Seestreit: China fordert von Japan eine Entschuldigung

Seestreit
China fordert von Japan eine Entschuldigung

Der chinesische Kapitän, der mit seinem Fischerboot mit Schiffen der japanischen Küstenwache kollidiert und anschließend festgenommen worden war, ist wieder frei. Für China reicht das allein jedoch nicht: Die Regierung fordert eine Entschuldigung.
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HB PEKING. Für China ist der Seestreit mit Japan noch nicht ausgestanden. Nach der Freilassung des Kapitäns eines chinesischen Fischerbootes aus japanischer Haft fordert die Regierung in Peking eine Entschuldigung aus Tokio. Außerdem müsse Entschädigung geleistet werden, verlangte am Samstag das Pekinger Außenministerium. dda Japan lehnt chinesische Forderungen nach einer Entschuldigung ab - Keine Entspannung in Sicht - Sorgen um wirtschaftliche Folgen des Disputs -- Tini Tran --

dapd PEKING. Japan hat die Forderungen Chinas nach einer Entschuldigung für die Festnahme eines chinesischen Fischkutter-Kapitäns entschieden zurückgewiesen. Der Mann saß seit dem 8. September in Untersuchungshaft, nachdem sein Schiff in einem umstrittenen Seegebiet mit einem Boot der japanischen Küstenwache zusammengestoßen war. An der Festnahme entzündete sich ein diplomatischer Disput, der auch nach der Freilassung des Kapitäns am (heutigen) Samstag nicht endete.

“Es ist gesetzwidrig und falsch von Japan, die chinesischen Fischer festzuhalten und den Trawler zu beschlagnahmen sowie Ermittlungen oder rechtliche Schritte jedweder Form einzuleiten“, erklärte das chinesische Außenministerium. Die japanische Seite müsse sich entschuldigen und Entschädigung leisten, hieß es weiter.

Das japanische Außenministerium nannte die Forderungen haltlos und schlichtweg inakzeptabel. Die Festnahme des Kapitäns und die Untersuchung des Vorfalls seien „eine angemessene und besonnene Reaktion im Einklang mit den Gesetzen unserer Nation“ gewesen.

In New York rief Japans Ministerpräsident Naoto Kan zur Mäßigung auf beiden Seiten auf, damit China und Japan ihre wichtigen Beziehungen voranbringen könnten.

An Bord einer Chartermaschine traf der 41 Jahre alte Seemann in seiner südchinesischen Heimatprovinz Fujian ein. Der mehr als zweiwöchige Streit um die Kollision seines Fischerbootes mit Schiffen der japanischen Küstenwache hatte die Beziehungen auf den tiefsten Stand seit Jahren fallen lassen. Der Zwischenfall ereignete sich in einem umstrittenen Seegebiet um die Diaoyu Inseln nordöstlich von Taiwan. Der Kapitän war festgenommen worden, während die Besatzung nach Verhören heimkehren konnte.

Japans Regierungschef Naoto Kan sagte laut chinesischer Nachrichtenagentur Xinhua in New York, die Staatsanwaltschaft habe die Freilassung angeordnet, "nachdem sie die Art des Zwischenfalls aus verschiedenen Winkeln umfassend geprüft hat". China und Japan seien "wichtige Nachbarn". Es sei für beide Länder notwendig, "mit bestimmten Dingen ruhig umzugehen, um die gegenseitig nützlichen und strategischen Beziehungen zu vertiefen".

Chinas Außenministerium protestierte aber erneut. Die Festnahme, die Ermittlungen und "jede Form von rechtlichen Maßnahmen gegen das chinesische Schiff und die Fischer sind ungesetzlich und ungültig", hieß es in einer Erklärung. "Japan muss sich bei China entschuldigen und Entschädigung für den Vorfall anbieten."

Nach der Freilassung des Kapitäns teilte die japanische Staatsanwaltschaft mit, er habe "spontan" gehandelt. Es ließe sich "nicht erkennen, dass er das geplant hat". Doch sei "offensichtlich", dass er das Schiff der Küstenwache absichtlich gerammt habe. Die Frage, ob er angeklagt werde, werde von der weiteren Entwicklung der Beziehungen beider Länder abhängig gemacht, hieß es weiter.

Die umstrittenen Inseln, die auf Japanisch Senkaku heißen, werden sowohl von Japan als auch von China beansprucht. In dem seit langem schwelenden Streit geht es auch um die Ausbeutung von Rohstoffvorkommen und die Ausdehnung der jeweiligen Wirtschaftszonen in dem Seegebiet.

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