Schwarzgeld: Retter für russische Milliarden gesucht

Schwarzgeld
Retter für russische Milliarden gesucht

Reiche Russen haben bei zyprischen Banken rund 20 Milliarden Euro gebunkert – jetzt sollen die strauchelnden Geldinstitute mit EU-Steuergeldern rekapitalisiert werden. Europas Politiker ärgert aber noch mehr.
  • 28

Athen/MoskauRussische Speisekarten im Restaurant, russische Sicherheitshinweise in den Aufzügen der Hotels, russischsprachiges Verkaufspersonal in den Juwelier- und Pelzgeschäften: Kein Wunder, dass die Bewohner der zyprischen Hafenstadt Limassol von ihrem Ort oft als „Limassolgrad“ sprechen.

Auch bei den Banken in Zypern spricht man Russisch, denn Russen sind hier wichtige und gern gesehene Kunden. Nach Angaben der zyprischen Zentralbank unterhalten Nicht-EU-Bürger bei den Geschäftsbanken der Inselrepublik Einlagen von 20,8 Milliarden Euro. Der allergrößte Teil davon dürfte auf russische Guthaben entfallen. Der Strom russischen Geldes nach Zypern setzte nach dem Zerfall der Sowjetunion ein. Zugleich schnellte die Zahl der auf Zypern registrierten Briefkastenfirmen auf über 40.000. Hinter vielen verbergen sich reiche Russen, sagen Insider. Dass nicht alle Russengelder auf zyprischen Konten ehrlich verdient und ordentlich versteuert wurden, ist eine naheliegende Vermutung für ein Land, in dem die Korruption wuchert.

Vor einigen Wochen gelangte ein interner Bericht des Bundesnachrichtendiensts BND in die Öffentlichkeit, indem sogar von knapp 20 Milliarden Euro russischer Eigentümer alleine die Rede ist, die auf Konten in Zypern lagern sollen – ein großer Teil davon Schwarzgeld, das Oligarchen hier reinwaschen wollen.

In Statistiken zu den Wirtschaftsbeziehungen Russlands steht Zypern ganz oben. Russische Firmen investierten auffallend oft in Zypern, von dort fließt das Geld wieder zurück in den Osten. So steht der Mini-Staat an erster Stelle bei den Investitionen in Russland. Mehr als 54 Milliarden Euro waren es allein im ersten Halbjahr 2012. Das britische Unternehmensrecht, das auf Zypern gilt, macht es Geschäftsleuten leicht, Firmen zu gründen und deren genaue Strukturen zu verschleiern.

Wer genügend Geld hat, kann sich zudem auf der Insel niederlassen. Um einen Pass zu bekommen oder ein Visum der Kategorie F, das einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung entspricht, muss man mindestens zehn Millionen Euro in Zypern direkt investieren, mit seiner Firma mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr umsetzen oder für fünf Jahre 15 Millionen Euro anlegen. Vielen Millionären, denen Russland aufgrund mangelnder Rechtssicherheit oder der politischen Lage zu unsicher ist, nutzen diese Möglichkeit gerne. Laut BND-Bericht haben 80 Oligarchen davon Gebrauch gemacht. Andere Schätzungen über Russen im Land sowie russischstämmiger Staatsbürger liegen noch deutlich höher.

Seite 1:

Retter für russische Milliarden gesucht

Seite 2:

Bankensektor steht vor Zusammenbruch

Kommentare zu " Schwarzgeld: Retter für russische Milliarden gesucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ganz recht, denn mit diesen Einlagen russischen Geldes incl. Schwarzgeldes haben die Banken in Zypern Schuldverschreibungen griechischer Banken, da hochverzinst, gekauft, und jetzt fehlt das Geld. Natürlich muss man sie pleite gehen lassen. -- Aber ob das Frau Merkel und Herr Schäuble auch so sehen?

  • Sie können so viel vergemeinschaften, wie sie wollen und alle EU-Staaten in eine kontrollierte Zwangsjacke stecken - also je Südland-Einwohner ein Kontrolleur -
    immer werden sich die meisten nicht nach Recht und Gesetz richten und ihren persönlichen Vorteil dem Gemeinschaftsgeist vorziehen - (außer wir Deutsche natürlich) wenn schon die Oberen sich nicht an Verträge halten und sie fortlaufend brechen - schöne Vorbilder.
    Wunschträume oder Realitätssinn - das ist hier die Frage. Also besser, jedes Land wird bald wieder selbständig und eigenverantwortlich.


  • @ oligarch

    Zitat : Da keinerlei Kontrolle der Herkunft der Investments stattfindet

    Die Herkunft des Investments ist in diesem Fall sehr simpel : es sind Milliarden, die dem Russischen Volk durch die Putin-Mafia aus Öl, -Gas, -Edelmetalle, -Holz, und sonstigen Rohstoff-Geschäften entzogen werden und überwiegend in der Schweiz, Virgin-Islands und auf Zypern auf Privatkonten und Briefkastenfirmenkonten gebunkert werden !
    Die Investments sind eine reine Geldwäsche !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%