Schwarzgeld: Retter für russische Milliarden gesucht

Schwarzgeld
Retter für russische Milliarden gesucht

Reiche Russen haben bei zyprischen Banken rund 20 Milliarden Euro gebunkert – jetzt sollen die strauchelnden Geldinstitute mit EU-Steuergeldern rekapitalisiert werden. Europas Politiker ärgert aber noch mehr.
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Athen/MoskauRussische Speisekarten im Restaurant, russische Sicherheitshinweise in den Aufzügen der Hotels, russischsprachiges Verkaufspersonal in den Juwelier- und Pelzgeschäften: Kein Wunder, dass die Bewohner der zyprischen Hafenstadt Limassol von ihrem Ort oft als „Limassolgrad“ sprechen.

Auch bei den Banken in Zypern spricht man Russisch, denn Russen sind hier wichtige und gern gesehene Kunden. Nach Angaben der zyprischen Zentralbank unterhalten Nicht-EU-Bürger bei den Geschäftsbanken der Inselrepublik Einlagen von 20,8 Milliarden Euro. Der allergrößte Teil davon dürfte auf russische Guthaben entfallen. Der Strom russischen Geldes nach Zypern setzte nach dem Zerfall der Sowjetunion ein. Zugleich schnellte die Zahl der auf Zypern registrierten Briefkastenfirmen auf über 40.000. Hinter vielen verbergen sich reiche Russen, sagen Insider. Dass nicht alle Russengelder auf zyprischen Konten ehrlich verdient und ordentlich versteuert wurden, ist eine naheliegende Vermutung für ein Land, in dem die Korruption wuchert.

Vor einigen Wochen gelangte ein interner Bericht des Bundesnachrichtendiensts BND in die Öffentlichkeit, indem sogar von knapp 20 Milliarden Euro russischer Eigentümer alleine die Rede ist, die auf Konten in Zypern lagern sollen – ein großer Teil davon Schwarzgeld, das Oligarchen hier reinwaschen wollen.

In Statistiken zu den Wirtschaftsbeziehungen Russlands steht Zypern ganz oben. Russische Firmen investierten auffallend oft in Zypern, von dort fließt das Geld wieder zurück in den Osten. So steht der Mini-Staat an erster Stelle bei den Investitionen in Russland. Mehr als 54 Milliarden Euro waren es allein im ersten Halbjahr 2012. Das britische Unternehmensrecht, das auf Zypern gilt, macht es Geschäftsleuten leicht, Firmen zu gründen und deren genaue Strukturen zu verschleiern.

Wer genügend Geld hat, kann sich zudem auf der Insel niederlassen. Um einen Pass zu bekommen oder ein Visum der Kategorie F, das einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung entspricht, muss man mindestens zehn Millionen Euro in Zypern direkt investieren, mit seiner Firma mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr umsetzen oder für fünf Jahre 15 Millionen Euro anlegen. Vielen Millionären, denen Russland aufgrund mangelnder Rechtssicherheit oder der politischen Lage zu unsicher ist, nutzen diese Möglichkeit gerne. Laut BND-Bericht haben 80 Oligarchen davon Gebrauch gemacht. Andere Schätzungen über Russen im Land sowie russischstämmiger Staatsbürger liegen noch deutlich höher.

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Bankensektor steht vor Zusammenbruch

Kommentare zu " Schwarzgeld: Retter für russische Milliarden gesucht"

Alle Kommentare
  • Ganz recht, denn mit diesen Einlagen russischen Geldes incl. Schwarzgeldes haben die Banken in Zypern Schuldverschreibungen griechischer Banken, da hochverzinst, gekauft, und jetzt fehlt das Geld. Natürlich muss man sie pleite gehen lassen. -- Aber ob das Frau Merkel und Herr Schäuble auch so sehen?

  • Sie können so viel vergemeinschaften, wie sie wollen und alle EU-Staaten in eine kontrollierte Zwangsjacke stecken - also je Südland-Einwohner ein Kontrolleur -
    immer werden sich die meisten nicht nach Recht und Gesetz richten und ihren persönlichen Vorteil dem Gemeinschaftsgeist vorziehen - (außer wir Deutsche natürlich) wenn schon die Oberen sich nicht an Verträge halten und sie fortlaufend brechen - schöne Vorbilder.
    Wunschträume oder Realitätssinn - das ist hier die Frage. Also besser, jedes Land wird bald wieder selbständig und eigenverantwortlich.


