Schwere Explosion zerstört Hotel in Bagdad – Irakischer Regierungsrat bittet um Rückkehr der Uno
Zweifel an pünktlicher Machtübergabe im Irak wachsen

Unmittelbar vor dem Jahrestag des Kriegsbeginns hat US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Termin für die Machtübergabe im Irak in Frage gestellt. „Jeder, einschließlich des irakischen Regierenden Rates, hat sich den 30. Juni zum Ziel gesetzt“, sagte Rumsfeld dem britischen Sender BBC. „Und glaube ich, dass das geschehen wird? Ja, es gibt eine Chance, dass das geschieht. Wird es mit Sicherheit geschehen? Wer weiß“, sagte Rumsfeld. Dagegen besteht das US-Außenministerium darauf, dass die US-geführte Übergangsregierung Ende Juni die Macht übergibt.

HB BAGDAD/WASHINGTON. Ob der geplante Termin eingehalten werden kann, wird nicht zuletzt auch von der Sicherheitslage abhängen. Gestern Abend starben bei der Explosion eines Hotels in der Innenstadt von Bagdad mindestens 30 Menschen. Mehr als 40 weitere wurden nach US-Militärangaben verletzt. Ob die Explosion durch eine Autobombe oder einen Raketeneinschlag ausgelöst wurde, war zunächst unklar.

Rettungskräfte suchten in den Trümmern des Hotels „Jabal Lebanon weiter nach Opfern. Nach Angaben von Anwohnern hatten in dem fünfstöckigen Gebäude Amerikaner, Briten, Ägypter und andere Ausländer Quartier bezogen. Die Explosion riss einen riesigen Krater in den Boden, fünf umstehende Gebäude im Stadtviertel Karrada wurden schwer beschädigt. Die Flammen griffen auch auf Nachbarhäuser über, mehrere Autos standen in Brand. Die Wucht der Detonation versprengte Teile von Möbeln und Klimaanlagen sowie Mauerstücke in einem Umkreis von mehreren hundert Metern.

Vor dem Anschlag hatte der irakische Verwaltungsrat die Vereinten Nationen um eine Rückkehr ins Land und um Hilfe bei der Bildung einer Übergangsregierung gebeten. Die Uno sollte dazu ein Expertenteam in den Irak entsenden, erklärte ein Sprecher. Das Gremium habe die Vereinten Nationen weiter um technische Unterstützung zur Vorbereitung allgemeiner Wahlen gebeten, die bis Ende Januar 2005 stattfinden sollen.

Das Ersuchen ist in einem Schreiben des Präsidenten des Verwaltungsrates, Mohammed Bahr el Ullum, an Uno-Generalsekretär Kofi Annan enthalten, wie Sprecher Hamid el Kafaai der Nachrichtenagentur AP sagte. Innerhalb des Verwaltungsrates herrschen aber offenbar Vorbehalte gegen eine Rückkehr des Uno-Gesandten Lakhdar Brahimi in den Irak. Viele Schiiten seien nicht glücklich über dessen Einschätzung, dass Wahlen nicht vor der geplanten Machtübergabe zum 30. Juni machbar seien, erklärte El Ullums Stellvertreter Sami el Askari. Die Vereinten Nationen hatten sich nach dem Bombenanschlag auf ihr Hauptquartier in Bagdad im August vorigen Jahres aus Sicherheitsgründen aus dem Irak zurückgezogen. Damals waren 23 Menschen getötet worden, darunter der Uno-Gesandte Sergio Vieira de Mello.

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