Sechs Fragen an Reinhard Mitschek, Geschäftsführer des Nabucco-Konsortiums
„Lieferungen aus Iran nicht ausgeschlossen“

Warum verzögert sich das Nabucco-Projekt von Quartal zu Quartal?

Es gibt keine wesentlichen Verzögerungen. Das Vorhaben ist eine Herausforderung: Wir nutzen eine neue Transportroute, und es werden neue Gasquellen erschlossen. Das Nabucco-Konsortium, das derzeit aus Vertretern von Energiefirmen aus fünf Ländern besteht, muss klare, möglichst synchronisierte Rechtsgrundlagen vorfinden, damit der Businessplan am Ende aufgeht. Nach außen sieht man vielleicht nicht viel, intern haben wir jedoch alle Hände voll zu tun.

Aber ein paar Fortschritte zu nennen, wäre schon ganz schön ...

Alle fünf Konsortialpartner sind sich mit den Regulatoren in ihren Ländern über eine Ausnahmeregelung von den EU-Gas-Direktiven etwa bezüglich der Tarifmethodik einig. Die Regelungen werden jetzt mit der EU-Kommission in Brüssel abgestimmt. Die Verhandlungen mit einem sechsten Konsortialpartner sind abgeschlossen. Die formalen Genehmigungsprozesse für den Vertragsabschluss sind im Gange.

Wir glauben, dass die deutsche RWE sechster Partner wird.

Ich ersuche um Verständnis, dass ich diese Angelegenheit aufgrund von Vertraulichkeitsverträgen nicht weiter kommentieren darf. Sobald der Vertragsabschluss absehbar ist, werden wir uns an die Presse wenden.

Wo kommen die 30 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr für die Pipeline her? Iran ist ein unsicherer Kandidat.

Wir werden 2012, wenn die Pipeline soweit ist, nicht sofort 30 Mrd. Kubikmeter Gas durchleiten, sondern mit acht bis zehn Milliarden anfangen. Der Markt wird dann die Ausbaugeschwindigkeit auf die maximale technische Kapazität mitentscheiden. Für diese ersten Lieferungen setzen wir auf Aserbeidschan. Entsprechende Verträge werden derzeit verhandelt. Später könnte durch eine transkaspische Pipeline Gas aus Turkmenistan und Kasachstan dazukommen. In einem nächsten Schritt, um 2017 sind Lieferungen aus Iran, Irak und Ägypten nicht auszuschließen.

Könnte, müsste, vielleicht – klingt alles recht vage. Ist das nicht Zukunftsmusik?

Natürlich ist das Zukunftsmusik. Aber wir werden uns bis 2012 sehr anstrengen und das Ziel erreichen.

Ist Nabucco ein Konkurrenzprojekt zu russischen Gaspipelines wie zum Beispiel North- oder South-Stream?

Nabucco ist kein antirussisches Projekt. Es wird russische Gaslieferungen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Und wir wollen auch niemanden diskriminieren: Deswegen ist russisches Gas auch für Nabucco willkommen. Natürlich sind wir auch Konkurrenten, wenn es etwa um den Gaseinkauf in der kaspischen Region geht. Aber das ist doch legitim.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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