SEC will umstrittene Regel über interne Unternehmenskontrolle aufschieben: US-Börsenaufsicht kommt deutschen Firmen entgegen

SEC will umstrittene Regel über interne Unternehmenskontrolle aufschieben
US-Börsenaufsicht kommt deutschen Firmen entgegen

Die US-Finanzaufsicht SEC kommt nicht-amerikanischen Unternehmen entgegen, die über zu teure Regulierungsauflagen klagen. SEC-Chef William Donaldson will eine besonders aufwendige Regel des Sarbanes-Oxley-Gesetzes, genannt Abschnitt 404, offenbar später einführen. Er denke über „eine spürbare Verschiebung“ der Regel-Einführung nach, sagte Donaldson.

HB tmo NEW YORK.Intern plant die SEC laut ihrem obersten Bilanzexperten Donald Nicolaisen, dass nicht-amerikanische Unternehmen „Section 404“ erst vom 2007 an erfüllen müssen, statt wie bislang ab Juli 2005.

Laut Sarbanes-Oxley-Gesetz müssen alle Unternehmen, die der US-Finanzaufsicht unterstehen, interne Bilanzkontrollen gegen Bilanzbetrug einrichten. Das soll Manipulationen wie bei den US-Konzernen Enron, Worldcom und Tyco erschweren. Die „Section 404“ fordert im Kern, dass Firmen ihre internen Kontrollen umfassend dokumentieren und ständig überprüfen müssen. Die jeweiligen Vorstandschefs und der Finanzvorstand müssen die Wirksamkeit der internen Kontrollen jährlich bestätigen.

SEC-Chef Donaldson sagte, er wolle die US-Finanzauflagen „kosteneffizienter“ gestalten, ohne ihren Kern anzutasten. Nicht-amerikanische Unternehmen müssen bislang ihre internen Kontrollen zum 31. Dezember 2005 bewerten. Laut SEC könnte dieser Stichtag auf Dezember 2006 verschoben werden.

In den USA arbeiten börsennotierte Konzerne derzeit an ihren „404“-Berichten, die sie für den Stichtag 31. Dezember 2004 vorlegen müssen. Die US-Firmen klagen über hohe Kosten – ebenso wie deutsche Unternehmen, zum Beispiel der Münchener Elektroriese Siemens und der Wiesbadener Carbon- und Graphit-Verarbeiter SGL Carbon. SGL Carbon reagierte positiv auf die angedachte Verschiebung. „Wir würden dies begrüßen, um etwas mehr Luft bei der Einführung der Section 404 zu haben“, sagte ein Firmensprecher.

SGL Carbon ging 1996 als zweites deutsches Unternehmen nach Daimler-Chrysler an die Börse in New York. Wegen stark gestiegener Regulierungskosten würde sich SGL Carbon nun aber gerne von der US-Börse zurückziehen, ebenso wie Siemens. „Als mittelständisches Unternehmen mit knapp einer Milliarde Euro Umsatz müssen wir einen Aufwand betreiben, der unverhältnismäßig hoch ist“, sagt der SGL-Carbon-Sprecher. Nicht die Regeln an sich, sondern die Kosten schreckten das unternehmen ab.

Doch um den US-Auflagen zu entkommen, müsste die Zahl der US-Aktionäre nachweislich unter 300 sinken. Das macht einen Rückzug praktisch unmöglich. Deshalb zahlt SGL Carbon nach eigenen Angaben für den Aufbau interner Kontrollen dieses Jahr zwei bis drei Mill. Euro, danach drohen laufende Kosten von rund drei Mill. Euro jährlich. Der Großteil geht an externe Wirtschaftsprüfer, die solche Systeme derzeit bei vielen Unternehmen einführen.

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