Schuldenschnitt: Investoren wollen Steuerzahler für Griechen bluten lassen

Schuldenschnitt
Investoren wollen Steuerzahler für Griechen bluten lassen

Der Commerzbankchef rechnet fest damit, die internationalen Geldgeber erwägen ihn offenbar bereits - einen neuen Schuldenschnitt für Griechenland. Doch private Investoren sträuben sich. Dann müssten die Steuerzahler ran.
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BerlinWährend die griechische Regierung mit ihren internationalen Geldgebern über weitere Sparanstrengungen feilscht, hat Commerzbank-Chef Martin Blessing einen zweiten Schuldenschnitt für das Land erneut ins Gespräch gebracht. Doch dem stellen sich die Anleger entgegen. Geht es nach der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), dann würden nur die Steuerzahler bluten.

„Ein erneuter Schuldenschnitt kommt für private Anleger nicht mehr in Frage“, sagte SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer Handelsblatt Online. Mit dem erfolgten Zwangsumtausch griechischer Anleihen Anfang 2012 hätten die privaten Investoren bereits einen Großteil ihrer Forderungen Griechenland erlassen müssen. „Das was jetzt noch übrig geblieben ist, entspricht ungefähr der Insolvenzquote, die Gläubiger bei vergleichbaren Staatsinsolvenzen in der Vergangenheit erhalten haben.“ Daher wären im Fall eines neuerlichen Schuldenschnitts diesmal die öffentliche Hand und die öffentlichen Institutionen an der Reihe, ihren Beitrag zu leisten.

Ein erneuter Schuldenschnitt der von privaten Investoren gehaltenen Anleihen würde zudem auch keinen Sinn ergeben, betonte Bauer, da die ausstehenden Anleihen nur noch einen geringen Anteil an der Gesamtverschuldung ausmachten. Überdies habe der Zwangsschuldenschnitt Anfang 2012 die Euro-Krise sogar noch verschärft. Spanien und Italien hätten höhere Zinsen an den Kapitalmärkten zahlen müssen, da das Vertrauen in kriselnde Euro-Länder gelitten habe.

 Der Chefvolkwirt der Dekabank, Ulrich Kater, warnte vor falschen Erwartungen an einen möglichen weiteren Schuldenschnitt. „Ein Schuldenschnitt für Griechenland könnte lediglich den politischen Zweck haben, die Reformbereitschaft in Griechenland zu verstärken“, sagte Kater Handelsblatt Online.  „Sachlich sind die Schulden Griechenlands nun nicht mehr das Problem, die Zinszahlungen sind nicht der Hauptbelastungsfaktor für das Land.“

Zuletzt hatte Commerzbank-Chef Blessing den weiteren Schuldenschnitt ins Spiel gebracht. "Wir werden am Schluss nochmal einen Schuldenschnitt in Griechenland sehen, an dem sich alle Gläubiger beteiligen werden", sagte Blessing am Donnerstag in Frankfurt. Anders als im Frühjahr könnten dann auch öffentliche Gläubiger wie die Europäische Zentralbank (EZB) und nationale Notenbanken zur Kasse gebeten werden, also letztlich die europäischen Steuerzahler.

Ein neuer Schuldenschnitt wird für die Hellenen dann immer wahrscheinlicher, wenn die Bedingungen der internationalen Geldgeber aufgeweicht werden sollten und letztlich immer unsicherer wird, ob es Griechenland gelingt, seine Schuldentragfähigkeit bis 2020 wieder herzustellen. Dieser Fall ist nicht ausgeschlossen. Darauf deutet ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hin. Bei den jüngsten Gesprächen zwischen der Regierung in Athen und der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF soll es demnach zu Spannungen über Reformen im überdimensionierten öffentlichen Dienst gekommen sein.

Kommentare zu " Schuldenschnitt: Investoren wollen Steuerzahler für Griechen bluten lassen"

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  • @Siggi40.de
    Das ist zwar richtig. Richtig ist aber auch, dass die LINKE statt der Banken lieber die griechische Bevölkerung unterstützen will.
    DAS aber ist mindestens genauso falsch. Denn es liegt AUCH am Konsumverhalten der Griechen, dass es überhaupt so weit kam. Jetzt die Bevölkerung durch eine direkte Unterstützung glauben zu lassen, alles könne beim Alten bleiben, die Sache mit dem Leistungsbilanzdefizit sei gar nicht so wichtig etc. hieße gleichzeitig, dass eine Reform der Verwaltungsstrukturen usw. usw. gar nicht nötig ist.
    Deshalb gibt es für mich nur EINE Alternative, nämlich die Wahlalternative 2013. Googlen Sie das mal, es ist hochinteressant, was sich da tut!
    Diese Alternative ist gegen die jetzige Form der Euro-Rettung. Und sie legt nicht nur eine gut begründete Kritik vor, nein – sie hat auch eine Handlungsalternative bereit. Es sind lauter wirkliche Fachleute, keine Taxifahrer, Grundschullehrer oder Dachdecker… Die verstehen wenigstens ihr Fach.

  • Die Kapitalflucht ist bereits derart groß, daß es das kleine Land definitiv völlig lahmlegt. Hier gab es große Versäumnisse - Devisenkontrollen rechtzeitig -, die nun nicht mehr rückgängig zu machen sind.

    Griechenland hat auch mit einem totalen Schuldenschnitt ein derartiges Primärdefizit, daß es nur noch am Tropf hängen kann. Ein Patient im Wachkoma, das in der Euro-Welt nicht mehr zu beleben ist.

  • @Bischof
    @hallowach
    Nein. Es ist NICHT alles. Denn man tritt nicht nur mit Kritik an. Vielmehr haben sie eine eindrucksvolle Alternative formuliert, die mir auch praktikabel erscheint.
    Es haben sich eine Menge namhafter Personen angeschlossen. Nicht alle werden Euch sympathisch sein - mir geht es genauso. Aber mir geht es darum, eine wirkliche Alternative zur jetzigen Politik aufzuzeigen und der Lüge, dies alles sei alternativlos, endlich ein Ende zu bereiten. Und diese Leute verstehen alle etwas vom Fach, es sind also keine Taxifahrer, Grundschullehrer, Dachdecker o.ä.

    Ich bin ziemlich erleichtert, dass es nun etwas in der Wahllandschaft gibt, wofür es sich wirklich einzutreten lohnt. Tragt Euch als Unterstützer ein: www.wahlalternative2013.de

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