Schweinegrippe
Virus schwächt Mexikos Wirtschaft

Mexiko kommen die Neben- und Nachwirkungen der Schweinegrippe teuer zu stehen: Die Schweinegrippe drückt das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,5 Prozentpunkte. Besonders betroffen ist die Tourismus-Branche. Wirtschaftlich trifft das Virus Mexiko im schlimmsten Moment.

MEXIKO-STADT. Mexikos Wirtschaft und Ruf des Landes haben in den vergangenen Tagen großen Schaden genommen - er wird so schnell nicht wieder zu reparieren sein. Präsident Felipe Calderón beschwerte sich in einem Fernsehinterview über die Diskriminierung, die seine Landsleute in einigen Ländern erführen: "Ich finde es ungerecht, dass es Staaten gibt, die aus Desinformation oder Nichtwissen Maßnahmen der Ausgrenzung und Repression ergreifen", betonte der Präsident. Mexiko stehe im Kampf gegen die Epidemie an forderster Front und habe in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf die Welt stets informiert.

Wirtschaftlich trifft die Schweinegrippe Mexiko im schlimmsten Moment: Als einer der wichtigsten Handelspartner und direkter Nachbar der USA spürt das Land die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise am stärksten in Lateinamerika. Finanzminister Agustín Carstens fürchtet deshalb, dass die Krise rund um das Virus das Bruttoinlandsprodukt (BIPP) der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas in diesem Jahr um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte oder umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro drosseln wird. Schon vor der Schweinekrise waren die Vorhersagen dramatisch schlecht: Mexikos Zentralbank hatte dem Land einen Einbruch der Wirtschaftskraft um rund 4,8 Prozent vorhergesagt.

Besonders betroffen ist der Hotel- und Gaststättensektor. In ganz Mexiko haben infolge des staatlich verordneten Zwangsurlaubs von einer Woche noch bis Mittwoch 35 000 Geschäfte ganz oder teilweise geschlossen. So sind 450 000 Beschäftigte in Hotels, Restaurants und dem Tourismussektor eine Woche ohne Job - und ohne Geld.

Tourismusminister Rodolfo Elizondo schätzt, dass der ausländische Tourismus in den kommenden Wochen wegen der Schweinegrippe um bis zu 85 Prozent einbrechen wird. Der Tourismus ist die viertwichtigste Devisenquelle Mexikos nach dem Ölverkauf, den Auslandsüberweisungen und den Auslandsinvestitionen. Im vergangenen Jahr generierte der Sektor rund 13 Mrd. Dollar.

Auf der anderen Seite hat Mexikos Image in der Welt stark gelitten seit dem Ausbruch der Schweinekrise am 23. April. In vielen Ländern der Welt werden Mexikaner in diesen Tagen wie Aussätzige behandelt: Japan verlangt Visa von Mexikanern, in China wurden 71 mexikanische Passagiere nach ihrer Ankunft in Schanghai in Quarantäne genommen, obgleich sie keine Grippe-Symptome aufwiesen. Sogar in Lateinamerika stellten Peru, Ecuador, Kuba und Argentinien die Flugverbindungen nach Mexiko vorerst ein. In den USA, Kanada und der EU gibt es jedoch keine entsprechenden Pläne.

Der preisgekrönte mexikanische Schriftsteller Juan Villoro fürchtet, dass es viele Jahre dauern wird, bis sein Land den Ruf wieder los werde, den ihm der heimtückische A/H1N1-Virus eingebrockt habe: "Mexiko wird weltweit vorgeführt wie die bärtige Frau im Zirkus."

Außenministerin Patricia Espinoza sprach von "ungerechtfertigten Maßnahmen" und kündigte an, bei Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon und der Welthandelsorganisation Protest gegen die Behandlung der Mexikaner in aller Welt einzulegen. Marcelo Ebrard, Bürgermeister von Mexiko-Stadt, kritisierte, dass die Metropole nun weltweit als "Schurken-Stadt" dastehe: "Es ist überhaupt nicht bewiesen, dass in unserer Stadt der Schweinegrippen-Virus erstmals aufgetreten ist."

Mexiko hat die Schweinegrippe nach Ansicht von Präsident Calderón jedoch jetzt im Griff. Sein Land sei in der Lage, die Epidemie zu bewältigen, betonte der Präsident. Die Behörden hätten nach dem Auftreten der Erkrankung "unverzüglich" ihren Kampf gegen das Influenza-Virus vom Typ A/H1N1 aufgenommen und "korrekt" gehandelt. Sie hätten es geschafft, die Übertragungsrate gleich zu halten oder sogar zu senken, verteidigte sich der Präsident.

Jüngsten Angaben zufolge haben sich in Mexiko 727 Menschen mit dem heimtückischen Virus infiziert. Die Zahl der Todesopfer bezifferte Gesundheitsminister José Angel Córdova am Montag auf 27.

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