Schuldenstreit
Argentinien von Anleihe-Tausch überzeugt

Argentinien will im Schuldenstreit mit Hedgefonds einen US-Gerichtsbeschluss umgehen. Der Kabinettschef zeigt sich optimistisch, dass das Vorhaben gelingt. Doch nicht alle Investoren teilen seine Zuversichtlichkeit.
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Buenos AiresArgentinien zeigt sich optimistisch, dass sein Vorhaben zur Wiederaufnahme von Zinszahlungen an Besitzer seiner Staatsanleihen gelingt. Viele Gläubiger seien offensichtlich bereit, bei dem geplanten Anleihe-Tausch mitzuziehen und so an das ihnen zustehende Geld zu kommen, sagte Kabinettschef Jorge Capitanich am Freitag. Der Senat hatte am Vortag ein Gesetz auf den Weg gebracht, das den Umtausch von nach US-Recht begebenen Staatsanleihen in Papiere nach argentinischem Recht ermöglicht.

Damit könnten US-Richter nicht mehr verhindern, dass Argentinien fällige Zahlungen an Alt-Gläubiger leistet. Ein Gericht in New York hatte einen Stopp der Zahlungen verfügt und erklärt, erst müsse das Land 1,3 Milliarden Dollar an Hedgefonds um den US-Amerikaner Paul Singer überweisen. Argentinien lehnt das ab und fürchtet eine Prozesslawine, falls Singer & Co die Summe bekommen. Dann könnten aus Sicht der Regierung Nachzahlungen von bis zu 400 Milliarden Dollar auf Argentinien zukommen.

Weil sich das Land dem US-Urteil nicht gebeugt hat, ist es technisch gesehen seit Anfang August bankrott. Der Konflikt geht auf Argentiniens Staatspleite im Jahr 2002 zurück. Während sich das Land damals mit den meisten Gläubigern auf einen Teilerlass seiner Schulden einigte, kauften Hedgefonds die fast wertlosen Anleihen auf und fordern volle Auszahlung. Es wird erwartet, dass das neue Gesetz vor dem 30. September in Kraft tritt. Dann stehen frische Zahlungen an Altgläubiger an.

Nicht alle Investoren teilen indes den Optimismus des Kabinettschefs. Ein Fondsmanager, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er sei in dieser Woche bei einem Treffen des argentinischen Finanz-Staatssekretärs Pablo Lopez mit Fondsmanagern in New York dabei gewesen.

Dabei habe Lopez herausfinden wollen, ob die Anleger ihre Anleihen tatsächlich tauschen würden. Die argentinische Seite habe das aber nicht direkt gefragt. „Ich bin deshalb vorgeprescht und habe gesagt, ich würde nicht mitmachen“, sagte der Fondsmanager.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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