteten Zinsen mit eingerechnet. Die Vereinbarung sehe vor, dass sie den Hellenen für die Restschuld von rund 100 Milliarden Euro neue Kredite mit einer Laufzeit von 30 Jahren und niedrigen Zinsen gäben, hieß es. Die solventen Euroländern sind bereit, die neuen Anleihen mit 30 Milliarden Euro abzusichern.

Der Verzicht der privaten Gläubiger reicht aber wohl nicht aus, um die griechische Finanzierungslücke der kommenden Jahre zu schließen. Daher hatte zuletzt der Druck auf die EZB erheblich zugenommen, sich ebenfalls zu beteiligen. Die EZB hat nach Schätzungen von Experten griechische Anleihen mit einem Nominalwert von 50 Milliarden Euro in ihren Büchern. Bezahlt hat sie dafür allerdings nur etwa 39 Milliarden Euro. Würde die EZB diese Anleihen bis zur Endfälligkeit halten, könnte sie mit ihrer Rettungsaktion sogar einen Gewinn verbuchen. Auf dieses Geld wolle die EZB jetzt verzichten, schreibt das Wall Street Journal und beruft sich auf Personen, die über die laufenden Umstrukturierungsverhandlungen unterrichtet seien. Im Raum steht eine Summe von elf Milliarden Euro.

Technisch würde das laut „WSJ“ so laufen: Die EZB würde die Griechen-Anleihen an den Euro-Rettungsfonds EFSF weiterreichen - und zwar zu einem Kurs, zu dem die Notenbank keinen Verlust verbuchen müsste. Der EFSF seinerseits würde die Anleihen an Athen dann zu einem günstigen Kurs zurückreichen. Der faktische Schuldenerlass zugunsten Griechenlands wäre dann die Differenz zwischen Nennwert und Rückkaufkurs. EFSF-Vizechef Christophe Frankel sagte am Mittwoch in London, dass der EFSF „wahrscheinlich eine bedeutende Rolle“ beim geplanten Schuldenschnitt für Griechenland spielen werde.

Trotz der Zugeständnisse der EZB ziehen sich die Verhandlungen mit Griechenland um das zweite Hilfspaket und einen Schuldenschnitt in die Länge. Das entscheidende Treffen von Ministerpräsident Lucas Papademos

mit den Chefs der wichtigsten griechischen Parteien musste mehrfach verschoben werden - erst vom Montag auf Mittwoch, dann vom Vormittag auf den Nachmittag, dann ein paar Stunden nach hinten. Zuletzt hieß es im staatlichen Fernsehen als Grund für die Verspätung, dass der Vorsitzende der rechtsgerichteten Partei Giorgos Karatzaferis eine griechische Übersetzung des ursprünglich auf Englisch verfassten Dokuments mit den Sparmaßnahmen verlangt habe.

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  • Griechische Ankündigungen
    _________________________
    Griechenland kündigt an, die Sparmaßnahmen zu akzepteren.
    Nur die pensionskürzungen nicht.
    Es soll auch weiterhin möglich sein, das unverheiratete Töchter die Pension ihrer Väter erben.
    Deshalb wurden die Verhandlungen immer wieder verzögert.
    Die EU-Finanzminister werden heute Abend das 2. "Hilfspaket" beschließen, auch wenn Griechenland noch nichts umgesetzt hat.
    Auch der Steuerzahler wird wieder daran beteiligt - über die EZB und die nationalen Notenbanken.
    Griechenland wird natürlich keine der Sparmaßnahmen umsetzen, sie werden mit den Schultern zucken und sagen:
    "Sorry, das will das Volk nicht"!
    Und die Gelder werden - wie bisher immer - trotzdem fließen. Und das wissen die Griechen!

  • Als ich Mitte der 90`er Jahre-im alter von ca. 20 Jahren- vor der Einführung des Euro öffentlich an Infoständen gewarnt habe, haben ca. 9 von 10 Bürgern mich belächelt und viele sogenannte Wirtschaftsexperten haben mir Dummheit vorgeworfen. Doch alles was ich prophezeit habe ist eingetreten.
    Konnte ich Hellsehen?
    Nein! Aber mein Verstand sagte mir schon damals, dass ohne ein angeglichenes Wirtschafts-,Steuer- und Sozialsystem, der Euro nichts werden kann. Dazu brauchte ich kein Studium und keine Lebensweisheit.
    Heute stellen sich die selben Wirtschaftsexperten hin und kritisieren den Euro und der Bürger weint der DM hinterher. Der Deutsche wird nur durch Schaden klug, statt erst zu denken und dann zu Handeln!

  • http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/astronomie/galaxien-kannibalismus-zwerg-verschlingt-zwerg_aid_712048.html

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