Schuldenstreit in den USA
Finanzmärkte feiern Einigung

Kurz vor der Zahlungsunfähigkeit haben sich die US-Parteien auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze und Ausgabenkürzungen geeinigt. Die Anleger bejubeln den Kompromiss, doch viele Fragen bleiben offen.
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WashingtonMit Erleichterung haben die Anleger an den internationalen Märkten auf die Einigung im US-Schuldenstreit reagiert. An den asiatischen Börsen stiegen die Aktienkurse deutlich an, in Europa deuteten sich vorbörslich ebenfalls deutliche Kursgewinne an und der Dollar erholte sich zeitweise ebenfalls.

Im erbitterten US-Schuldenstreit haben Demokraten und Republikaner nach monatelangem Gezerre einen Kompromiss erzielt. Die Fraktionsführer in beiden Kammern des Kongresses vereinbarten ein Abkommen, das „das Defizit reduzieren und eine Zahlungsunfähigkeit vermeiden wird - eine Zahlungsunfähigkeit, die sich verheerend auf unsere Wirtschaft ausgewirkt hätte“, verkündete US-Präsident Barack Obama am Sonntagabend in Washington.

Die Einigung sieht nach Angaben des Präsidialamts vor, den Schuldenberg in den kommenden zehn Jahren in mehreren Stufen um insgesamt etwa 2,4 Billionen Dollar abzubauen. Im Gegenzug wird der Präsident ermächtigt, die Schuldenobergrenze bis 2013 um mindestens 2,1 Billionen Dollar anzuheben.

Steuererhöhungen, auf die Obama gedrungen hatte, sind vorerst nicht vorgesehen. Dafür reicht der Plan, wie von Obama angestrebt, über den Wahltermin Ende 2012 hinaus. Die Entscheidung liegt nun beim Kongress, der noch zustimmen muss - und zwar möglichst vor Dienstag, wenn die Frist zur Erhöhung der Schuldenobergrenze abläuft.

„Ist das die Vereinbarung, die ich vorgezogen hätte? Nein“, sagte Obama in seiner Ansprache. Sie werde es aber ermöglichen, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden und die Krise zu beenden. Obama rief die Abgeordneten und Senatoren auf, „das Richtige zu tun“, und die Einigung zu unterstützen. Ein hochrangiger Kongressmitarbeiter sagte, die Abstimmung im Senat werde voraussichtlich noch am Montag erfolgen. Im Repräsentantenhaus strebe der Vorsitzende der Kammer, John Boehner, ebenfalls ein Votum für Montag an, sagte der republikanische Abgeordnete Jack Kingston.

Wie die vergangenen Tage gezeigt haben, dürfte es gerade dort schwierig werden, den Kompromiss vor allem jenen Abgeordneten schmackhaft zu machen, die der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung nahestehen. Aber auch der linke Flügel der Demokraten könnte Widerstand leisten, zumal die Einigung zwar harte Einschnitte bei den Staatsausgaben, aber keine neuen Steuern vorsieht. Die ranghöchste Demokratin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, warnte, es werde nicht leicht, ihre Parteifreunde zu überzeugen.

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  • welche reichen? es gibt nur leute auf pump in der welt. ob groß oder klein. am ende steht immer das minus und das ist doch das fatale. ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur eine firma oder person gibt, die viel gewonnen hat durch dieses scheiß finanzsystem.

  • Achso Herr Schlaumeier....was für Sachen sind denn betroffen in einer realen Inflation von 5-8 % ?
    Es sind ja nur die Reichen welche ihr Auto betanken müssen, Heizöl oder Gas brauchen oder Grundnahrungsmittel brauchen....
    In einem Fiat-Money Geldsystem mit Zins und Zinseszins !!!!
    Oh Mann......schlaf weiter !

  • Einfach die Schulden weginflationieren. Inflationsrate von 5-8% und nach 20 Jahren sind die Schulden fort. Tut nicht weh und trifft vornehmlich die Vermögen, sprich die Reichen.

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