Sean Spicer
„Nicht einmal Hitler hat Chemiewaffen eingesetzt“

Trumps Pressesprecher gesteht einen „groben Fehler“ ein. Doch sein restlos verunglückter Vergleich zwischen Syrien und Nazi-Deutschland sorgt in den USA für Diskussionen über Antisemitismus und Rassismus im Weißen Haus.
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San FranciscoEr wollte eigentlich nur verdeutlichen wie schlimm Syriens Machthaber Bashar al-Assad wirklich ist. Aber der Vergleich, den Sean Spicer, Pressesprecher des Weißen Hauses, dafür am Dienstag aus dem Hut gezaubert hat, ging mächtig nach hinten los.

Spicer rief mit seiner Aussage nicht nur heftige Reaktionen aus allen politischen Lagern und bei Menschenrechtsorganisationen hervor. Er fiel damit auch US-Außenminister Rex Tillerson in den Rücken, der gerade in Russland für gutes Wetter sorgen wollte.

"Nicht einmal ein so verachtenswerter Mensch wie Hitler hat Chemiewaffen eingesetzt", antwortete Spicer während einer Pressekonferenz auf die Frage, warum die USA wegen mehrerer Toter nach einem Chemiewaffeneinsatz einen Militärschlag ausgeführt habe, aber nicht zuvor, als zehntausende durch konventionelle Waffen gestorben seien.

Praktisch umgehend setzten verstörte Reaktionen auf die Behauptung ein, und die Frage tauchte auf, ob Spicer den Holocaust und die Gaskammern leugnen will oder einfach nur keine Ahnung hat, wovon er redet. Noch während der routinemäßigen täglichen Pressekonferenz darauf angesprochen, sah Spicer seinen Irrtum zwar ein, machte es aber nur noch schlimmer.

Spicer redet sich noch tiefer rein

Er habe nur gemeint, dass Hitler, anders als Assad, kein Giftgas in Flugzeuge geladen und auf Städte abgeworfen und Unschuldige getötet habe. Warum das schlimmer sein soll als Unschuldige, Männer, Frauen und Kinder in Gaskammern zu ermorden, erschloss sich aber niemandem.

Rund 30 Minuten nach der Veranstaltung kam die nächste Verlautbarung, in der Spicer dann explizit die Grauen des Holocaust ansprach und sagte, er wollte diese in keiner Weise verharmlosen, sondern nur auf taktische Unterschiede hinweisen. Jetzt war alles zu spät. Das Internet brummte, alle TV-Sender griffen die Story groß auf.

Was zudem bleibt, sind zwei andere Ungereimtheiten: Im Anschluss an seinen Hitler-Vergleich sagte Spicer, Wladimir Putin "sollte sich gut überlegen", ob er sich mit dem Machthaber in Syrien gemein machen wolle. Das stellt Putin praktisch auf eine Stufe mit Assad und macht ihn damit in Spicers Logik schlimmer als Hitler.

Für US-Außenminister Rex Tillerson, der gerade in Moskau angekommen ist, wird es so viel zu erklären geben. Denn die Provokation Russlands, das wie kaum ein anderes Land unter Hitler-Deutschland gelitten hat, kommt vor dem Hintergrund massiver Spannungen nach dem US-Raketenangriff auf Syrien und Anschuldigungen, Moskau versuche den vorhergegangenen Giftgas-Angriff in Syrien zu vertuschen oder sie gar involviert gewesen.

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Gerüchte um Spicers Ablösung kursieren schon lange

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  • "Wie der Herre, so´s Gscherre"
    (Volksmund)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Herr Peter Spiegel - 12.04.2017, 12:15 Uhr

    Aber was ändert es daran das der Herr Hitler das Zyklon B gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hat? Und der Herr Spicer das entweder nicht wußte oder bewußt verleugnet hat?

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