  • @ oligarch

    Zitat : Da keinerlei Kontrolle der Herkunft der Investments stattfindet

    Die Herkunft des Investments ist in diesem Fall sehr simpel : es sind Milliarden, die dem Russischen Volk durch die Putin-Mafia aus Öl, -Gas, -Edelmetalle, -Holz, und sonstigen Rohstoff-Geschäften entzogen werden und überwiegend in der Schweiz, Virgin-Islands und auf Zypern auf Privatkonten und Briefkastenfirmenkonten gebunkert werden !
    Die Investments sind eine reine Geldwäsche !

  • Warum läßt man solche Banken nicht endlich pleite gehen. Es kann doch nicht sein daß wir die ganze Welt retten inklusive Verbrechersyndikate.

  • @ oligarch

    Stimme voll zu!!!

    Was kann man denn machen gegen diese korrupten Länder und Beamten, sowie Politiker und Bänkster.

    Geld dass durch Kinderprostitution, Waffen- und Drogenhandel, Steuerhinterziehung, Autoschiebereien, Wirtschaftsspionage gelangt ohne Probleme in jeden Wirtschaftskreislauf.

    Wer würde gerne in einem 5 Sterne Hotel schlafen, dass mit Drogengeldern und Kinderprostitution finanziert ist!?

    Was würde man denken, wenn man wüsste, dass der eigene Chef
    früher bzw. noch immer mit Drogenhandel, Kinderprostitution, Waffenhandel sein Geld verdient?

    Ich möchte ja nicht zu Gewalt aufrufen, aber die ganzen Gesetze und Möglichkeiten sind zu vergleichen, wie wenn ein 5 Jähriger gegen den Box-Weltmeister im Schwergewicht antreten lässt.

    Zitat von Barack Obama

    „Wenn Oslo so gefährdet wäre wie New York, würden Norweger nicht ganz so friedfertig sein.“

    Dass heißt wohl, die kriminellen machen was sie wollen und die guten sind wie immer die
    dummen Opfer.

    Wieviel tausend Jahre soll dass noch so gehen?

  • Ebenfalls eine Recherche, folgend einen Artikel, waere es wert, die Bauherrentaetigkeit russischer Staatsbuerger auf Zypern zu durchleuchten. Russiche "Geschaeftsleute", die auf Zypern Hotels, Clubs, Ressorts und aehnliche - durch permanenten Umsatz aus dem Tourismus - lukrative Unternehmen gruenden. Mir persoenlich, durch Bekanntschaft mit Athener Architekten(!!) bekannt, werden auf Zypern Multi-Millionen_Euro Projekte russischer Investoren realisiert. Da keinerlei Kontrolle der Herkunft der Investments stattfindet, sind fuer alle - oertlich vernetzten Unternehmer - exorbitant hohe Gewinnmargen garantiert! In diesem Kontext stellt sich doch die Frage: Geht es hier nur um Schwarzgeld oder auch um Geldwaesche?!

  • Monika: Vielleicht hindert die CSU ja das Vorhandensein eigener Schwarzgeldkonten in Zypern an einem echten Veto. Ich unterstelle mittlerweile ALLEN Einheitsparteien in DEU solcherart Machenschaften-siehe Kohl und Schäuble! Ich bin überzeugt, wenn man denen einen solchen Vorwurf öffentlich und pauschal ohne Hintergrundwissen an den Kopf schmeißt, sticht man geradezu ins Wespennest hinein! Für mich ist die Demokratie hierzulande schon lange mindestens auf dem Format einer DDR2.0. Nur die Bestechungssummen und Höhe der Schwarzgelder ist deutlich größer....

  • Kein Steuergeld für die Rettung von Schwarzgeldkonten. Im übrigen ist Zypern eben auch nur ein Schmarotzer mit dubiosen Geschäftspraktiken.

  • Ev. weil er oder seine Kumpanen dort auch investiert sind?

  • Putin wird mit Sicherheit kein größeres Hilfsprogramm zur Rettung von zypriotischen Banken auflegen. Würde er damit doch nur das Geld von russischen Steuerflüchtlingen retten.
    Warum sollte er?

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