Scotland Yard will in Moskau ermitteln
London schweigt zum Tod Litwinenkos

Der mysteriöse Anschlag gegen den Ex-KGB-Spion Alexander Litwinenko sorgt für Wirbel in Großbritannien. Scotland Yard will nun sogar in Moskau ermitteln. Britische Sonntagszeitungen wimmelten unterdessen von widersprüchlichen und fantastischen Theorien über die Drahtzieher der Vergiftung Litwinenkos.

LONDON. Britische Oppositionsparteien fordern eine Stellungnahme der Regierung zum Tod des russischen Dissidenten und früheren Geheimdienstagenten. Der konservative Schatteninnenminister David Davis sagte, es gebe eine ganze Reihe von Fragen. „Andere Dissidenten, die in Großbritannien leben, brauchen Gewissheit bezüglich ihrer persönlichen Sicherheit. Und wir müssen wissen, wie Polonium 210 in Großbritannien zur Anwendung kommen kann“. Innenminister John Reid lehnte bereits ab, eine Stellungnahme im Unterhaus abzugeben.

Seit am Freitag bekannt wurde, dass Litwinenko mit dem stark radioaktiven, für Geigerzähler aber schwer erkennbaren Isotop Polonium 210 vergiftet wurde, trat das britische Sicherheitskabinett Cobra zu mehreren Sitzungen zusammen. Der Einsatz des schwer erhältlichen Stoffes macht Experten zufolge die Beteiligung einer staatlichen oder sehr einflussreichen Organisation wahrscheinlich.

Britische Regierungskreise hielten sich mit Stellungnahmen aber zurück. Downing Street verwies lediglich darauf, dass der Fall Angelegenheit der Polizei sei. Das Außenministerium bestellte am Freitag den russischen Botschafter ein und forderte Russland auf, der Polizei bei den Ermittlungen behilflich zu sein und relevante Dokumente und Zeugen zur Verfügung zu stellen. Weitere Stellungnahmen gab es nicht.

Scotland Yard fand inzwischen in mehreren Gebäuden Spuren des radioaktiven Stoffes, darunter in Räumen des Millennium Hotels am Grosvenor Square und auf einem Tisch in der „Itsu“ Sushi Bar am Piccadilly, wo sich Litwinenko kurz vor seiner Erkrankung am 1. November mit Kontakten getroffen hatte. Rund 300 Personen meldeten sich bei den Gesundheitsbehörden, weil sie befürchten, Kontakt mit dem radioaktiven Material gehabt zu haben.

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