Sechs Fragen an: Melinda Liu: „Big Brother ist hier der Sieger“

Sechs Fragen an: Melinda Liu
„Big Brother ist hier der Sieger“

Melinda Liu, Präsidentin des Foreign Correspondent Club China in Peking, über die Arbeitsbedingungen ausländischer Journalisten im Reich der Mitte.

Wie sind die Arbeitsbedingungen ausländischer Journalisten in China?

Die Pressefreiheit in China hat in den vergangenen Jahren mehr Rückschläge als Fortschritte erlebt. Das betrifft allerdings vor allem die chinesischen Medien. Aber auch für ausländische Korrespondenten ist China ein sehr schwieriger Ort. Wir erleben zum Beispiel mehr Druck auf die chinesischen Assistenten als früher.

Sie reden von Verhaftungen und Verhören, wie es vor kurzem der deutsche „Zeit“-Korrespondent Georg Blume erleben musste?

Es gibt etliche Fälle, wo Journalisten und Assistenten dies berichten. Sie kommen meist rasch wieder frei, das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Chinas Behörden glauben immer noch, sie können das tun.

Passt das alles zu einem modernen China?

Bei aller wirtschaftlichen Veränderung ist die klare Lenkung durch Chinas Einheitspartei immer noch vorhanden. Und technologischer Fortschritt bedeutet noch lange nicht, dass auch das Denken voranschreitet.

Welche Rolle spielen neue Technologien bei der Überwachung?

Vor zwei Jahren wussten die Behörden hier noch nicht so recht, wie sie mit dem Internet umgehen sollten. Heute haben sie das im Griff. „Big Brother“ ist der klare Sieger in China.

Was bezweckt Chinas Führung damit?

Sie kontrolliert damit, wie sich Meinungen formen, und verhindert die Bildung von Gruppen oder Organisationen. Zudem geht es um Einfluss, denn die Internet-Polizei übernimmt zunehmend eine Propaganda-Rolle. Das ist recht neu.

Wird China auf Dauer an Pressezensur festhalten können?

Vielleicht nicht für immer. Aber ich denke, wir werden das länger erleben, als wir glauben. China ist von einer freien Presse noch weit entfernt.

Die Fragen stellte Andreas Hoffbauer.

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