Schweizer Reaktionen
„Lass die Kavallerie im Stall“

An keinem deutschen Politiker reiben sich die Schweizer Medien lieber, als an dem streitbaren Ex-Finanzminister. Steinbrücks Kanzlerkandidatur löst ein lautes Echo aus - aber auch Schweizer lesen deutsche Umfragen.
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ZürichSteinbrück ist weiterhin eine Reizfigur in der Schweiz. Grund sind seine Äußerungen aus dem Jahr 2009 mit Blick auf die Schweiz. "Man muss die Kavallerie nicht immer ausreiten lassen. Die Indianer müssen nur wissen, dass es die Kavallerie gibt." Denn damals hatte die Schweiz im Eiltempo Zugeständnisse beim Bankgeheimnis gemacht, um nicht auf die schwarze Liste der OECD der nicht-kooperativen Steueroasen zu kommen. Steinbrücks Bemerkung sorgte damals für einen diplomatischen Eklat, die Schweiz bestellte den deutschen Botschafter ein. Und bis heute haben die Schweizer diesen Satz Steinbrücks nicht vergessen.

Und dieser Mann soll nun möglicherweise der nächste deutsche Bundeskanzler werden? "Aus Schweizer Sicht ist es pikant, dass gerade der Mann antritt, der die Kavallerie schicken wollte", sagte der Schweizer CVP-Abgeordnete Primin Bischof zur Aargauer Zeitung. "Aber die amerikanische Kavallerie ist am Little Big Horn ja vernichtend geschlagen worden", fügt er an.

FDP-Parteichef Philipp Müller setzt auf Steinbrücks Lernfähigkeit: "Ich hoffe, dass er sich besinnt, die Kavallerie im Stall lässt und sich zivilisiert über die Schweiz äußert." Ein Sprecher des Schweizer Finanzministeriums wollte sich zu Steinbrück Kandidatur nicht weiter äußern.

Steinbrück selbst weiß, dass die Schweizer mit ihm noch eine Rechnung offen haben. Bei einer Podiumsdiskussion vor wenigen Tagen in Zürich verkniff er sich jeden Vergleich aus dem Wilden Westen. In der Sache blieb er aber hart, und machte klar, dass er das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz aus Gerechtigkeitsgründen ablehnt. Auch die "Möhre" von Milliarden-Steuerzahlungen könne ihn davon nicht abbringen.

Steinbrücks Beispiel hat in der deutschen SPD längst Schule gemacht. Attacken gegen die Schweiz sind en vogue. Auch NRWs Finanzminister Norbert Walter-Borjans hat sie sich zu einem Markenzeichen gemacht, wenn er gegen das Steuer-Abkommen wettert. "Die Maschinerie der SPD läuft wie geschmiert. Fast schon stümperhaft mutet demgegenüber an, wie die Schweiz dagegenhält", kommentierte dazu jüngst die "Neue Züricher Zeitung".

Doch auch in der Schweiz sind die aktuellen Umfragen aus Deutschland nicht verborgen geblieben. Und die sehen Bundeskanzlerin Angela Merkel derzeit klar vorne vor ihren frisch gekürten Herausforderer Peer Steinbrück. "Seine Chancen scheinen eher klein zu sein, also lohnt die Aufregung nicht", meint ein Insider des Berner Polit-Betriebes. Schlimm seien weniger Steinbrücks wiederholte Attacken auf die Schweiz, sondern eher die Tatsache, dass die Schweizer Medien dem solche Bedeutung einräumten.

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