Schutz vor Angriffen
Polizeischutz für französische Linienbusse

Nach Brandangriffen von Jugendbanden auf Stadtbusse schickt die französische Regierung mehr Polizisten zum Schutz des Nahverkehrs in die sozialen Brennpunkte. Offenbar mit Erfolg: In der vergangenen Nach wurde kein Angriff auf einen Linienbus gemeldet.

HB PARIS. „Ich habe beschlossen, die Gesamtheit der verfügbaren mobilen Einsatzkräfte für die Sicherheit der Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs zu mobilisieren“, sagte Innenminister Nicolas Sarkozy nach einem Krisentreffen mit den Verkehrsbetrieben am Donnerstagabend in Paris.

„Wir arbeiten auf allen heiklen Linien zu allen heiklen Stunden“, sagte Sarkozy. Der öffentliche Dienst solle „nirgendwo in der Republik“ unterbrochen werden. In der Nacht zum Donnerstag waren bei Paris und Lyon mehrere Busse von teilweise bewaffneten Jugendbanden gestürmt und angezündet worden. Busfahrer weigerten sich daraufhin, bestimmte Viertel im Dunkeln anzufahren.

Am heutigen Freitag jährt sich der Beginn der wochenlangen Jugendunruhen in den französischen Einwanderervierteln vom Herbst 2005. Der Jahrestag hat die Scheinwerfer der Medien auf die Problemviertel gelenkt. Nach einer Umfrage des Instituts IPSOS halten 59 Prozent der französischen Bürgermeister eine Wiederholung der Krawalle für sehr oder ziemlich wahrscheinlich. Nur vier Prozent hält neue Ausschreitungen für gänzlich unwahrscheinlich. Behördenvertreter des Pariser Vorort-Départements Seine-Saint-Denis warnten die Medien davor, das soziale Pulver mit sich überbietender Sensationsberichterstattung zu entzünden.

Als wichtigste Maßnahmen gegen die Unsicherheit schätzen zwei von drei Franzosen die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der sozialen Ausgrenzung ein. Das ergab eine Umfrage des Instituts LH2 für die Zeitung „20 Minutes“. 46 Prozent nennen die „Verbesserung des Dialogs zwischen Jugendlichen und der Polizei“, 38 Prozent plädieren für Sanktionen für Eltern krimineller Kinder. Als Hauptinstrument zur Verbesserung der Lage in den sozialen Brennpunkten sehen 62 Prozent der Franzosen die Förderung des Schulsystems an; 44 Prozent nennen soziale Maßnahmen. Für mehr Polizei, Ausgehverbote und schnelle Strafen plädieren nur 27 Prozent.

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