Schwere Vorwürfe
US-Soldaten wird weiterer Mord angelastet

Die Mordvorwürfe gegen US-Soldaten im Irak mehren sich. Nach den mutmaßlichen Massakern in Haditha und Ischaki, bei denen auch Frauen und Kinder umgekommen sind, sollen Marines nun einen Mann erschossen haben. Die Soldaten töteten nach bisherigen Erkenntnissen aus Frust.

HB WASHINGTON. Nach Ermittlungen der amerikanischen Militärbehörden sollen Soldaten in Hamdanija unweit von Mossul am 26. April einen Mann gezielt getötet und die Szene dann so hergerichtet haben, als habe es sich um einen Aufständischen gehandelt. Die Ermittlungen sollen sich auf sieben Marineinfanteristen und einen Sanitäter der Marine erstrecken.

Ein ranghoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums erläuterte am Dienstag in Washington die Theorie der Ermittler zum Vorfall in Hamdanija. Demnach drang eine kleine Gruppe von Marineinfanteristen auf der Suche nach einem mutmaßlichen Aufständischen in die nordirakische Stadt ein. Weil sie den Verdächtigen nicht gefunden hätten, hätten die Soldaten schließlich einen unbewaffneten Zivilisten aus seinem Haus gezerrt und erschossen. Dann hätten sie ein Sturmgewehr vom Typ AK-47 sowie eine Schaufel neben die Leiche gelegt.

Dem Informanten zufolge wollten sie damit den Eindruck erwecken, der Mann habe am Straßenrand gerade ein Loch zur Deponierung eines Sprengsatzes gegraben und sei dann bei einem Schusswechsel mit den Soldaten getötet worden.

Der Senat ist derzeit mit einem anderen Tötungsfall beschäftigt. Die Kammer erklärte, sie wolle schon bald mit Anhörungen zum mutmaßlichen Massaker in Haditha westlich von Bagdad beginnen. Sowohl Demokraten als auch Republikaner im Streitkräfte-Ausschuss riefen die Militärbehörden auf, ihre eigenen Ermittlungen schnellstmöglich abzuschließen.

Militärermittlern zufolge sollen US-Marine-Infanteristen am 19. November 24 Zivilisten – darunter Frauen und Kinder – in der Stadt Haditha erschossen und diesen Vorfall später vertuscht haben. Angeblich töteten die Soldaten die Menschen aus Rache dafür, dass ein Kamerad bei einem Anschlag in nächster Nähe getötet wurde. Brisant ist der Fall Haditha für die US-Regierung auch deswegen, weil Präsident Bush die Öffentlichkeit monatelang nicht über die Vorwürfe gegen Soldaten informierte.

In Ischaki nördlich von Bagdad sollen Soldaten im März eine elfköpfige Familie regelrecht hingerichtet haben. Dem US-Militär wird vorgeworfen, fünf Kinder und sechs Erwachsene exekutiert und dann das Verbrechen durch einen Luftangriff vertuscht zu haben. Dem US-Militär zufolge ergab eine Untersuchung des Vorfalls aber kein Fehlverhalten der Soldaten. Die irakische Regierung sieht das anders und fordert wie im Fall Haditha Aufklärung.

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