Schuldenvergemeinschaftung
„Der Untergang Europas ist dann ziemlich sicher“

Soll ganz Europa für die Schulden einzelner Staaten einstehen? Noch sträubt sich die Bundesregierung, aber andere Länder drücken immens. Für Ifo-Präsident Sinn geht es letztlich um die Frage von Sein oder Nichtsein.
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München/Berlin/Brüssel/RomSollen und dürfen Schulden in der EU vergemeinschaftet werden? Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann fordert mehr Solidarität und eine gemeinsame Haftung der Euro-Regierungen für Schulden einzelner Staaten . Unmittelbar vor Beginn des EU-Gipfels setzte sich Faymann am Donnerstag in Brüssel auch für Eurobonds, also gemeinsame Euro-Anleihen, ein.

„Solidarität gehört halt zur Europäischen Union. Ohne Solidarität ist die Idee der Europäischen Union, der Eurozone, des Friedensprojekts auf Dauer nicht einzuhalten“, sagte er am Rande eines Treffens sozialdemokratischer Politiker. Faymann plädierte für eine Bankenkonzession des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM: „Das geht in Richtung Eurobonds. Die Eurobonds sind natürlich viel später als die Schritte dahin. Aber diese Schritte brauchen, wenn wir Stabilität haben wollen.“

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat hingegen Deutschlands "Nein" zu einer Vergemeinschaftung von Schulden abermals bekräftigt. "Wir wollen die Ursachen der Krise bekämpfen, nicht das Schuldenmachen erleichtern", sagte der FDP-Politiker im Interview der italienischen Tageszeitung "La Repubblica". Die Bundesrepublik habe ihre Solidarität bereits mit einem "gewaltigen" Anteil an den Euro-Rettungsschirmen unter Beweis gestellt, aber: "Auch die Schultern der Deutschen sind nicht unbegrenzt belastbar."

Genau deshalb warnt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn vor unabsehbaren Folgen im Falle einer Vergemeinschaftung der ausufernden Schulden in Europa. Würden alle Schulden in einem Topf geworfen und wäre nicht mehr jedes Land für seine Verbindlichkeiten verantwortlich, wäre auch schnell die Top-Bonität Deutschlands in Gefahr, sagte Sinn in München. "Dann würden wir in den Strudel hereingezogen. Der Untergang Europas ist dann ziemlich sicher." Insofern müssten unbedingt Anreize zu einer noch höheren Verschuldung vermieden werden, unterstützte Sinn den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel habe sich in diesem Punkt ungewöhnlich deutlich festgelegt und könne daher beim anstehenden EU-Gipfel keine Abstriche machen.

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Die Krise ist das größte Risiko für die Konjunktur

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  • Der Niedergang Deutschlands mit Hilfe der BRD GmbH. So, wie es Heute läuft, ist es seit Langem geplant. Da Deutschland nach zwei verlorenen Weltkriegen immer noch nicht klein zu 'kriegen' war, ist man schon nach dem ersten Weltkrieg auf kapitalistisch-faschistische Ideen gekommen. Siehe Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi: Sein Pan-Europa-Club 1922-23; die Bücher "Adel" und "Praktischer Idealismus" (1925). Darin hat er sich eingehend mit den (damals) zu erwartenden Europäischen Rassen gräußert (Mischrasse!). Noch ein anderes Buch ist wegen seiner Aussagen von Bedeutung. Das "Rakowski-Protokoll".

    K.Adenauer und R. Schumann waren Mitglieder in diesem Verein, der auch Heute noch besteht.

    Nathan Kaufmann (New York 1940) hatte ein Buch geschrieben: "Germany must perish" (Deutschland muss untergehen).

    Da dieses Ziel nicht zufrieden stellend erreicht werden konnten, wandte man sich dem Geld als Waffe zu - die Zerstörung der Wirtschftlichen Leistungskraft. Die Bilderberger haben das in einem 'Aktions-Papier' 1953-54 zusammengefasst: "Silent Weapons for a Quiet War" ('Lautlose Waffen für stille Kriege').
    Googeln hilft weiter!

    Die Bilderberger haben sich auch alle Mühe gegeben, von Anbeginn ihr Ziel durchzusetzen - die €U (EudSr). Leider wird keiner der Deutschen Politiker den Mut haben, über seine Teilnahme an den Treffen (zuletzt - Trittin) ausführlich zu berichten.

    So - das war nur ein kleiner Teil der Vorgeschichte. Aber: Wer die Ereignisse von Heute richtig verstehen will, sollte die (wahre!) Geschichte kennen. Denn dann erkennt man, daß alle heutigen Ereignisse nicht zufällig geschehen, daß 'unsere' Politiker nicht planlos handeln, sondern den ihnen vorgegebenen Richtlinien folgten/folgen.

  • Könnte es sein, daß die Krise nur Vorwand ist, das, was offenbar von Einigen immer schon gewollt war - die EUdSSR - als alternativlos jetzt durchzusetzen? Es ist allerdings ziemlich dumm, weil in Europa, wenn es um den € geht, noch nie irgendein Vertrag, irgendein Gesetz eingehalten wurde. Ob man sich da Rat bei Herrn Putin, dem Musterdemokraten, holt? Meine Hypothese ist, dass die €-Schuldenländer ihre ganzen €-Schulden an die Rettungsschirme abgeben und sich dann schulterzuckend und schuldenfrei aus der EU verabschieden, um ihre eigenen Währungen wieder einzuführen - Deutschland bleibt übrig und zahlt. Wie immer. Und unsere Parlamentarier sind egoistisches Stimm-vieh, die von ihrer Partei wieder aufgestellt werden wollen, weil sie sonst HartzIV sind.

  • Raus aus dem EURO und nicht ständige Erweiterungen von
    Rettungsschirmen.

    Dem Bürger sollte klar aufgezeigt werden - soweit dies möglich ist - wie diese Alternative aussehen würde und welche Konsequenzen damit verbunden wären, und nicht immer nur das Szenario "Europauntergang" in den Raum
    gestellt werden!

    Es kann doch wohl nicht sein, daß immer weiteres Geld
    verbrannt wird und so getan wird, daß damit die Schulden-
    staaten gerettet werden könnten.

    Denn zum Ankurbeln der Wirtschaft gehört mehr als Geld -
    nämlich Aufträge - und die sind nicht in Sicht!

    Daher bitte eine Kosten-Gegenüberstellung:

    EURO- Beendigung - oder

    weitere EURO-Aufstockungen in die betroffenen Länder
    wie Spanien, Italien usw. bzw. deren Banken.

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