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Schwere Explosionen: Israel bombardiert Ziele im Großraum Damaskus

Israel hat bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage Ziele in Syrien aus der Luft bombardiert. Der neueste Angriff galt angeblich einer Raketenlieferung aus dem Iran. Die Angst vor Vergeltung wächst.

Beirut/Tel Aviv/New YorkIsrael hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage das Nachbarland Syrien angegriffen. Die Hauptstadt Damaskus wurde am frühen Sonntagmorgen stundenlang von schweren Explosionen erschüttert. Aus westlichen Geheimdienstkreisen verlautete, der Angriff habe einer Raketenlieferung aus dem Iran an die islamistische Hisbollah gegolten. Bereits am Freitag gab es einen ähnlichen Luftangriff. Die Regierung in Jerusalem ist besorgt, dass Präzisionsraketen in die Hände von Hisbollah-Kämpfern gelangen könnten, die damit den Großraum Tel Aviv treffen könnten. Bereits vor sieben Jahren hatte der jüdische Staat einen Krieg gegen die Hisbollah im Libanon geführt.

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Die syrische Regierung erklärte, es sei ihre Pflicht, das Land mit allen Mitteln gegen Bedrohungen von innen und außen zu verteidigen. Der israelische Angriff öffne die „Tür zu allen Möglichkeiten“. Nach Darstellung des amtlichen syrischen Fernsehens gab es bei einem Angriff auf ein militärisches Forschungszentrum in Dschamraja viele zivile Opfer und große Zerstörungen.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

  • 15. März 2011:

    Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

  • 18. März:

    Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

  • 23. Juni:

    Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

  • 31. Juli:

    Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

  • 3. August:

    Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

  • 2. Oktober:

    Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

  • 22. Dezember:

    Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

  • 23. Dezember:

    In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

  • 4. Februar 2012:

    Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

  • 13. Februar:

    Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

  • 25. Februar:

    In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

    27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

  • 25. Mai:

    Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

  • 13. Juli:

    Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

  • 18. Juli:

    Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

  • 2. August:

    UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

  • 16. August:

    Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

  • 24. Oktober:

    Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

  • 11. November:

    Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

  • 6. Januar 2013:

    Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

  • 28. Januar:

    Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

  • 21. Februar:

    In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

  • 28. Februar:

    Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

  • 3. März:

    Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

  • 5. März:

    Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

  • 9. März:

    Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Anwohner berichteten, rund um die Hauptstadt habe es über Stunden Explosionen gegeben. „Die Nacht wurde zum Tag“, sagte ein Mann. Auch in der Stadt Kura al-Assad, wo viele Regierungsmitarbeiter leben, gab es einem Zeugen zufolge Explosionen. Der Ort liegt etwa fünf Kilometer westlich von Dschamraja. In Damaskus selbst gingen die Bewohner zunächst von einem Erdbeben aus. Die Hauptstadt wurde von Explosionen hellerleuchtet. Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana wurde auch der Luftwaffenstützpunkt Dimas angegriffen.

Wie aus den westlichen Geheimdienstkreisen verlautete, waren iranische Raketen vom Typ „Fateh 110“ für die libanesische Hisbollah das Ziel. Die Islamische Republik ist ein Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad, der seit mehr als zwei Jahren gegen einen Aufstand im Land kämpft. Die meisten Rebellen sind Sunniten, während Assads Volksgruppe der Alawiten dem im Iran vorherrschenden schiitischen Glauben nahestehen.

Israel hat am Sonntag aus Furcht vor Vergeltung den Luftraum im Norden des Landes für zivile Flugzeuge gesperrt. Das berichtete der israelische Rundfunk. Die israelische Fluggesellschaft Arkia kündigte an, alle Flüge aus der nördlichen Hafenstadt Haifa nach Eilat am Roten Meer im Süden des Landes auszusetzen. Eine israelische Militärsprecherin wollte dazu keine näheren Details geben und verwies lediglich auf die Zusammenarbeit zwischen der Zivilluftfahrt, der Luftwaffe und der Flughafenbehörde in Israel bei der Lagebeurteilung.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat besorgt auf Berichte über israelische Luftangriffe auf Ziele in Syrien reagiert. „Die Vereinten Nationen kennen keine Einzelheiten der berichteten Ereignisse und können auch nicht unabhängig überprüfen, was passiert ist“, sagte Ban am Sonntag in New York laut Mitteilung. Er rief alle Seiten zu höchstmöglicher Ruhe und Zurückhaltung auf, um eine Eskalation des bereits jetzt „verheerenden und sehr gefährlichen“ Konflikts zu verhindern.
Israel und Syrien sind zwar verfeindet. Nach einem Krieg vor 40 Jahren ist es an der gemeinsamen Grenze aber vergleichsweise ruhig geblieben. Dagegen kämpften die israelischen Streitkräfte vor sieben Jahren mehr als einen Monat lang in einem Krieg gegen die Hisbollah im Libanon.

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