Schuldzuweisungen im Syrien-Krieg
Der Kreml nennt den Westen einen Aggressor

„Barbarei“ im syrischen Bürgerkrieg: Washington erhebt schwere Vorwürfe gegen Moskau. Der Kreml weist die Anschuldigungen zurück – und attackiert seinerseits die USA. Das Land gefährde den Friedensprozess.

MoskauRussland hat die Vorwürfe der USA zurückgewiesen, Schuld an der Eskalation im syrischen Bürgerkrieg zu sein. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete die heftigen Anschuldigungen als nicht hinnehmbar. Die scharfe Wortwahl könnte die Aussichten für eine Lösung des Syrien-Konflikts eintrüben, sagte er am Montag vor Journalisten. Zudem könnten sie den bilateralen Beziehungen Russlands zu den USA sowie zu Großbritannien schaden. Russland hoffe immer noch auf eine politische Lösung für Syrien.

Russland machte seinerseits Washington Vorhaltungen: Außenminister Sergej Lawrow warf den USA vor, kein verlässlicher Verhandlungspartner in Syrien zu sein. „Ich kann ihnen nicht zu 100 Prozent trauen“, sagte er am Montag dem Sender NTW. Die USA erweckten den Eindruck, dass sie ihren Verpflichtungen nicht gerecht würden. Lawrow warf Washington vor, sich bei der Terrorbekämpfung allein auf die IS-Miliz zu konzentrieren und die ebenfalls als terroristisch eingestufte an-Nusra-Front gewähren zu lassen.

Die US-Botschafterin Samantha Power hatte Russland bei einer Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats heftig attackiert. Russland betreibe in Aleppo „keinen Anti-Terror-Kampf, sondern Barbarei“, sagte sie am Sonntag in New York. Sie gab Moskau die Schuld an der Gewalteskalation in Syrien. In Aleppo war es am Wochenende zu schweren Luftangriffen gekommen. Der britische Außenminister Boris Johnson warf Russland vor, den Krieg in die Länge zu ziehen und möglicherweise Schuld an Kriegsverbrechen zu haben.

Eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte mit Blick auf die Vorwürfe von Boris Johnson, diese träfen in ähnlicher Weise auf Großbritannien zu – in Bezug auf Irak. Der Westen müsse selbst erst beweisen, dass er nicht Aggressor sei, schrieb die Sprecherin Maria Sacharowa auf ihrer Facebook-Seite. Bisher beweise die Geschichte das Gegenteil.

Der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin hatte zuvor den USA vorgeworfen, beim Kampf gegen terroristische Gruppen in Syrien praktisch nicht kooperiert zu haben. Stattdessen glänze Washington in Verhandlungen durch „taktische Finessen“ und unberechenbare Manöver, sagte Tschurkin am Sonntag im Uno-Sicherheitsrat. Bei Gesprächen zur – mittlerweile gescheiterten – Waffenruhe habe Washington als Vorbedingung verlangt, dass die Luftangriffe für drei Tage eingestellt würden. Russland habe diesem einseitigen Schritt zur Deeskalation zugestimmt, sagte Tschurkin. „Danach haben sie gesagt: Nein, der US-Präsident hat es sich anders überlegt, sieben Tage sind nötig“, klagte er. Solche Manöver werde Russland künftig nicht mehr mitmachen. Einseitige Schritte werde es nicht mehr geben.

Eine Friedenslösung für Syrien bezeichnet Tschurkin als mittlerweile „fast unlösbare Aufgabe“.

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Die schwierige Lage Russlands in Syrien

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