Edinburgh und das Schotten-Referendum
„Wie am D-Day im Sommer 1944“

Das „No“-Lager gewinnt knapp: Die Schotten haben eine historische Entscheidung getroffen. Psychologen stellen sich nun darauf ein, Familien zu helfen, in denen die Unabhängigkeitsfrage tiefe Gräben hinterlassen hat.
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EdinburghSeine Stimme zittert, die Hand ebenfalls, die sich am Arm seiner Enkelin festhält. „Ich bin schon zu alt, um unter den Folgen einer falschen Entscheidung zu leiden“, sagt Joseph Greene, „aber ich muss verhindern, dass diese Sache den jüngeren Generationen zum Verhängnis wird, weil sie zu naiv waren und Politikerversprechen zu ernst genommen haben.“ 85 ist der Rentner aus Edinburgh vor einigen Monaten geworden. „Ich wollte eigentlich nie wieder wählen gehen.“ Doch er hat es sich anders überlegt: „Es steht einfach zu viel auf dem Spiel.“

Am Donnerstag war Greene daher unter den gut vier Millionen Schotten, die über die Zukunft ihres Landes entschieden haben. Soll es weiterhin wie in den vergangenen 307 Jahren Teil des Vereinigten Königreichs sein oder soll es eigenständig werden?

Vor zwei Jahren haben sich Großbritanniens Premierminister David Cameron und Alex Salmond, Chef der schottischen Nationalpartei (SNP) auf das Referendum geeinigt. Lange Zeit sah es so aus, als ob das Lager derer, die den Status Quo wollen, locker gewinnen würde. Erst vor etwa drei Wochen deuteten Umfragen an, dass die Stimmung sich gedreht hat. Es wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Londoner Zentralregierung reagierte hektisch und nervös. Spitzenpolitiker aus London reisten nach Schottland, warnten vor „schmerzhaften Entscheidungen“ und sicherten der Nation weitere Machtbefugnisse zu.

Ökonomen, Investoren und Unternehmer appellierten an die Vernunft der Schotten und nahmen die Schwachstellen in Salmonds Plänen von einem eigenständigen Schottland haarklein auseinander. Und Künstler und Sportler baten inständig: „Es gibt mehr, was uns verbindet, als das, was uns trennt. Let's stay together.“

All das hat seine Wirkung nicht verfehlt: Nur einzelne Bezirke Schottlands haben für eine Abspaltung von Großbritannien gestimmt. Damit steht am Morgen fest: Die Unabhängigkeitsbewegung hat verloren, Schottland bleibt Großbritannien treu.

Doch die Befürworter eines neuen Staates hatten sich bis zuletzt nicht entmutigen lassen: Von morgens früh bis zur Schließung der Wahllokale um 22 Uhr war Ronda Davis auf den Beinen. Die 50-Jährige holte Wähler, die es allein nicht geschafft hätten, mit ihrem Auto ab und fuhr sie zum Wahllokal. Ihrem Mann, der an einem Informationsstand die Stellung hielt, brachte sie zwischendurch Essen und neue Flugzettel. Dann löste sie ihren Sohn ab, der mit einem blauem mit „Yes“-Aufklebern beklebten Auto durch Edinburgh fuhr, aus dem es „Vote Yes“ herausschallte.

Kommentare zu " Edinburgh und das Schotten-Referendum: „Wie am D-Day im Sommer 1944“"

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  • Ich denke auch, dass insbesondere Brüssel zu dem vielen Unmut in Europa führt.
    Ein Weiter so wird es nicht gehen.
    Wir sehen es bei den Wahlen, z. B. in Schweden.
    Und das hat ales nichts mit Nationalismus zu tun, die Völker, die Länder haben nur das Gutmenschentum und die Gängelei satt
    Dieese Abstimmung in Schotland sollte für Brüssel und die rabiaten Gutmenschen in den einzelnen Ländern, eine Warnung sein und es sollte als Warnung verstnden werden, das wäre gut

  • Die Mediendemokratie hat mal wieder gesiegt ... diesmal die Meinung von BBC und Sky.

  • Europa hatte, wie es scheint, den Atem angehalten.
    Aber noch feiern die Sezessionisten andere Sektierer in der EU.
    The party is not over, it just did start.
    Mal sehn, wie Brüssel damit umgehen wird: denn auch in Brüssel könnte sich ein "weiter so" als gefährlicher Trugschluss erweisen.

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