Schwellenländer Indiens Wirtschaft verliert an Schwung

Indien gilt als eines der Boomländer schlechthin. Doch wie ein aktueller Fall zeigt, sind die Bedingungen für ausländische Investoren schwierig. Der große Konkurrent China hat im Vergleich längst die Nase vorn.
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Inder passieren in der Hauptstadt Neu Delhi vor einem Werbebanner des Mobilfunkkonzerns Vodafone. Quelle: AFP

Inder passieren in der Hauptstadt Neu Delhi vor einem Werbebanner des Mobilfunkkonzerns Vodafone.

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MumbaiEs ist ein Politikum, und es geht um viel Geld: Gestern bekräftigte der indische Finanzminister Pranab Mukherjee, dass er dem britischen Telekom-Giganten Vodafone demnächst eine Steuernachforderung schicken wird - und zwar gleich über bis zu vier Milliarden Dollar. Damit möchte er das Unternehmen für eine Firmenübernahme zur Kasse bitten, die bereits 2007 abgewickelt wurde - und dessen Besteuerung eigentlich laut oberstem Gerichtshof in Indien nicht möglich ist.

Vodafone hatte im Jahr 2007 für 11,2 Milliarden Dollar zwei Drittel des indischen Mobilfunkanbieters Hutch Essar gekauft. Allerdings wurde der Deal von den Niederlanden aus mit dem Verkäufer Hutchinson Wampoa abgeschlossen, das seinen Sitz in Hongkong hat. Seitdem arbeitet die indische Regierung daran, die Steuergesetze nachträglich so zu verändern, dass sie trotzdem Zugriff hat.

Neu-Delhi nährt mit den Plänen die wachsenden Zweifel der Investoren an der Verlässlichkeit der indischen Politik. Die Skepsis zeigt sich bereits in der Schwäche der Währung, die Rupie hat im vergangenen Jahr mehr als zwölf Prozent an Wert gegenüber dem Dollar verloren. Bei den ausländischen Direktinvestitionen liegt Indien weit hinter den anderen großen Schwellenländern zurück.

Analysten beobachten mit Sorge, dass das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Quartalen deutlich zurückgegangen ist. "Die indische Regierung scheint zurzeit paralysiert, die Staatseinnahmen verschlechtern sich ebenso wie die Wachstumsaussichten", schreibt Citi-Expertin Joanna Chua in ihrem jüngsten Report.

Um das im vierten Quartal 2011 auf 6,1 Prozent gesunkene Wachstum zu beleben, hatte die indische Notenbank RBI den Leitzins kürzlich überraschend gesenkt - trotz weiterhin hoher Inflation. Laut Chua gelang es der RBI damit aber nicht, die Nachfrage spürbar anzukurbeln.

Die Regierung mit Premierminister Manmohan Singh tut sich bereits seit Jahren schwer, sich gegen Reformgegner im eigenen Land durchzusetzen. Kritiker fürchten bereits einen Rückfall in die Starre überwunden geglaubter Zeiten. Indien hatte bis zu seinem wirtschaftlichen Aufbruch jahrzehntelang in einer Quasi-Planwirtschaft verharrt, trotz grundsätzlicher demokratischer Strukturen. Anfang der 1990er-Jahre führte das System aus Lizenz-Bürokratie, Korruption und Abschottung nach Außen beinahe zu einem Staatsbankrott.

Wandlung vom Pleitekandidaten zum Wirtschaftsmotor
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