Seit 7 Uhr
Im Libanon ruhen die Waffen

Seit 7 Uhr gilt der Waffenstillstand im Libanon-Krieg. Und tatsächlich: Die Kämpfe sind nach ersten Angaben aus Tel Aviv und Beirut eingestellt. Dabei hatte es nur Stunden zuvor so ausgesehen, als ob die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts gescheitert wären.

HB TEL AVIV/BEIRUT. Israel rief seine Streitkräfte auf, die Angriffe einzustellen. Ein Militärsprecher erklärte, die Truppen seien angewiesen worden, von 7 Uhr MESZ an auf Kampfhandlungen zu verzichten. Sie würden aber dennoch alles tun, um Angriffe von Seiten der Hisbollah zu verhindern. Außerdem werde die Luft- und Seeblockade gegen den Libanon aufrechterhalten, hieß es. Bevor die Blockade aufgegeben werde, müsse erst sichergestellt sein, dass der Schmuggel von Waffen auf andere Art gestoppt werde.

Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die Waffenruhe würde eingehalten. Plötzlich sei es vollkommen still im Süden des Landes gewesen. Ein oder zwei Minuten vor der Frist habe Israel noch Luftangriffe geflogen und das Gebiet beschossen. Auch die Hisbollah halte sich an die Waffenruhe.

Die Waffenruhe ist zentraler Bestandteil einer UN-Resolution zur Beendigung des seit fünf Wochen andauernden Kriegs. Sie sieht auch die Entsendung von 15 000 Friedenssoldaten vor, die den Waffenstillstand sichern sollen. Die Blauhelme sollen mit Unterstützung der libanesischen Armee anstelle der Israelis und der Hisbollah in den Südlibanon einrücken.

Bei dem am 12. Juli ausgebrochenen Krieg sind inzwischen etwa 1 100 Menschen im Libanon ums Leben gekommen, die meisten davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 149 Menschen.

Schwere Kämpfe

Wenige Stunden vor Inkrafttreten der Waffenruhe waren bei israelischen Luftangriffen im Osten des Libanons Sanitätern zufolge noch mindestens 9 Zivilisten ums Leben gekommen. Kampfflugzeuge beschossen ein Dorf in der Nähe der Hisbollah-Hochburg Baalbek und ein Büro der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) am Rand eines palästinensischen Flüchtlingslagers in Sidon.

Bei einem Angriff am Sonntag in Brital seien rund 20 Menschen verletzt worden, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes; Sanitäter sprachen von mehr als 30 Verletzten. Drei Häuser seien zerstört worden, unter den Trümmern würden weitere Opfer vermutet. Brital liegt etwa 15 Kilometer von Baalbek entfernt. In einem der getroffenen Häuser sei ein Büro der Hisbollah-Miliz untergebracht gewesen, erklärten Anwohner.

Flugblätter mit Drohung

Über Beirut warfen israelische Kampfflugzeuge am Montag Flugblätter ab, in denen vor weiteren Angriffen gegen Israel gewarnt wurde. Die Streitkräfte würden „mit der notwendigen Gewalt gegen jeden terroristischen Akt“ vorgehen, hieß es. Die Hisbollah habe der Bevölkerung Zerstörung, Vertreibung und Tod gebracht. „Werdet ihr diesen Preis noch einmal zahlen können?“ war auf einem Flugblatt zu lesen.

Schwere Gefechte kosteten am Sonntag im Südlibanon fünf israelische Soldaten das Leben. Die Hisbollah feuerte mehr als 250 Raketen auf den Norden Israels ab, so viele wie noch nie an einem Tag seit Beginn der israelischen Offensive am 12. Juli. Ein Mann wurde nach Angaben von Rettungskräften getötet, als ein Geschoss in einem Haus einschlug. 53 Menschen seien verletzt worden, zwei von ihnen schwer.

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