Vor dem Referendum
Schottlands Achillesferse

Der Finanzsektor ist neben der Ölindustrie das wichtigste Standbein Schottlands. Wird das Land unabhängig, wollen die Banken ihre Sitze nach London verlagern – eine unkalkulierbare Gefahr für die schottische Wirtschaft.
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EdinburghFür Owen Kelly ist ein unabhängiges Schottland ein Albtraum. Der Chef des schottischen Finanzverbands Scottish Financial Enterprise fürchtet weitreichende Konsequenzen für seine Branche. „Es ist schwer vorstellbar, dass der Bankensektor in Schottland so bleibt wie bisher, wenn das Referendum mit ,Ja' ausgeht“, sagt er.

Große Banken mit Sitz in Schottland wie die Royal Bank of Scotland oder die Lloyds Bank haben bereits angekündigt, in diesem Fall ihre Zentralen nach London zu verlagern. Sorgen bereitet der Finanzbranche vor allem die ungeklärte Frage, welche Währung und Zentralbank ein unabhängiges Schottland hätte.

Würden die Banken Schottland verlassen als Folge einer eigenen schottischen Währung, würde das die schottische Wirtschaft hart treffen. Eine Zahl macht dies besonders deutlich: Die Vermögenswerte der Banken entsprechen etwa dem Zwölffachen der schottischen Wirtschaftsleistung – diese Quote ist höher als in Island vor der Finanzkrise.

Wie problematisch die Abhängigkeit Schottlands von den Banken ist, zeigte sich in der Finanzkrise: Der britische Staat musste allein mehr als 50 Milliarden Euro in die Royal Bank of Scotland pumpen, um sie vor dem Zusammenbruch zu retten. Die Rettung der Lloyds Bank verschlang weitere 25 Milliarden Euro. In der schottischen Hauptstadt Edinburgh sind aber nicht nur Großbanken beheimatet, sondern auch Fonds und der Versicherer Standard Life.

Bankenlobbyist Owen Kelly rechnet damit, dass es nach einem Ja zur Unabhängigkeit eine längere Phase der Unsicherheit über die künftige Währung geben würde. Zwar würde die Unabhängigkeit erst im März 2016 offiziell in Kraft treten. Doch die Banken wollen schon vorher Planungssicherheit.

Die in Schottland regierende Scottish National Party (SNP) und ihr Regierungschef Alex Salmond gehen davon, dass es dann eine Währungsunion mit dem restlichen Vereinigten Königreich geben würde. Doch daran zweifeln viele. Die großen Parteien im Londoner Parlament haben eine Währungsunion ausgeschlossen. „Niemand sonst glaubt, dass eine Währungsunion realistisch ist“, sagt Verbandschef Kelly.

Kommentare zu " Vor dem Referendum: Schottlands Achillesferse"

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  • Stimmen die Schotten für die Unabhängigkeit, wäre es der erste kleine Riss auch im Staudamm "EU". Anbei ein höchst interessantes Interview mit Irvine Welsh. Eigentlich muss man nur die Begriffe "Großbritannien mit"EU" austauschen. Volltreffer.

    http://www.spiegel.de/kultur/literatur/irvine-welsh-zum-schottland-referendum-pro-unabhaengigkeit-a-991070.html

  • Da können sie ja eigentlich gleich nach Frankfurt umsiedeln, wenn der dumme Insel-Mob außerhalb der City tatsächlich den Austritt aus der EU erzwingen sollten. Ohne Canary Wharf sind die Tommys nämlich gar nichts und bankrott.


    Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope.

    Carl Icahn Jr.
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