„Schwerwiegende Bedenken“ Drohende Irland-Pleite alarmiert EZB-Präsident Trichet

Die Irland-Krise sorgt für große Unruhe in den europäischen Führungsgremien und in den Partnerländern des Inselstaats. Unter dem Eindruck einer drohenden Pleite mahnte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eindringlich eine umfassende Reform und Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspakts an. Die Bundesregierung beharrt darauf, dass Investoren am Risiko von Staatsanleihen beteiligt werden, die nach 2013 ausgegeben werden.
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Besorgt wegen Irland-Krise: EZB-Chef Trichet. Quelle: Reuters

Besorgt wegen Irland-Krise: EZB-Chef Trichet.

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HB FRANKFURT. Jean-Claude Trichet fand deutliche Worte: Zum ersten Mal seit 2005, als die Schulden- und Defizitregeln unter Führung Deutschlands und Frankreichs von den Mitgliedsstaaten der Währungsunion aufgeweicht wurden, sagte er, die EZB habe "schwerwiegende Bedenken", dass die vorgeschlagenen Reformen des Stabilitätspaktes nicht weit genug gehen. "Ich sende diese Botschaft so ernsthaft heute, wie ich es damals tat, als ich im Auftrag des EZB-Rats sagte, es bestünden gravierende Bedenken", sagte der EZB-Präsident am Donnerstag auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Die Zentralbank hat nach der Beinahepleite Griechenlands im Frühjahr eine umfassende Reform der Maastricht-Regeln und die Einführung quasi-automatischer Sanktionen für Defizitsünder gefordert. Deutschland und Frankreich hatten diese auch von einer hochrangigen Arbeitsgruppe aufgegriffenen Forderungen zuletzt aber wieder verwässert. "Wir haben immer gefordert und dies auch weiter, dass es eines Quantensprungs bedarf", sagte Trichet.

Die Bundesregierung und Regierungsfraktionen beharren derweil darauf, dass Investoren am Risiko von Staatsanleihen beteiligt werden, die nach 2013 ausgegeben werden. "Wir sind in Bundesregierung absolut überzeugt, dass in einem zukünftigen ... Mechanimus auch die Gläubiger mit an den Kosten beteiligt werden müssen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag auf dem Versicherungstag 2010 in Berlin mit Blick auf den angestrebten dauerhaften Euro-Rettungsschutzschirm ab 2013. "Es kann nicht sein, dass man im Umgang mit Staaten Risiken immer vergemeinschaften kann und nicht auch ein Stück mitträgt", betonte die Kanzlerin.

Bis 2013 sei der Euro durch den bestehenden Rettungsmechanismus geschützt, den Euro-Staaten in Not nutzen könnten, sagte Merkel in Anspielung auf Irland. Es sei aber wichtig, diese drei Jahre für Reformen zu nutzen. "Deshalb ist es richtig, jetzt die Bedingungen klarzumachen, damit keine Unsicherheit an den Märkten aufkommt", sagte sie mit Blick auf die Kritik einiger EU-Partner, Deutschland verschärfe mit seiner Forderung nur die Unsicherheit an den Märkten. "Die Strenge ist notwendig, weil wir sonst auf Sand bauen" und das die Stabilität der Gemeinschaftswährung gefährden würde, verteidigte Merkel ihre Haltung.

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5 Kommentare zu "„Schwerwiegende Bedenken“: Drohende Irland-Pleite alarmiert EZB-Präsident Trichet"

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  • Ausgerechnet Trichet, der EZb-Hauptaufkäufer fauler EU-Anleihen (für irland hat er schon gut ein Fünftel seiner Etat-Mittel verbuttert), mahnt eine Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspakts an, den er, wie die gesamte EU und deren metastasierende bürokratie, auf die skrupelloseste Weise gebrochen hat. Der von ihm geforderte Reform-"Quantensprung" wird darin bestehen, daß die anderen EU-Staaten 'solidarisch' sind und Deutschland zahlt. So haben wir bürger uns das nicht gedacht.

    Wenn Merkel und die Regierungsfraktionen jetzt darauf "beharren", investoren nach 2013 am Risiko von Staatsanleihen zu "beteiligen", ist auch das immer noch zu kurz gegriffen. im Klartext heißt das doch: Das unternehmerische Risiko, sonst von Kapitaleignern und Kapitalgebern getragen, wird auch in Zukunft überwiegend auf den Steuerzahler abgewälzt werden. Das ist Ökonomie und Unternehmertum zu Lasten Dritter (der bürger), die keinerlei Einfluß auf die Geschäfte haben für die sie haften müssen - ein absolutes Unding und nur in ökonomisch abartigen und unverantwortlich gewordenen Wirtschaftssystemen möglich, wie wir sie von den Kommunisten kennen.

