Schutzschirm
IWF sammelt Milliarden zur Euro-Rettung ein

Der Internationale Währungsfonds hat die angestrebten 400 Milliarden Dollar zum Schutz gegen die Euro-Krise fast beisammen. Einige wichtige IWF-Länder lehnen eine Beteiligung aber weiter strikt ab.
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WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat für den Kampf gegen die Schuldenkrise weitere Milliarden-Zusagen der Mitgliedsländer erhalten. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte am Mittwoch in einer Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung in Washington, sie habe Zusagen im Umfang von mittlerweile 316 Milliarden Dollar. „Und ich habe weitere in der Tasche“, fügte sie hinzu. Lagarde nannte keine Einzelheiten zu den Geldgebern, nannte
aber einen Beitrag Polens von acht Milliarden Dollar. „Dies ist Teil einer konzertierten Aktion wichtiger Geldgeber um sicherzustellen, dass der Fonds über ausreichende Mittel zur Bekämpfung der Krise und zur Stärkung der wirtschaftlichen Stabilität zur Verfügung hat“, sagte Lagarde.

Kanada lehnte im Vorfeld des G20-Treffens am Wochenende in Washington indes weitere Milliarden weiterhin strikt ab. Europa selbst müsse noch viel mehr leisten als es das bisher getan habe, sagte Finanzminister Jim Flaherty am Mittwoch. Zentralbankchef Mark Carney sagte zugleich, eine Brandmauer sei nicht der Schlüssel zur Lösung der Probleme. Es geht viel mehr darum, welche Schritte Europa selbst über einen längeren Zeitraum unternehme. Der IWF möge der Ansicht sein, dass wegen Europa mehr Geld bereit gehalten werden müsse. Aber im Kreise der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer „gibt es derzeit keinen Konsens“.

Der IWF dringt auf eine Aufstockung seiner Mittel, um eine höhere Brandmauer gegen eine Ausbreitung der Schuldenkrise über Europa hinaus zu errichten. Angestrebt wird ein Betrag von rund 400 Milliarden Dollar. Einige Länder, zuletzt Japan, haben bereits weitere Gelder zugesagt. Doch insbesondere das Schwergewicht USA will selbst keine zusätzlichen Mittel bereitstellen. Allerdings sagte Finanzminister Timothy Geithner am Mittwoch
auch, es sei positiv, dass der IWF Geld schnell einsammeln könne, um „die Effekte des europäischen Traumas abzufedern, wenn nötig“. Die USA unterstützten diesen Prozess und würden dies auch bei den anstehenden Treffen tun. Geithner vermied die bisherige Rhetorik, in der Europa dazu aufgefordert wird, zuerst selbst mehr zu leisten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein Geld was man laufend retten muß, ist kein Geld und gehört auf den Müllhaufen.
    Wenn es durchs Dach ständig reinregnet, trotz einzelner Auswechslung der Dachziegel, dann nützt Ausbessern nichts mehr, dann muß in Gänze ein komplett neues Dach drauf.
    In den Wirtschaftsnachrichten gestern stand aber, dass auch Frau Lagarde den Zusammenbruch des Euro nun nicht mehr ausschließt.
    Wozu sammelt sie jetzt noch Geld ein und verarmt weitere Länder?
    Also dann ran, Euro weg und gut ist es und dieses Theater hat ein Ende.

  • Und wenn sie dann das Geld beisammen hat (vergessen wir nicht, dass Deutschland sich hier auch dran beteiligt), dann wird sie wieder sagen, dass die Summe des ESMs weiter ausgeweitet werden muss ansonsten zahlt SIE nicht. Somit wird D dann erpresst mit u.a. eigenen Geld, das es für den IWF bereitgestellt hat.
    Die Strategie Lagarde's ist ganz klar, zahlen bis zum bitteren Ende. Ihre Forderungen, von denen sie nie abgewichen ist, bleiben immer dieselben, weil sie wollte ja schon letzten September eine unbegrenzte Haftung ohne Kontrollemöglichkeit. (Damals berechnete man die Kosten auf 2-3 Bio. €)
    Eine Anpassung ihres Konzeptes hat es nie gegeben auch wenn jedem Blinden in der Zwischenzeit klar sein sollte, dass die gewählte Strategie wenig positive Effekte hat (abgesehen, dass für einige Banken das Risiko gesunken ist).
    Ich frage mich schon, wie man eine Person auf so einen Posten setzten kann, der ein Strafverfahren anhängig ist wegen Verdacht der Veruntreung von Geldern und Bestechung im Falle Tapis.
    Hierbei sollte man auch nicht vergessen, dass Madame der beste Finanzminister ist, den Frankreich jemals hatte bevor sie dann voriges Jahr weggegangen ist. Wie hoch das Erwartungsniveau der Franzosen in dieser Sache ist, sieht man an dem finanziellen Zustande des Landes 9 Monate später.

  • Verbieten nicht die Statute des IWF ein Eingreifen in Europa? Also hat Kanada mit seinem Nein absolut Recht. Europa soll alleine seine (hausgemachten) Probleme lösen, aber dafür braucht es die Abkehr vom räuberischen Wohlfahrtsstaat mit Kaskoversicherungsmentalität.

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