Kommentar
Britannien muss sich ändern

Das Votum gegen die Unabhängigkeit Schottlands fällt deutlicher aus als erwartet – zum Glück. Trotzdem markiert das Referendum einen Wendepunkt. Großbritannien ist nicht mehr das, was es vorher war.
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Mit 55 Prozent gegen die Unabhängigkeit ist das Referendum in Schottland etwas deutlicher ausgefallen als nach den Umfragen zu erwarten war. Das ist gut so. Denn je enger es geworden wäre, desto größer die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft. Seit vor drei Jahren der britische Premierminister David Cameron das Referendum ankündigte, befindet sich Schottland im Dauer-Wahlkampf. Die Frage, ob Yes oder No spaltete so manche Familien und Freundschaft.

Auch wenn das Votum ein recht klares Nein ist, bedeutet das nicht, dass es jetzt so weiter geht wie bisher. Im Angesicht einer drohenden Abspaltung haben die Chefs der großen Parteien im Londoner Parlament den Schotten maximale Autonomie versprochen. Nun müssen sie liefern, sonst könnte bald schon die Forderung nach einem neuen Referendum sehr laut werden.

Das bedeutet: Schottland braucht zum Beispiel weitgehende Autonomie über seine Steuern. Sein Parlament wird viel mehr entscheiden dürfen. Im Umkehrschluss könnte auch England ein eigenes Parlament mit weitreichenden Kompetenzen bekommen.

Am Ende könnte das Land davon profitieren. Der Grund weshalb sich in Schottland so viele Menschen ein eigenes Land wünschen, aber in Bayern nicht, liegt vor allem am Föderalismus. Die Bayern können seit jeher viele Dinge selbst entscheiden.

Sie haben andere Präferenzen als der Rest von Deutschland, wenn es um Kruzifixe oder Ladenöffnungszeiten geht. Deshalb macht es zufriedener, wer dies selbst entscheiden können. Auch wirtschaftlich ist dies sinnvoll, weil eine Regionalregierung stärker die Bedürfnisse der heimischen Unternehmen berücksichtigt.

Ein föderales Großbritannien könnte deshalb ein Segen sein. Auch in der kanadischen Provinz Quebec gab es vor einigen Jahren ein Unabhängigkeitsreferendum. Das Ergebnis war noch viel knapper als heute in Schottland. Heute sprechen dort aber nur noch wenige über den Wunsch nach einem eigenen Staat. Wenn das schottische Parlament jetzt mehr Kompetenzen bekommt, könnte sich das Thema dort auch bald von selbst erledigen.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Kommentar: Britannien muss sich ändern"

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  • Schottland wird hoffentlich nicht nur GB geändert haben.
    Cameron ist mit einem blauen Auge davongekommen.

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