    Dieses EU-System wird wie der Kommunismus keine Zukunft haben können. Schlimm, daß sein unausweichlicher Zusammenbruch alle EU-bürger immens schädigen wird; Chaos, Anarchie und große Not gar nicht miteingerechnet.

    Das verdanken wir alles den EU- und Euro-Visionären. Vor allem unseren deutschen Regierungen, die ein hirnkrankes Projekt bis zum bitteren Ende weiterbetreiben werden.

  • iKb - SachsenLb - WestLb - LbbW - HSH - bayernLb - Commerzbank - Dresdner bank - HRE - Deutsche bank -
    Allianz Konzern - Münchener Rück - - - - - - - - - -- Vor Scapa Flow versenken - - - - - - - -

  • EiGENTOR TRiCHET´s ZUM QUANTENSPRUNG
    Entdeckung fundamentaler Widersprüche übertragen auf die Quantenphysik a la Trichet:
    (Def.) Physikalische- (Finanz-)Systeme dürfen nur diskrete Zustände annehmen, Zwischenzustände sind nicht erlaubt, muß der Wechsel eines solchen Systems von einem Zustand in einen anderen instanten erfolgen, wobei ein Energiequant (Finanzquant) emittiert oder absorbiert wird.
    DAS iST NÄMLiCH DER QUANTENSPRUNG !
    Aber wahrscheinlich meinte Trichet die Heisenbergsche UNSCHÄRFERELATiON, die besagt, daß Energie (Kredit) und Zeit (Zahlungsziel) nicht gleichzeitig genau gemessen werden können.
    [1]Peter
    Gebe ihnen recht. Tue mich bisweilen auch etwas schwer mit Ökonomen. Aber mit Ganoven, da tun wir uns doch wohl nicht schwer, nicht wahr?
    Wenn Giovanni Etzetbe und benito Zentralobanco miteinander ausmachten, sich im gleichen Wert gedrucktes Geld und Staatsanleihenpapier auszutauschen, was hätten wohl beide?
    P A P i E R
    und die Zeit totgeschlagen.
    Hinter den hier ausgetauschten Werten stehen jedoch Ersparnisse unbescholtener europäischer bürger und noch viel wichtiger Friedensinteressen in ganz Europa.

  • Es betrifft wieder einmal die banken, die sich verspekuliert haben. Man sollte die banken abwickeln bzw. in Konkurs gehen lassen. Die Einlagen/Sparguthaben der Menschen sollte der Staat retten bzw. für sie garantieren. Leider ist es umgekehrt. bei der Lehmann brothers Pleite rettete der Staat die banken. Privatleute, die Zertifikate von Lehmann besaßen, verloren ihr Geld. Dafür trat der Staat nicht ein. Tolle Gerechtigkeit. Die zockenden banker müssen endlich für ihre Zockerei haften. Diese banken sollen Pleite gehen. Die zockenden banker solle für ihr Unheil, das sie angrichtet haben, gerade stehen und arbeitslos werden. Dann gibt es auch keine fette boni oder Abfindung. Das wäre für die Zukunft Manhnung an alle Zocker. Aber so können sie ihr Spiel ungehindert weiter treiben. Der Steuerzahler haftet ja und löffelt die Suppe aus.

    Für HRE 140 Milliarden, zig-Milliarden zur Rettung von Griechenland, wieder Abermilliarden für irland. Für die kleinen Leute ist kein Cent da seitens der Regierungen, aber für die Zocker ist keine Milliarde zu schade. Und natürlich profitiern wir Deutschen am meisten von der EU. Dafür arbeiten wir ja auch künftig bis 67, während Arbeitnehmer in anderen EU-Ländern viel früher in Rente gehen. So soll in Frankreich nun bis 62 Jahre gearbeitet werden. Was wir Deutschen erwirtschaften, durch jahrelangen Lohnverzicht, längere Arbeitszeiten etc. zahlen wir für marode Länder.

    Tolle Sache, die EU.

  • Gar zu gern hätte ich einmal zu folgender Frage Klartext:
    Auf befürchtungen, der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZb führe zu einer inflationären Geldentwertung, antworten diverse Ökonomen gern, dass sie derzeit eher die Gefahr einer Deflation sähen, weil die ausgegebenen Milliarden bei den banken verharren und nicht in den Wirtschaftskreislauf gelangen würden. Wenn diese Ökonomen zu ihrem Wort stehen, warum empfehlen sie dann nicht, die EZb möge diese ganzen Euro-Staatsanleihen einfach aufkaufen? Könnte doch gar nichts passieren, oder? Wo ist das Problem?

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