Schottland bleibt in Grossbritannien
London bezahlt die Zeche

Schottlands Entscheidung ist eine demokratische Revolte – die Wirkung setzt sofort ein: Der britische Premier Cameron beginnt schon mit den Umbauarbeiten des Vereinigten Königreichs. Ihm bleibt nichts anderes übrig.
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LondonDer britische Premier David Cameron durfte aufatmen – aber nur kurz. Um sieben Uhr Ortszeit stand er in der Downing Street und nahm, nach Tagen des Zittern um das Vereinigte Königreich, das Staatsruder wieder fest in die Hand. Das Großbritannien, das wir kennen, bleibt noch eine Weile erhalten. Das Referendum mit seiner beeindruckenden Wahlbeteiligung, laut Cameron als „machtvolle Demonstration der Stärke und Vitalität unserer alten Demokratie“ – wurde von Briten und Schotten gewonnen - aber mit seiner realen Gefahr einer Abspaltung zeigte der Prozess auch, auf welch zerbrechlichen Füßen der einstige Koloss Großbritannien steht.

Schottland hat die angebotene Unabhängigkeit und Abspaltung vom Vereinigten Königreich entschiedener abgewiesen, als man nach der von der lautstarken Ja Seite überdröhnten Wahlkampf erwarten konnte. Eine stille Mehrheit von 55 Prozent ließ sich von den Luftschlössern der Unabhängigkeit, die Nationalistenführer Alex Salmond vor ihren Augen baute, nicht verführen. Sie entschied dagegen, heute morgen in einem engeren und kleineren Land aufzuwachen.

Erleichterung also für Aktien- und Währungsmärkte, die Chaos und Kapitalflucht aus Schottland und dem UK fürchteten, Erleichterung für die Unternehmen in Schottland, die schon ihren Umzug planten, Erleichterung für die westlichen Allianzen, die mitten in Krisenseiten eine Schwächung des wichtigen Partners Großbritannien fürchten mussten, für die britische Admiralität, die nun ihre Atom U-Boote in Schottland lassen darf und für Millionen Briten, die um das Ende ihres alten, stolzen Landes fürchten mussten.

Auch die Queen darf ihr Königreich in einem Stück behalten. Und aufatmen wird nicht zuletzt das politische Europa, das von dem schottischen Beispiel eine Welle neuer Fragmentierung und selbstverliebter nationalstaatlicher Kleinstaaterei befürchtete.

Aber wenn alle noch einmal heile davon gekommen sind und man im Ausland Entwarnung geben kann – ausgestanden ist die Sache nicht. Alex Salmonds Unabhängigkeitsbewegung hat sich teuer verkauft. Der Volksentscheid, die begeisterte und fantasievolle Kampagne der Nationalisten, die Befeuerung der Schotten waren eine Systemrevolte, die Großbritannien in die Knochen erschüttert und die riesige Legitimitätslücke in einem System aufgezeigt, das über 300 Jahre der Inbegriff von Stabilität und selbstgewisser Pragmatik schien.

Das Ergebnis: Ein riesiges Mandat für Reformen und Veränderungen. Nur weil es an die Reformfähigkeit und -willigkeit des jetzigen Systems glaubten, entschied sich Schottland gegen die Staatenzerstörung der Abspaltung. Auch die siegreiche Nein-Seite gab zu: Der Status Quo der britischen Verfassung ist durch dieses Referendum über den Haufen geworfen.

Kommentare zu " Schottland bleibt in Grossbritannien : London bezahlt die Zeche"

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  • Man stelle sich nur vor: Der schrullige Clan im Palast hätte auf ein Drittel seiner Einnahmen verzichten müssen. Nicht auszudenken.

  • Die Spekulanten jubilieren, Schottland trägt Trauer
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    Mit Erleichterung haben Investoren das Scheitern des Unabhängigkeitsreferendums aufgenommen: Der Kurs des britischen Pfunds steigt.

    Cameron ist erleichtert, die Queen ist erleichtert, die Eurokraten sind erleichtert.

    Die Aktienkurse steigen, der Kurs des Pfundes ist gestiegen, aber Schottland befindet sich weiterhin in der Knechtschaft von London.

    Sie hatten die Möglichkeit, sich per Referendum von der Knechtschaft zu befreien, haben es aber nicht genutzt.
    Jetzt müssen sie damit leben.

  • "...Eine freie Willensbekundung ... ist in demokratischen Strukturen doch immer Willkommen, oder?..."
    Ja, so wie sie schreiben, in demokratischen Strukturen schon, ...

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