Referendum in Schottland
Die schottischen Engländer

Fast 500.000 Engländer leben in Schottland - auch sie dürfen ihre Stimme beim Referendum abgeben. Die meisten von ihnen werden gegen die Unabhängigkeit stimmen – doch längst nicht alle.
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EdinburghDick Rodgers hat in Edinburgh keinen leichten Stand. Der Arzt aus Birmingham hat sich ein Plakat umgeschnallt und wirbt auf der belebten North Bridge für den Zusammenhalt Großbritanniens. „Don’t go! The world needs Britain“, steht auf dem Plakat. Und: „Britain needs the Scots“ Auf Deutsch: „Geht nicht! The Welt braucht Britannien. Britannien braucht die Schotten.“ Ein Schotte mittleren Alters bleibt stehen und diskutiert mit Rodgers. „Es tut mir leid, ich werde mit Ja stimmen. Aber es ist großartig, dass du hier bist.“

Rodgers lebt nicht in Schottland. Er hat sich extra freigenommen, um für den Wahlkampf in den Norden zu fahren. Am Sonntag hat er den Nachtbus nach Edinburgh genommen und bleibt für zwei Tage. Zu seiner Motivation sagt er: „Großbritannien darf seine Rolle in der Welt nicht verlieren.“ Das Vereinigte Königreich habe viel Gutes bewirkt und werde gebraucht. „Wir müssen Antworten auf die globale Armut, die Aggressivität Chinas und Russland und auf den Islamismus finden.“ Wenn es nach ihm geht, soll Großbritannien in der EU bleiben. Und dort eine starke Rolle spielen. Nur ein vereinigtes Britannien könne ein Gegenmodell zum amerikanischen Korporatismus sein.

In Schottland leben laut Zensus 2011 etwa 480.000 Engländer. Das entspricht neun Prozent der Bevölkerung. Auch sie dürfen über die Unabhängigkeit abstimmen. Die Mehrheit von ihnen wird vermutlich mit Nein stimmen. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Ian Futter zum Beispiel. Der Lehrer aus Aberdeen ist in England geboren und aufgewachsen. 1982 zog er nach Schottland. Dort ist er zum glühenden Befürworter der Unabhängigkeit geworden. Zum einen, weil er nicht mit der Politik aus London übereinstimmt. Sie ist ihm zu weit rechts. Selbst die Labour-Regierung unter Tony Blair habe sich sehr weit von linken Positionen entfernt, um in die Regierung zu kommen, klagt er.

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  • Kleinbritannien
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    Fast 500.000 Engländer leben in Schottland - auch sie dürfen ihre Stimme beim Referendum abgeben. Die meisten von ihnen werden gegen die Unabhängigkeit stimmen – doch längst nicht alle.

    Natürlich werden die britischen Schotten gegen die Unabhängigkeit stimmen. Sie würden ja ein Drittel ihrer Landfläche verlieren.
    Und zwei Drittel der Öl- und Gasvorkommen liegen im schottischen Hoheitsgebiet. Bisher gingen die Gewinne nach London, Nach der Unabhängigkeit würden sie in Schottland bleiben.
    Deshalb hat "Kleinbritannien" in den Panikmodus geschaltet und droht mit der Abwanderung von Banken, den Entzug des Pfundes und dem Veto bei einen Beitritt zur EU.

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