Unabhängigkeitsvotum
Bekommen die Schotten bald ihr eigenes Geld?

Kommende Woche stimmt Schottland über seine Unabhängigkeit von Großbritannien ab. In den Umfragen haben die Befürworter Rückenwind. Doch was passiert eigentlich, wenn es dazu kommt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
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DüsseldorfEs ist ein historisches Ereignis. Der britische Premierminister David Cameron lässt seine wöchentliche Fragestunde am Mittwoch ausfallen – und fährt nach Schottland. In einer gemeinsamen Erklärung mit seinem schärfsten politischen Konkurrenten, dem Chef der Labour Partei, Ed Miliband, schreibt er: „Der richtige Ort für uns ist morgen Schottland.“

Der Schulterschluss hat einen einfachen Grund: In den Umfragen haben die Befürworter einer Unabhängigkeit Schottlands starken Rückenwind.

In neun Tagen stimmen die Schotten über die Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Befürworter und Gegner liegen derzeit gleich auf. Setzen sich die Separatisten durch, würde Schottland nach 307 Jahren Zugehörigkeit zu Großbritannien unabhängig. Die Trennung würde aber nicht über Nacht vollzogen. Erst im März 2016 träte die Unabhängigkeit offiziell in Kraft.

Zuletzt warnte das britische Finanzministerium, eine Abspaltung würde ein ökonomisches Erdbeben auslösen. Doch welche praktischen Konsequenzen hätte ein solches Votum für das unabhängige Schottland und für Großbritannien? Antworten auf die wichtigsten Fragen: 

Welche Währung hätte ein unabhängiges Schottland?
Zunächst bliebe alles beim Alten. Die Schotten bezahlen mit dem Pfund, bis die Unabhängigkeit im März 2016 in Kraft tritt. Doch was dann? Kommt die neue schottische Währung? Experten glauben die Einführung eines neuen Zahlungsmittels wäre kaum zu stemmen. Neben den ökonomischen Risiken, wie Währungsschwankungen und den Transaktionskosten, wären auch die Kosten für den Aufbau einer eigenen Notenbank oder für das Drucken von Scheinen und Münzen hoch.

Bisher ist in der Währungsfrage noch nichts entschieden. Geht es nach den Separatisten sollen die Schotten auch nach der Unabhängigkeit mit dem Pfund bezahlen. Eine neue schottische Notenbank solle in der Währungsunion die Geldpolitik koordinieren. Ökonomisch gesehen wäre das zwar sinnvoll. Denn so würden keine Transaktionskosten entstehen, wenn schottische und britische Unternehmen Geschäfte mit dem Pfund tätigen, auch entstünden keine Wechselkursrisiken und die Regierung in Edinburgh könnte Staatsanleihen weiterhin in Pfund halten.

Doch aus London kommt Widerstand. Die drei großen Parteien in London, die Tories, Labour und die Liberaldemokraten, haben klargestellt, dass eine Währungsunion für sie nicht infrage kommt. Ohne haushaltspolitische Koordinierung und eine Bankenunion könne ein gemeinsamer Währungsraum nicht funktionieren – doch wozu sollten die Schotten dann noch unabhängig sein?

Bleibt noch die Euro-Einführung als Option. Dass Schottland dem Euro-Währungsgebiet  beitritt ist aber ziemlich unwahrscheinlich. Denn dazu müssten auch Länder zustimmen, die selbst eine Abspaltung von Bevölkerungsgruppen fürchten, wie etwa Spanien.

Einen ernsthaften Plan „B“ in der Währungsfrage haben die Separatisten noch nicht. Ihr Wortführer, der Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), Alex Salmond, kündigte an, seine Landsleute würden das Pfund „trotzdem verwenden“, auch wenn die Währungsunion am Widerstand Londons scheitern sollte. Das wäre zwar theoretisch möglich, doch angesichts der starken schottischer Finanzindustrie ein Experiment mit nicht absehbarem Ausgang.

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Kommentare zu " Unabhängigkeitsvotum: Bekommen die Schotten bald ihr eigenes Geld?"

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  • Nein! Mitgegangen, mitgefangen!

    Das was Sie dort ansprechen ist doch eine gemeinsame Schande für mangelhafte Aufsicht.
    In meinen Augen sogar eine Form der Geldwäsche. Ob Sie an BER, an die Elbharmonie oder ander "Vorzeigeobjekte" denken, das Prinzip ist immer das gleiche, Es wird Geld unter dem Vorwand der Steuererhebung gewaschen und vom Staat ohne Kontrolle an windige Gesellschaften verteilt.

    Sobald das Geld in diesen Kanälen ankommt, ist es " weiß " und der Staat bekommt seinen Anteil in Form der Steuer wieder zurück. Ein geniales System der straffreien Kriminalität.

  • In der Nachkriegszeit war es nur Nehmerland, verschont von Kriegsschäden, Verschont vor Reparationszahlungen, Subventionen, Aufbau durch die Amis, Aufnahme flüchtender und über die Grenze glotster Unternehmen und Fachkräfte etc. Jetzt wo dieses "ehemalige" Agrarhinterland von langer Hand aufgepeppelt und in die Neuzeit geholt wurde, soll es souverän werde? Diese Geisteshaltungist doch noch von der Scholle geprägt, bayrische Arroganz.

  • @ Herr Bernd Bier
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    Ich würde Berlin sofort an Putin verschenken.
    Oder auch an François Hollande.
    Sollen die doch für diesen Freeloader aufkommen.

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