Schottlands Unabhängigkeit
Referendum gefährdet britischen Atommachtstatus

Am Donnerstag stimmen die Schotten über ihre Unabhängigkeit ab. Sollte das Land dem Königreich den Rücken zukehren, hat das Folgen für das Militär – und würde den britischen Weltmachtstatus in Frage stellen.
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LondonEin Ausscheiden Schottlands aus dem Vereinigten Königreich würde für Großbritannien weit mehr als den Verlust von einem Drittel seiner Landmasse bedeuten. Der schottische Regierungschef Alex Salmond will seine Landsleute auch mit der Aussicht auf ein atomwaffenfreies Schottland von seinem Unabhängigkeitsplan überzeugen. Der von Salmond geforderte Abzug der mit Atomraketen ausgerüsteten britischen U-Boot-Flotte aus Schottland stellt daher nicht weniger als Großbritanniens Weltmachtstatus in Frage.

Insgesamt vier mit Trident-Atomraketen bestückte U-Boote hat die britische Marine im Westen Schottlands stationiert. Die Marinebasis Faslane liegt in einem Fjord inmitten einer spektakulären Berglandschaft. Im nahegelegenen Coulport werden die Atomsprengköpfe auf die Raketen montiert. Dass zu jeder Zeit mindestens ein britisches Atomraketen-U-Boot einsatzbereit in den Weltmeeren patrouilliert, gehört zu den Grundpfeilern der britischen Angriffs- und Verteidigungsbereitschaft.

Zugleich rechtfertigen die seit den Zeiten des Kalten Krieges von den USA gelieferten Atomraketen den weltweiten Einfluss Londons lange nach dem Ende seines Kolonialreichs. Großbritannien wie auch die Atommacht Frankreich gehören zu den fünf mit Vetorechten ausgestatteten ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats. Viele Länder mit deutlich größerer Bevölkerung oder ähnlich großer Wirtschaftskraft wie Großbritannien können von so viel Macht nur träumen. Auch in der Nato kommt Großbritannien durch die Atomwaffen eine große strategische Bedeutung zu.

Wenn Schottland aber beim Referendum am kommenden Donnerstag dem Königreich den Rücken zukehren sollte, will Salmond die bei den Schotten wenig beliebten Atomwaffen bis zum Jahr 2020 aus dem Land haben. Malcolm Chalmers von der britischen Forschungseinrichtung Royal United Services Institute (Rusi) schätzt, dass ein Umzug der aufwendig geschützten Flotenbasis eher zum Jahr 2028 machbar wäre. Vorausgesetzt, London fände einen neuen geeigneten Hafen und wollte die nötigen finanziellen Mittel stemmen.

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