Schweizer Kraftwerksplanung
Atomkraft? Ja bitte!

In der Schweiz sollen zwei neue Atomkraftwerke entstehen. Widerstand der Bevölkerung ist unwahrscheinlich – nicht zuletzt, weil Stromkonzerne und Wissenschaftler unisono betonen: Kernkraft ist klimafreundlich. Bisher hat ein Ausstiegsbeschluss bei den Eidgenossen keine Chance.

ZÜRICH. Wenn er von der Anti-Atom-Bewegung spricht, gerät er ins Schwärmen: monatelange Bauplatz-Besetzungen, Widerstandscamps, Lagerfeuer, Chianti und Gitarren. So hat er sie in Erinnerung, die wilden 70er-Jahre, David Keel, Teamleiter bei Greenpeace in der Schweiz mit inzwischen mehr als 20 Jahren eigener Erfahrung in Bürgerinitiativen und in dem, was er „Campaigning“ nennt. Jetzt steht er vor einer zweiten Karriere: Er leitet den Kurs „Teilchenbeschleuniger“ und bildet dort eine neue Generation von Aktivisten aus, die mit moderneren und effizienteren Methoden gegen den Bau von Atomkraftwerken in der Schweiz vorgehen sollen.

Es wird ein harter Kampf, so viel steht jetzt schon fest. Denn bislang sind die Mehrheiten im Nachbarland anders verteilt als in Deutschland, wo der Atomausstieg als beschlossene Sache gilt. Die offizielle Linie in Sachen Energiepolitik lautet in der Alpenrepublik dagegen: „Es gibt keine Alternative zur Kernenergie.“ Das sagt der Vorsitzende der Schweizerischen Volkspartei, der stärksten Partei des Landes.

In der Schweiz produzieren fünf Atommeiler 40 Prozent des Strombedarfs. Der Rest kommt aus Wasserkraftwerken oder wird im Ausland gekauft. Zwei Kernkraftwerke, die in den 70er-Jahren entstanden, werden im Jahr 2020 ihr Leben aushauchen. Bis dahin müssen neue her.

Die Schweizer Elektrizitätskonzerne Atel und Axpo wollen deswegen im nächsten Jahr ein Bauantrag für neue Atommeiler stellen. Zusätzlich will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle Endlagerstandorte bekannt geben. In der Schweiz müssen solche Entscheidungen, wie es heißt, „vors Volk“. Und mit Blick auf diese Volksabstimmung laufen sich Gegner und Befürworter jetzt schon warm, um den Menschen Argumente an die Hand zu geben.

Beim letzten Urnengang vor vier Jahren antworteten fast 70 Prozent auf die Frage „Soll die Schweiz aus der Atomenergie aussteigen?“ mit einem „Nein“.

Deswegen wird David Keel von Greenpeace ganze Arbeit leisten müssen, um die Mehrheiten umzukehren. Und deswegen haben sich in dem kleinen Nachbarland, dessen Atommeiler fast alle entlang der Grenzen zu Deutschland oder Frankreich stehen, jetzt auch die rund 50 zersplitterten Organisationen der Anti-Atom-Bewegung unter dem Dach von Greenpeace zu einer Allianz zusammengeschlossen. „Nach einer großen Kampagne von uns wird die Stimmung im Land anders aussehen“, prophezeit Keel selbstbewusst.

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