Schweizer Notenbankchef
Integration durch Bankenunion

Der Schweizer Notenbankchef gibt den Euro nicht verloren. Er rät seinen Nachbarn zu einer gemeinsamen Rekapitalisierung der europäischen Banken, aber nicht ohne Auflagen. Das wichtigste sind, für ihn, die Kontrollen.
  • 5

Herr Jordan, reichen die Beschlüsse des EU-Gipfels, um die Märkte zu beruhigen?
Jordan: Das kann man im Moment noch nicht abschätzten. Zentral ist, wie die Märkte die noch zu erfolgende Umsetzung der Beschlüsse einschätzen und die langfristige Wirkung der Maßnahmen beurteilen.

Stellt die direkte Hilfe an die Banken nicht einen Freibrief auf Kosten des Steuerzahlers dar?
Diese Gefahr besteht. Deshalb ist es so zentral, dass für die Hilfe die notwendigen Bedingungen gestellt werden und die Kontrolle durch die europäischen Institutionen und nicht nur durch die Staaten erfolgt.

Sie haben in Ihrer Doktorarbeit vor den Risiken einer Währungsunion in Europa gewarnt und recht behalten. Gibt es dennoch eine Chance für den Euro?
Es geht darum, die finanzielle Stabilität der Staaten der Euro-Zone auf mittlere Sicht wiederherzustellen. Die Banken müssen mit genügend Eigenkapital ausgestattet werden. Zudem muss die Wirtschaft in der ganzen Euro-Zone wieder stärker wachsen.

Was müssen wir heute tun, um die Krise zu bekämpfen?
Es ist nicht an der Nationalbank, Empfehlungen zum Krisenmanagement an Europa zu geben. Aber eine mögliche Stoßrichtung, die nun auch am EU-Gipfel diskutiert wurde, ist die Abhängigkeit zwischen Staaten und Banken durch eine Bankenunion zu vermindern. Damit könnte man die Rekapitalisierung der wichtigsten Institute in der Euro-Zone in einem gemeinschaftlichen Schritt vollziehen. Über eine Bankenunion könnte man am schnellsten eine vertiefte Integration erreichen. Damit ließe sich auch die Forderung von Frau Merkel nach einer Verbindung von Haftung und Kontrolle erfüllen.

Wo soll das Geld für die Rekapitalisierung herkommen?
Das Geld dafür könnte aus den bestehenden europäischen Rettungsschirmen kommen und direkt an die Banken gehen. Wenn die starken Staaten den schwachen helfen, wird die Gesamtbelastung der Union insgesamt nicht verändert. Trotzdem könnte die Euro-Zone sich dadurch stabilisieren, weil so Zeit für nötige Reformen gewonnen werden könnte. Bedingungen und Kontrollen sind aber äußerst wichtig, damit die Zeit auch tatsächlich genutzt wird und es nicht zu einer Ausweitung des moralischen Risikos kommt.

Kommentare zu " Schweizer Notenbankchef: Integration durch Bankenunion"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wieder ein guter Zug um Europa weiter zu destabilisieren.

    Pleitebanken müssen pleite gehen! Die finanzielle vernetzung hat uns ja bisher auch nur gutes gebracht, deshalb bauen wir das aus! Dann wird das Bankensystem noch instabiler und fordert weitere Steuergelder.

    Wer braucht die Banken, kein Mensch. Das sind die die uns 90% des Schlammassels eingebrockt haben. Keine Bankenrettung! Papiergeld/Giralgeld ist so oder so nur eine Illusion und die Spareinlagen und Lebensversicherungen sind bereits auf den Konten weniger. Der Normalbürger wird am Ende davon nichts mehr sehen. Weg mit den Banken, wir können unsere Bevölkerung hervorragend mit allem versorgen und unseren Alten, ohne das sie auch nur einen Cent haben, bestens versorgen. Alles ist da! Aber die Banken müssen weg.

    Hast nicht sondern denkt.

  • Gegenrede: genau! Auch ich empfehle jeder Bürgerin/Bürger mit gesundem Menschenverstand, den link mit dem Artikel von Prof. Ammann zu lesen. Was mein Landsmann, Herr Jordan da rauslässt ist unqualifizierter bullshit, da wackeln einem die Ohren.

  • Soll der freundliche Herr auss der Schweiz doch einfach mal die Gosche halten. Wenn die Schweiz dem Zahlerbund (D,NL,FIN) oder Hafter für den ESM Unfug wird, kann er sich ja nochmals melden die Südländer wird es freuen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%