„Ja“ oder „Nein“
„Eine der schwersten Entscheidungen“

Seit wenigen Stunden sind die Wahllokale geschlossen, die Auszählung läuft auf Hochtouren. Unsere Großbritannien-Korrespondentin war während der Abstimmung in Edinburgh. Ein Stimmungsbericht.
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EdinburghDie Stimme lässt langsam nach, die Begeisterung ebenfalls – mit der Ron McPaltrin seine Argumente für Schottlands Unabhängigkeit erläutert: „Ich bin seit sechs Uhr früh auf den Beinen und damit seit mehr als zwölf Stunden, und auch die Nächte davor waren etwas kurz“, entschuldigt sich der Mittvierziger. Mit drei anderen Mitstreitern steht er im Norden von Edinburgh an einem Tisch, der mit blauen „Yes“-Ansteckern und Flugblättern übersät ist und versucht noch die letzten Unentschieden zu überzeugen: „Ihr werdet es nicht bereuen“, redet er auf einen jüngeren Mann und seine Freundin ein, „wenn endlich die Regierung, die uns näher ist, alle Entscheidung trifft, kann es nur besser werden.“

Seit 22 Uhr Ortszeit (23 Uhr MESZ) haben die Wahllokale geschlossen. Letzten Schätzungen zufolge nahmen rund 80 Prozent der 4.285.000 Wahlberechtigten an dem Referendum teil, bei der sie die Wahl hatten zwischen „Ja“ und „Nein“ auf die Frage: „Soll Schottland ein unabhängiger Staat werden?“. 97 Prozent der Wahlberechtigten haben sich im Vorfeld registrieren lassen.

Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale begann in den 32 regionalen Auszählungszentren die Auswertung der Stimmen. Das Endergebnis wird für Freitagmorgen erwartet.

Eine Umfrage nach dem Referendum sieht die Gegner der Abspaltung. 54 Prozent der Befragten sagten dem Meinungsforschungsinstitut YouGov, sie hätten mit „No“ gestimmt auf die Frage, ob Schottland unabhängig werden solle. 46 Prozent stimmten demnach dafür, dass das Land das Vereinigte Königreich verlassen soll.

YouGov befragte mehr als 1828 Wähler nach der Stimmabgabe sowie 800 Briefwähler. Es sei aber keine traditionelle Wahltagsbefragung, betonte das Institut am Donnerstagabend. In der letzten YouGov-Umfrage vor der Abstimmung hatten die Gegner der Unabhängigkeit sechs Prozentpunkte Vorsprung gehabt.

Hier im Norden Edinburghs, in der Nähe des Hafens, ist der größte Andrang schon länger vorbei. Es sind deutlich größere Trauben vor den Pubs als vor den Wahllokalen. Nur ab und zu kommt noch jemand angehetzt – so wie Esther, eine 30-Jährige Kellnerin. Ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen und auch nicht darüber sprechen, wie sie abstimmen wird. Nur soviel: „Ich hab wirklich lange darüber nachgedacht und immer wieder hin- und herüberlegt.“ Eine Entscheidung habe sie streng genommen erst vor wenigen Stunden getroffen. Und es sei die „wohl schwerste Entscheidung ihres Lebens“ gewesen.

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  • Das Referendum ist gescheitert
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    Schottland wird bei Großbritannien bleiben.
    Es haben sich nur 44% für ein Yes entschieden.
    Somit bleibt Schottland auch weiterhin unter der Knute Londons.
    Das ist schade.

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