Schwerer Bombenanschlag erschüttert Kabul
Taliban verschärfen Terror vor Afghanistans erster freier Wahl

Bei einem verheerenden Bombenanschlag der Taliban auf eine US-Einrichtung in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Sonntag zahlreiche Menschen getötet oder verletzt worden. Der arabische Nachrichtensenders El Dschasira berichtete von rund 20 Toten und Verletzten.

HB KABUL. Nach Angaben des US-Senders CNN sind unter den Toten auch vier US-Bürger. Die US-Botschaft teilte mit, es seien „Amerikaner, Afghanen und andere Ausländer“ getötet worden. Ein Mitarbeiter des Innenministeriums in Kabul sprach von mehr als zehn Opfern. Augenzeugen sagten, die Autobombe sei vor einem von amerikanischen Polizeiausbildern genutzten Haus explodiert. Der Anschlag sechs Wochen vor der ersten freien Präsidentenwahl ist einer der schwersten in Kabul seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Ihr Sprecher Mufti Abdul Latif Hakimi sagte, ein Selbstmordattentäter habe sich in einem Fahrzeug in die Luft gesprengt. Die Bombe sei gegen Amerikaner gerichtet gewesen. Ein dpa-Reporter sah zerstörte US-Autos und das zerstörte Fahrzeug, in dem offenbar die Bombe war. Die Wucht der Detonation brachte Mauern zum Einsturz und entwurzelte Bäume. Das Einsatzführungskommando in Potsdam teilte auf Anfrage mit, unter den Opfern seien keine deutschen Soldaten.

Außenminister Joschka Fischer verurteilte den Anschlag und forderte eine „unnachsichtige“ Bestrafung der Urheber. Die Anschläge richteten sich gegen die Interessen des afghanischen Volkes sowie das internationale Engagement für den Wiederaufbau des Landes, sagte er am Rande seiner Gespräche in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Die Taliban haben vor der Wahl am 9. Oktober mit massiven Anschlägen in Kabul gedroht. Ein Sprecher der Rebellen hatte gesagt, Ziele seien alle Unterstützer von Präsident Hamid Karsai, der als Kandidat der USA gilt.

Am Samstagabend waren in der südostafghanischen Provinz Paktia bei einem Bombenanschlag nahe einer Schule vier Kinder, fünf Jugendliche und ein Erwachsener getötet worden. Provinzgouverneur Asadullah Wafa sagte, bei dem Sprengsatz habe es sich um eine Mine gehandelt. Für den Anschlag seien „die Feinde des afghanischen Volkes“ verantwortlich. Die Taliban wiesen jede Verantwortung zurück. Hakimi sagte: „Die Taliban greifen niemals Kinder an.“

In der Vergangenheit haben die radikalislamischen Taliban mehrfach Schulen niedergebrannt oder Schüler und Lehrer bedroht. Unter den Taliban war Mädchen der Schulbesuch verboten. Im Süden und Südosten Afghanistans kommt es immer wieder zu Angriffen der Taliban. Bei einem den Taliban zugeschriebenen Anschlag im südafghanischen Kandahar waren Anfang Januar sechs Kinder unter den zehn Todesopfern.

In der südafghanischen Provinz Zabul töteten US-Spezialkräfte und afghanische Soldaten unterdessen bei einem einstündigen Feuergefecht einen Rebellenführer. Rozi Khan soll unter anderem für Entführungen von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen und für zahlreiche Angriffe auf Koalitionstruppen verantwortlich sein, wie die US-Streitkräfte am Sonntag mitteilten. „Khan stellte eine ernste Bedrohung für die Sicherheit Afghanistans dar.“ Bei den Kämpfen seien 22 Rebellen gefangen genommen worden.

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