Schottland-Referendum
Mehr Pyrrhussieg denn Triumph

Schottland bleibt Teil Großbritanniens, die Märkte feiern. Doch wie geht es weiter? Schon stellt sich Ernüchterung ein, denn Experten zerpflücken die Zugeständnisse und Reformen, die London in Aussicht gestellt hat.
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EdinburghSie schlagen den bewährten pädagogischen Weg: Erst loben sie und heben hervor, was alles gut gelaufen ist. Doch dann kommt der Verriss und eine Salve vernichtender Worte. Fünf Ökonomen und Politologen schottischer Hochschulen haben sich einige Stunden nach dem Ausgang des schottischen Referendums zusammengesetzt und versuchen in einem Hörsaal der Universität von Edinburgh die Folgen zu beschreiben.

Nach einem Vorgeplänkel, in dem sie unter anderem die hohe Wahlbeteiligung von fast 85 Prozent loben, fällen sie ein vernichtendes Urteil: Es sei nicht zu Ende gedacht, völlig überstürzt und mit der bisherigen Verfassung des Landes eigentlich gar nicht vereinbar, was der britische Premierminister David Cameron den Schotten versprochen hat, um sie bei der Stange zu halten.

Und dass man diese Pläne auch noch innerhalb von eineinhalb Jahren verwirklichen will, sei eigentlich unmöglich, sagt Nicola McEwen, Politologin in Edinburgh. Ihr Kollege Michael Keating aus Aberdeen warnt gerade: Es wäre ein Fehler den ambitionierten Zeitplan einzuhalten, nur durch eine längere Debatte über die Pläne könne man neue Probleme und Missgriffe verhindern.

Cameron hat einen äußerst komplizierten und gefährlichen Weg eingeschlagen, um die Union zu retten und eine Abspaltung Schottlands zu verhindern: Er will den Schotten mehr Autonomie gewähren – etwa in der Steuer- und Sozialpolitik. Da jetzt aber auch die anderen britischen Nationen einen Ausgleich für die Sonderbehandlung der Schotten fordern, sollen auch Engländer, Walliser und Nordiren mehr Rechte bekommen.

Das ist vor allem für den Fall der Engländer eine ganz einfache Angelegenheit, denn sie haben im Gegensatz zu den anderen britischen Nationen kein Regionalparlament. Über all ihre Gesetze entscheidet das Unterhaus, in dem auch schottische, walisische und nordirische Abgeordnete sitze. Künftig, so Camerons Vorschlag, sollen allein die englischen Mitglieder im Unterhaus über englische Belange abstimmen. Das reicht etwa der rechtspopulistischen Ukip-Partei bei weitem nicht, sie will auch für England ein Regionalparlament. Weiterer Streit ist programmiert.

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