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19.12.2008 
Konjunktur

Schwellenländer keine Stütze für Weltwirtschaft

Die Wirtschaftskrise wird das Wachstum vieler Schwellenländer vermutlich wesentlich stärker belasten als angenommen. Damit würde die erhoffte Unterstützung der Weltwirtschaft durch wichtige Schwellenländer wie China oder Indien wird im kommenden Jahr ausbleiben.

HB FRANKFURT. Einige aufstrebende Staaten, speziell aus Mittel- und Osteuropa, könnten sogar zu einer zusätzlichen Belastung für die ohnehin rezessive Weltkonjunktur werden, warnen Experten.

Insbesondere dem größten Schwellenland China trauen Experten trotz eines massiven Konjunkturprogramms nicht mehr zu, den globalen Wirtschaftsabschwung abzufedern. Wahrscheinlich werde es der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht gelingen, sich von der globalen Rezession abzukoppeln, heißt es bei der Commerzbank. Nach Jahren zweistelliger Wachstumsraten rechnen viele Experten für 2009 mit einem Einbruch des Wachstums auf schlimmstenfalls fünf, bestenfalls acht Prozent. Wenngleich derart hohe Raten für die meisten Industriestaaten aufgrund ihres ausgeprägten Entwicklungsstands schier unerreichbar erscheinen, stellen sie für China einen erheblichen Wachstumseinbruch dar. Nicht wenige Experten nehmen bereits das Wort Rezession in den Mund.

Untermauert wird dieser düstere Ausblick von jüngsten Zahlen zum Motor der chinesischen Wachstumsstory, dem Außenhandel. So sind die Exporte Chinas zum Jahresende 2008 regelrecht eingebrochen und erstmalig seit sieben Jahren gesunken. Zuvor waren sie auch trotz globaler Wachstumsflaute mit Jahresraten von über 20 Prozent gewachsen. „Chinas Abschwung gewinnt immer mehr an Tempo“, sagt You- Na Park, China-Analyst der Commerzbank. Zwar dürften Maßnahmen der chinesischen Regierung wie das 580 Mrd. Dollar schwere Konjunkturpaket zweifelsohne Wirkung zeigen. Allerdings sei mittlerweile auch klar, dass es der Wirtschaft Chinas deutlicher schlechter gehe als bisher befürchtet.

Auch die WestLB sieht für die Schwellenländer kein gutes Jahr 2009. Die Landesbank rechnet für die sogenannten „Emerging Markets“ mit einer Halbierung der jährlichen Wachstumsraten. Belastend dürften vor allem die schwache Weltwirtschaft und ein geringerer Zufluss von ausländischem Kapital wirken. Darüber hinaus leiden wichtige Rohstoffexporteure wie Russland oder Brasilien unter den seit Sommer 2008 massiv gesunkenen Preisen für Rohöl und andere Rohstoffe. Allerdings rechnet die WestLB für keines der wachstumsstarken BRIC- Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung.

Die Postbank beurteilt vor allem die Aussichten für die Länder Mittel- und Osteuropas sehr ungünstig. Hier sei 2009 die deutlichste Wachstumsabschwächung in den Reihen der aufstrebenden Länder zu erwarten. Die Begründung: Staaten wie Polen oder Ungarn weisen zumeist sehr große Leistungsbilanzdefizite auf, was sie stark abhängig von Kapitalimporten macht. Unter dem Eindruck der Finanzkrise fließen diese Mittel aber keineswegs mehr selbstverständlich. Ein Spiegel dieses Problems ist der Hilferuf mehrerer Staaten Mittel- und Osteuropas nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Ländern wie Ungarn oder die Ukraine bereits mit frischem Kapital kräftig unter die Arme gegriffen hat.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs sieht speziell die aufstrebenden Länder Asiens vor einem schwierigen Jahr 2009. Für die gesamte asiatische Region (ohne Japan) gehen die Experten von einem Wachstum von nur noch 4,4 Prozent aus, nach 6,9 Prozent 2008 und 9,4 Prozent 2007. Trotzdem sehen die Experten einen Hoffnungsschimmer: Ende 2009 und im Jahresverlauf 2010 sollte sich die Lage in Asiens Wachstumsregionen wieder leicht stabilisieren. Viel hänge allerdings von der wirtschaftlichen Entwicklung in China und der Reaktion der regionalen Regierungen auf die Wachstumskrise ab. Ohne schnelle und wirksame fiskalische wie geldpolitische Impulse könnte das Wachstum Asiens hingegen noch länger vor sich hin dümpeln, warnen die Ökonomen.

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