Sechs Fragen an: Kamal Nath
„Wir sind natürliche Partner“

In Neu-Delhi standen Indiens Wirtschafts- und Handelsminister Kamal Nath und sein deutscher Kollege Michael Glos den Unternehmen Reden und Antwort: Beide ermuntern mittelständische Unternehmen zur Zusammenarbeit. Das Handelsblatt fragte nacht.

Herr Minister, drängen Sie nach dem Scheitern der Welthandelsgespräche auf ein bilaterales Abkommen mit der Europäischen Union?

Ja. Premierminister Manmohan Singh wird anlässlich des EU-Gipfels im Oktober dieses Jahres in Finnland vorschlagen, ein europäisch-indisches Freihandelsabkommen einzuleiten.

Die Europäische Union war bis jetzt bei bilateralen Abkommen sehr zurückhaltend. Sehen Sie Anzeichen, dass sich das mit dem Aussetzen der Doha-Runde ändert?

Sicherlich war die Enttäuschung über den Fehlschlag bei allen sehr groß. Doch die EU wird nur auf der Basis von Fakten entscheiden und sich nicht von Emotionen leiten lassen. Und Fakt ist: Ein Abkommen zwischen Indien und der EU würde beiden nutzen. Wir sind natürliche Handelspartner.

Setzen Sie jetzt primär auf bilaterale Partnerschaften an Stelle eines Abkommens im Rahmen der WTO?

Nein, es gibt letztendlich keine Alternative zu einem multilateralen Handelssystem. Bilaterale und regionale Abkommen ersetzen dieses nicht, sie ergänzen es. Es gibt vieles, was bilateral möglich ist, multilateral aber nicht.

Sie sehen hier keinen Widerspruch?

Absolut nicht. Selbst wenn die Doha-Runde noch ein Erfolg wird, wovon ich fest überzeugt bin, würden bilaterale und regionale Abkommen als logische Ergänzung folgen. Die Nafta steht schließlich auch nicht im Gegensatz zur WTO.

Würden Sie bei einem bilateralen Abkommen mit der EU Agrarprodukte ausklammern?

Nein, die Agrarprodukte sind auch gar nicht das große Problem. In der EU werden schließlich weder Tee, Reis noch Cashewnüsse angebaut – Produkte, die für uns von großer Bedeutung sind. Wir werden einem für Europa interessanten Warenkorb bevorzugten Marktzugang anbieten, im Gegenzug für Zugeständnisse an uns.

Woran ist die Doha-Runde dann gescheitert?

Einige Länder wollten subventionierte Agrargüter exportieren. Das mag Freihandel sein, fairer Handel ist es allerdings nicht. Es führt zu künstlichen Preisen, mit denen indische Anbieter nicht konkurrieren können. Die Doha-Runde durfte das nicht festschreiben. Die EU hat sich ziemlich bewegt. Das freut mich. Sie muss noch ein wenig mehr nachgeben. Natürlich müssen auch die USA mehr zur Korrektur der Verzerrungen tun.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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